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Wie gehe ich mit Trauer und trauernden Freund*innen um?

Autorin: Alexandra Kossowski

Immer wieder berichten mir Menschen in Trauer, dass sich Freundschaften während der Trauerzeit verändert haben. Oder sich der Freundeskreis halbiert hat. Oder dass die Menschen, von denen sie die meiste Unterstützung erhofft hatten sich nicht mehr gemeldet haben.

Woran liegt das und wie geht man damit um?

Generell gelten für alle Veränderungen im Leben, dass sie eine Entwicklung mit sich bringen. Wir lernen etwas Neues dazu, wir haben auf einmal andere Gefühle als vorher oder beschäftigen uns mit anderen Themen. Weil wir es müssen oder weil wir es wollen.

Was das Thema Trauer so schwierig macht ist, dass es uns alle etwas angeht

Es erinnert den/die andere/n  wahrscheinlich

  • an einen eigenen Verlust, der sehr schmerzlich war
  • an einen unverarbeiteten Verlust und das Auseinandersetzen damit würde die eigenen verdrängten Gefühle hochbringen
  • an die eigene Endlichkeit, den eigenen Tod
  • daran, dass er/sie keine Lösung für dich hat und nichts sagen oder tun kann um deinen Verlust rückgängig zu machen

Wie geht man als Trauende/r damit um?

Wenn sich jemand von dir zurückzieht, dann kannst du einfach fragen warum. Wenn du eine ehrliche Antwort bekommst, bspw. „Ich weiß nicht, was ich dir sagen oder wie ich dir helfen kann“, dann kannst du einfach sagen wie du dir Unterstützung wünschst. Vielleicht reicht es dir, dass ihr zusammen einen Spaziergang macht oder mal wieder euren Lieblingsfilm schaut. Dem/der anderen wird so der Druck genommen etwas leisten und lösen zu müssen, was nicht möglich ist.

[Mehr Texte über die Freundschaft: „Und die Erinnerungen, die wir gemeinsam schaffen, riechen nach wilder Freiheit, die wir uns ganz bestimmt in vielen Jahren in Erinnerung rufen werden.„]

Es wird Menschen geben, die mit Gefühlsthemen nicht gut umgehen können oder wollen. Dann ist das auch ok. Hier darfst du respektieren, dass sie nicht in der Lage sind gerade bei dir zu sein. Ich weiß, das schmerzt, aber genauso wird es Menschen geben, die vielleicht vorher nicht auf deinem Radar waren, die aber genau wissen wie sie dich unterstützen können.

Wichtig ist, dass du Unterstützung bekommst wie sie wertvoll für dich ist und das muss für beide Seiten passen. Konzentriere dich daher auf die Menschen, die da sind und da sein wollen.

Das ist nicht böse oder wertend gemeint. Jeder darf für sich sorgen. Und wenn ich über meine Grenzen gehen müsste, um jemanden mit etwas zu unterstützen mit dem ich selbst nicht klarkomme, dann darf ich das sagen und meine Grenzen wahren. Ich kann nur unterstützen und Hilfe geben, wenn ich gut für mich selbst sorge. Ein Auto ohne Benzin wird mich nirgendwo hinbringen.

Tipps für Menschen in deren Umfeld jemand trauert

Ich stelle immer wieder fest, dass wir nur ganz wenige Vokabeln haben, um Trauer oder  Mitgefühl auszudrücken. Meistens wollen wir etwas sagen, dass die Gefühle des/der Trauernden kleiner macht oder sie als „nicht so schlimm“ abtut. Ich habe hier mal Übersetzungen dazu geschrieben, was ein Mensch in Trauer versteht, wenn wir gut gemeinte Ratschläge sagen:

  • „Das wird schon wieder.“>> „Stell dich nicht so an, ein paar Wochen und dann hast du dich daran gewöhnt.“
  • „Die Zeit heilt alle Wunden.“ >> „Das was du erlebst, haben schon viele vor dir erlebt, bisher hat das noch jede/r überstanden, du musst nur abwarten.“
  • „Du bist noch jung.“ >> „Du wirst einfach nochmal schwanger.“ „Es gibt noch viele andere Menschen, um deinen Partner zu ersetzen.“
  • „Ich weiß wie du dich fühlst, das ging mir damals auch so als meine Oma gestorben ist.“ >> „Ich weiß, was du brauchst und deine Trauer ist wie meine.“

Versteh mich nicht falsch, es geht nicht darum, dass Trauernde alles schwarzsehen und deinen Ratschlag falsch verstehen wollen. Nur sind sie gefühlsmäßig in einer ganz anderen Lage als wir selbst. Und natürlich kann Trauer mit der Zeit leichter werden und natürlich kann ein junges Paar erneut versuchen schwanger zu werden oder ein/e junge/r Witwe/r nochmal heiraten. Aber das ist soweit in der Zukunft, dafür ist niemand bereit, wenn er/sie akut trauert.

Was kann ich sagen, wenn jemand trauert?

Hier ein paar Anregungen. Wichtig ist, dass du ehrlich bist und nicht versuchst etwas herunterzuspielen, weil du selbst mit Trauer nicht umgehen möchtest:

  • „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich kann mir kaum vorstellen wie es dir jetzt geht. Komm, ich mache uns einen Kaffee.“
  • „Es tut mir sehr leid, was passiert ist. Möchtest du darüber reden?“
  • „Gerne höre ich dir zu, auch, wenn ich nichts dazu sagen kann.“
  • „Ich bin nicht so gut darin über solche Themen zu sprechen, aber ich habe dir eine Suppe mitgebracht und ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage.“
  • „Ich weiß noch wie ‚der/die Verstorbene‘ immer Fußball im Garten gespielt hat / laut Musik gehört hat / toll Kuchen gebacken hat / als wir zusammen im Urlaub waren….“ Teile eine schöne Erinnerung an die verstorbene Person.

Manchmal brauchen Freund*innen in Trauer auch einfach unsere Zeit.

Sag, wenn du etwas nicht kannst oder nicht tun kannst/möchtest. Sei ehrlich. Wenn du nicht reden kannst, dann ist das ok. Teile dich deiner Umwelt nur mit. Das gilt für alle Seiten.

Was ist mit Jahrestagen, Geburtstagen, Weihnachten?

Oftmals fragen wir uns ja wie wir reagieren sollen, wenn sich bspw. der Tag der Beerdigung zum ersten Mal jährt oder der/die Verstorbene heute zum ersten Mal Geburtstag hätte. Oder das erste Weihnachten, der erste Muttertag nach dem Tod der Mutter. Ihr seht, es gibt unzählige Tage im Jahr an denen wir uns automatisch wieder stärker mit der Trauer konfrontiert sehen.

Auch hier: Frage!
Sprich es an. Übergehe einen offensichtlichen Tag nicht einfach und warte darauf, dass der/diejenige, der/die den Verlust erlebt hat weiß, was zu tun ist.
Wir denken vielleicht „Wenn ich es anspreche, kommt alles wieder hoch“. Ja, vielleicht ist das so. Gleichzeitig zeigst du aber auch Feingefühl dafür, dass der Tag schwieriger als sonst sein könnte, dass du da bist, dass du den/die Verstorbene/n respektierst und nicht „vergessen“ hast.

Du hilfst damit auch die Erinnerung lebendig zu halten.

 

Alexandra ist Trauerbegleiterin und Coach bei Trauer & Verlust. Sie arbeitet in Berlin oder auch online.
www.Leid-und-Freud.de