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Warum wir uns als Frauen* nicht instrumentalisieren lassen – #ichbinhier

Gastautorin aus der Facebook-Gruppe #ichbinhier
Titelbild: © Aslyson Weislogel/Unsplash

„Hase, du bleibst hier“, sagt eine unbekannte Frau zu ihrem Freund, als er sich seinen pöbelnden, geifernden Kumpels in Chemnitz anschließen und auf einen Mann losgehen will. Sie hat die Szene gefilmt. Ein von vorne bis hinten schockierendes Video. Die Frau nennt ihren Freund „Hase“. Ausgerechnet. Das ist der Kosename für meinen Mann. Ob sie und ich wohl außerdem noch irgendwas gemeinsam haben? Ich weiß nicht. Vermutlich nicht.
Oder Judy, die sagt, wir bräuchten die Rechtsextremen eben. Uns Frauen höre ja keiner zu und alle Frauen hätten doch Angst vor „denen“.

Was ist da los? Es ist nicht nur so, dass ich manche Menschen ganz allgemein nicht mehr verstehe. Vor allen Dingen verstehe ich auch viele Frauen nicht mehr. Wer bin ich denn, dass ich Männer bräuchte, die mich vor anderen „fremden“ Männern beschützen? Dass ich denken würde, meine Stimme und die aller anderen Frauen zählt nicht? Geht’s noch?! Ja, ich habe auch Angst nachts allein in der Stadt, wenn ich einer Gruppe Männer begegne. Egal welchen Männern. Hatte ich schon immer.

Dass mir aber irgendwelche angeblichen „echten Kerle“ sagen müssten, vor wem ich mich zu fürchten habe und dass sie mich als „gute deutsche Frau“ beschützen würden. Habe ich das nötig? Hat Judy das nötig? Oder die Frau im Video?

„Ob sie und ich wohl außerdem noch irgendwas gemeinsam haben?“

„Einen toten Ausländer für jeden Deutschen“? fordern diese Typen. Die in dem Video schreien „Hau ab, du bist nicht willkommen“. Gefordert wird auch, dass die Regierung endlich „unsere Frauen“ schützt. Was für ein armseliges, rückständiges Frauenbild ist das denn? Ein Bild, das auch zu den Kommentaren passt, die ich oft zu lesen kriege. Dass ich wohl keinen anständigen Mann abkriegen würde und deshalb froh sei über jeden Afrikaner. 

© Samantha Sophia/Unsplash, Women’s March 2017 Los Angeles

Die Einzigen, die immer gerne hätten, dass ich still bin und die Klappe halte, sind die selbsternannten „stolzen, aufrechten Deutschen“. Das sind auch die, die mich beschimpfen und beleidigen und mir alle Gewalt der Welt wünschen. Und mit ziemlicher Sicherheit sind das auch die, die in Chemnitz wie der Ku-Klux-Klan Menschen durch die Straßen hetzen und denken, das mache sie zu Helden.

Vor wem müsste ich also Angst haben? Als Frau? Als Mensch? Genau. Ihr sagt es. Trotzdem machen mir diese Möchtegernhelden keine Angst. Weil ich sehr, sehr viele Menschen an meiner Seite habe. Euch zum Beispiel (Anm. d. Red.: gemeint sind die Mitglieder*innen der Gruppe „Ich bin hier“). Und weil das genau das ist, was sie erreichen wollen. Einschüchtern, Ängste schüren und die verbale Gewalt auf die Straße bringen. Was ich dazu sage? Was Alex sagt. Am Arsch!

Ich wünsch euch was ,

Anonym für #ichbinhier

Anmerkung der Redaktion: In der Bearbeitung kam es zu geringfügigen Änderungen des Texts, das Original stammt aus der Facebook-Gruppe #ichbinhier, die sich netzaktivistisch dafür einsetzt, dass Diskussion, vor allem medialer Natur, sachlich und konstruktiv bleiben und zu rechter Hetze Gegenpole entstehen.

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