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Was du tun kannst, wenn dir die Bienen wichtig sind

Das Volksbegehren Artenvielfalt war erfolgreich. Noch vor Ende der Frist konnten die notwendigen 10 Prozent der Wahlberechtigten in Bayern mobilisiert werden. Ein klares Zeichen für den Umwelt- und Artenschutz. Eine Million Menschen in Bayern möchten, dass es stärkere Gesetze für den Schutz von Bienen und anderer bedrohter Arten gibt und die ökologische Landwirtschaft gefördert wird. Denn neben dem Einsatz von Pestiziden, dem Klimawandel, der Veränderung der Gärten und der zunehmenden Urbanisierung, ist laut einer Studie (Biological Conservation) vor allem die intensive Landwirtschaft verantwortlich für den Verlust von Lebensraum.

Ein begrüßenswertes Vorhaben also, was bei vielen auf Zustimmung trifft. Einzig der Bauernverband hat Sorge, dass konventionelle Bauern und Bäuerinnen auf der Strecke bleiben und mit einer solchen Gesetzgebung benachteiligt würden. Diese Sorge teilen auch einige Landwirt*innen, die Angst vor der Zukunft ihres Betriebs haben. Das kann man nachvollziehen. Eine ungewisse Zukunft ist nichts worüber jede*r einfach so hinwegsehen kann. Immer hängen daran auch Existenzen und zum großen Teil auch Familiengeschichte und Tradition.

Rettet die Bienen! Das fordert das Volksbegehren Artenvielfalt. © Matthias Oberholzer

Und doch liegt es an der Politik diese Sorgen zu nehmen. Mit dem Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und dem Subventionieren dieser statt der konventionellen, kann eine Agrarwende in Deutschland möglich werden. Das Volksbegehren Artenvielfalt möchte Anreize schaffen, die ökologische Landwirtschaft bezuschusst und denen, die auf Artenvielfalt achten, Vorteile verschaffen. Doch auch hier gibt es Sorgen, die ernst zu nehmen sind.

Aktuell finden ökologische Milchbetriebe teilweise keine Abnehmer*innen mehr für ihre Bio-Milch. Die Molkereien sind gut ausgelastet, denn der Markt gibt nicht mehr her. Es kaufen noch zu wenig Menschen Bio-Produkte. Laut Foodwatch betrug der Anteil ökologischer Produkte am Gesamtumsatz 2016 magere 5,1 Prozent. Die gute Nachricht dennoch, der Bio-Anteil wächst und das wohl stetig. Expert*innen schätzen, dass sich Angebot und Nachfrage bald regulieren werden. Denn eine Ursache der Molkerei-Problematik war vor allem der immense Umstieg vieler Milchbetriebe auf Bio-Milch nachdem die EU-Milchquotenregelung 2015 ausgelaufen ist und die Milchpreise im konventionellen Markt rapide eingebrochen sind. 

Wenn wir also Artenvielfalt fordern und Petitionen unterschreiben, die sich für eine bessere Gesetzgebung einsetzen, so sollten wir auch immer im Hinterkopf haben, dass bei diesen Vorhaben am anderen Ende auch Menschen stehen, die zukunftsorientiert weiterarbeiten können sollen. Deswegen ist es wichtig zu sehen, dass nicht nur die Unterschrift auf dem Zettel reicht, um eine politische und ökologische Wende hinzubekommen, sondern auch ganz klar weiteres Engagement wichtig ist, damit wir gemeinsam als Gesellschaft einen solchen Wandel überhaupt vollziehen können. Und damit vielleicht auch dem*der ein oder anderem*n Bauer/Bäuerin am Ende selbst ein Vorbild sind.

Eine Aktion des Volksbegehren Artenvielfalt auf dem Münchener Marienplatz. © Georg Kurz für Volksbegehren Artenvielfalt

Was du also tun kannst, wenn dir die Bienen wirklich wichtig sind

1.Kaufe aktiv REGIONALE Bio-Produkte

Um Artenvielfalt zu gewährleisten, ist es wichtig, dass wir unsere Landwirtschaft grundlegend ändern und auf ökologischen Anbau setzen. Den Landwirt*innen ist jedoch auch nicht geholfen, wenn wir massig Bio-Ware aus dem Ausland beziehen. Wenn du biologisch, regional und dann auch noch saisonal kaufst, unterstützt du ziemlich sicher eine*n Landwirt*in unmittelbar.

2. Installiere ein Insektenhotel

Eine kleine, aber wirksame Maßnahme. Mit einem Insektenhotel gibst du bedrohten Tierarten ein Zuhause und eine Möglichkeit Unterschlupf zu finden, wenn sie es auf herkömmliche Art und Weise nicht mehr tun.

3. Säe Blumen

Dies ist in der Stadt sicherlich schwieriger umzusetzen als auf dem Land. Jedoch kann man auch in Städten sogenannte Blumenstreifen pflanzen und so immer mehr Tierarten ein Zuhause geben. Und du kannst den eigenen Balkon nutzen, um vielfältige Blumen anzupflanzen, die wiederum Insekten anlocken. 

© Masha Glebova

4. Engagiere dich im Urban Gardening

Urban Gardening bedeutet, dass man sich innerhalb der Städte kleine, meist ökologische Gärten schafft. So kann man nicht nur eigenes Obst und Gemüse anbauen, sondern eben auch wieder für viele Arten Zufluchtsorte schaffen.

5. Setz dich generell für Artenvielfalt ein

Es geht längst nicht nur um die Biene. Auch in dem angestrebten Volksbegehren nicht. Die Biene ist schlichtweg der Aufhänger – wahrlich ein guter. Jede*r hat ein bisschen Mitleid mit den kleinen, süßen Bienen. Aber wenn wir wirklich einen Unterschied machen wollen. Wenn wir wirklich wollen, dass unsere Natur erhalten bleibt, dann bedeutet das auch, dass wir uns auf vielfältige Weise für Biodiversität einsetzen müssen. Ganz aktiv kann man sich dabei zum Beispiel bei Aktionen, die der NABU regelmäßig ausruft, beteiligen

6. Unterstütze Streuobst-Wiesen

Wie kann ich denn aus der Stadt Streuobstwiesen unterstützen? Ganz einfach! Beim nächsten Besuch auf dem Wochenmarkt einfach mal schauen, wo sich die ökologischen Obst- und Gemüsestände verstecken. Diese haben sehr oft auch Säfte von Streuobstwiesen dabei. Mit dem Kauf dieser Produkte geht das Geld direkt an Landwirt*innen, die Streuobstwiesen bestellen und damit Artenvielfalt fördern.

7. Überdenke deinen Garten

Du bist eine*r der Glücklichen, die einen eigenen Garten besitzen? Toll! Doch leider gehen immer mehr Kleingärtner*innen dazu über alles ganz akkurat, schlicht und penibel zu halten. Das hemmt die Artenvielfalt. Versichere dich, dass dein Garten genug Blühfläche hat. Lass den Rasen gerne mal etwas höher stehen. Verzichte auf angelegte Steingärten. Lass die Hecke wild wachsen. Und wenn du dann noch Muse hast, kannst du vielleicht sogar noch ein Fledermausbeet installieren. 

Beitragsbild: © Zuza Reinhard/Unsplash.com