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Was ist denn nun die Alternative für Deutschland?

Die Innenpolitik Deutschlands besteht in den letzten Tagen und Wochen gefühlt, vor allem in den sozialen Netzwerken, nur noch aus drei Worten: Alternative für Deutschland. 
Das klingt zunächst recht attraktiv, wenn man als besorgter, am Politgeschehen teilnehmender Bürger mit der aktuellen Politik im Land nicht einverstanden ist. Und es scheint als gäbe es endlich eine Partei, die genau die Interessen der Bürger vertritt, die oftmals übersehen werden.  Christliche Abendlandsvertreter aus der gesamten Republik wittern eine Alternative. Aus dem Nichts gekommen, stehen da auf einmal Menschen, die den großen Parteien und Politikern Deutschlands seit 2013 ein Contra geben. Volksnah, laut, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die Sehnsucht nach solch einer Partei scheint in einigen tief geschlummert zu haben und es verwundert kaum, dass sich in nur wenigen Monaten zahlreiche Anhänger finden, die volksnah, laut mitplärren. 

Und was macht die große Politik? Sie ignoriert zunächst gekonnt. Dieser Plan scheint zumindest fürs Erste aufzugehen und 2013/14 spielt die AfD kaum eine Rolle im politischen Geschehen. Doch dann kippt die Stimmung und die Anti-Euro-Partei wird auf einmal Rettungsanker, entschuldigt diesen Sarkasmus, für umhertreibende Deutsche, die ihr Land dem Untergang geweiht sehen, weil ihrer Meinung nach zu viele Flüchtlinge aufgenommen werden. Das ist das Thema, auf das sich die AfD mit Eifer stürzt und auf einmal Marktplätze in ganz Deutschland mit perfiden Redner und hunderten Schaulustigen sowie besorgten Bürgern füllt. Auch hier zunächst Ignoranz. Doch dann passiert das, was sich die AfD immer gewünscht, die Medien stürzen sich auf  die miesgelaunten Meinungsmacher. Auf einmal darf eine Frauke Petry (Vorsitzende der AfD) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen an Politik-Diskussionen teilnehmen und ein Björn Höcke (AfD-Fraktionsvorsitzender in Thüringen) darf mit Deutschlandfähnchen geschmückt seine rassistischen Thesen verbreiten.

Gerade im Medienrummel, den sich die AfD selbst so gewünscht hat (und wir müssen gestehen, dass dieser Plan aufgegangen ist), entlarvt sich die Partei jedoch immer wieder selbst. Sowohl zutiefst menschenfeindliche Aussagen, wie den Beschuss von Flüchtlingen an den Grenzen, als auch großes Schlittern bei Diskussionsrunden mit, man kann es nicht anders sagen, intelligenteren Politikern oder Moderatoren, bringen ans Licht wie die AfD wirklich tickt.

Die AfD ist keine Alternative. Die AfD ist asozial für Deutschland.

Es ist gut und richtig, dass in den letzten Tagen immer mehr Gegenargumente gegen das Wählen dieser Partei herum gegangen sind und deutlich gemacht wird wofür diese Alternativwahl stehen würde. Hier noch mal die wichtigsten Punkte:

1. Abschaffung des Mindestlohns 

2. Familie sollte ausschließlich im konservativ klassischen Kontext gesehen werden. Familienideen von gleichgeschlechtlichen Paaren bis hin zu Patchwork-Familien empfindet die AfD als negativ. Zudem sollten Familien mindestens drei Kinder haben, damit das deutsche Volk nicht weiter schrumpft.

3. „Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten lehnt die AfD rigoros ab.“ (aus dem Wahlprogramm für Baden-Würtemberg) 

4. Abtreibungen sollen verboten und damit die Eigenverantwortung der Frau gemindert werden.

5. Reiche sollen genauso viel Steuern zahlen wie schwächer Verdienende. Eine Reichensteuer ist nicht vorgesehen.

6. Deutschland soll die Grenzen schließen.

7. Flüchtlinge sollen nicht länger nach Deutschland einreisen können. Es soll einen Schießbefehl an den Außengrenzen geben. „Wir dürfen uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“

8. Die AfD wünscht sich einen autoritären Erziehungsstil in Schulen. Zudem wird die Nazi-Zeit als „ein paar Unglücksjahre“ abgetan, denen in den Schulen nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. (aus dem Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt)

9. Kunst und Kultur soll deutscher werden. Die AfD möchte in die Programmwahl von Theatern und Museen eingreifen.

10. Die AfD artikuliert sich gegen die Pressefreiheit.

11. Sexuelle Aufklärung soll eingedämmt werden. Homosexuelle sollen numerisch erfasst werden.

12. Hartz IV sollte abgeschafft werden und durch Bürgerarbeit ersetzt werden.

13. Die AfD hält wenig von Umweltschutz. Die aktuelle Politik schüre die Ängste vor Treibhausgasen. Kernenergie und Braunkohle sollen weiter gefördert werden; alternative, erneuerbare Energien abgestellt werden.

Für die ausführliche Darstellung der genannten Punkte, könnt ihr gerne auf Campact weiterlesen, die diese sehr gut aus- und aufgeführt haben. 

Die aufgeführten Punkte zeigen deutlich, dass die AfD eine frauenfeindliche, asoziale, unmenschliche, nationalistische, weltverschlossene, reichenförderde Anti-Umwelt-Partei ist. Genug Gründe also diese Partei als aufgeklärter, weltoffener, informierter Mensch nicht zu wählen.

Doch was viel wichtiger ist: Wenn dies nicht die Alternative für Deutschland ist, was oder wer ist es dann?

Es ist und bleibt unsere Demokratie. Die Demokratie, die schon einmal missbraucht wurde, um eine Diktatur hervorzubringen, die tausende Menschenleben gefordert hat. Es liegt an uns, wer regieren darf. Es liegt an uns, welche Wahlprogramme Gehör finden und es liegt an uns, welche Politiker uns auf kommunaler, landesweiter und Bundesebene vertreten.

Wenn wir mit der derzeitigen Politik unzufrieden sind, dann können wir daran etwas ändern, indem wir die Personen wählen, die für unsere Werte stehen. Dann müssen wir uns informieren. Dann müssen wir zur Wahl gehen. Und wir müssen selbst in unserem Leben so handeln als würden wir große Politik machen. Sicherlich ist Politik im großen Stil noch wesentlich komplexer. Wir müssen verstehen lernen, dass nicht alle unsere Wünsche umsetzbar sind, aber auch dass es da draußen viele Politiker gibt, die tatsächlich zum Wohl der Menschen agieren und arbeiten. Die sich dafür einsetzen, dass soziale Gerechtigkeit vorangetrieben wird und Menschen Gehör finden. Und die weder asoziales Denken fördern, noch rassistische Hetze betreiben, Frauen als gleichberechtigt ansehen und den Wert unserer Demokratie verstanden haben. 

Wir müssen da anfangen, wo wir leben und die Politiker auf dieser Ebene unterstützen, bei denen wir noch daran glauben, dass sie etwas bewegen können. Denn, wer weiß, vielleicht wird einer dieser Politiker/innen mal Bundestagsabgeordnete/r, Parteivorsitzende/r oder sogar Bundeskanzler/in.

Wir haben es in der Hand. Mit nur einem kleinen Kreuzchen, was wir setzen müssen. Die Wahllokale für deinen Bezirk sind meist direkt um die Ecke. Es dauert nicht lange und man kann es mit einem schönen Spaziergang oder einem Kaffeetrinken verbinden. Wir müssen jetzt alle unseren Po hochbekommen und das Kreuz für die Parteien machen, die sozial, gleichberechtigt, umweltverträglich und fair handeln. Ansonsten überlassen wir denen das Feld, die nur eine Schlagrichtung kennen. Und die ist immer rechtsgewandt.

Die Alternative bist du!

Damit dir die Wahl diesen Sonntag leichter fällt, haben wir hier die wichtigsten Themenfelder der zu wählenden großen Parteien vs. AfD zusammengetragen. Es liegt an dir dich richtig zu informieren! Kleingeistigkeit ist keine Alternative.

Landtagswahlen 2016 / Politik / Parteiensystem

*Auszug aus den Wahlprogrammen der Landtagswahlen 2016 für Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg & Rheinland-Pfalz