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Vom Loslassen und Abschied nehmen

Ich komme gerade vom Yin Yoga, eine Yoga-Form, die darauf ausgerichtet ist zur inneren Ruhe zu kommen und unterschwellige Spannungen loszulassen. Mit dem Impuls dieser Yoga-Stunde beschließe ich noch mehr loszulassen. Ich lösche sämtliche Social Media Profile und Mailaccounts auf meinem Smartphone. Es sind die Accounts von Not Another Woman Mag.

Wer unserem Magazin folgt, merkt, dass meine Inhalte schon immer seltener waren als die von Jana. Der Grund: Ich schaffe es einfach nicht.

Vor ein paar Wochen las ich auf dem Blog der wunderbaren Steffi von ohhhmhhh.de einen Beitrag, in dem sie berichte, auch wenn es nach außen so wirke, dass sie so viel schafft, hinten herum jeden verdammten Tag immer wieder Dinge von ihrer To-Do-Liste fielen, die sie einfach nicht schaffte. Das stresste sie. Und vor allem nervte es sie, dass gerade im Social Web so etwas nicht thematisiert wird. Schon gar nicht bei den vielen Powerfrauen da draußen. Und so beschloß sie unter dem Hashtag #jetztmalehrlich, dass besonders Mütter, die man medial kennt, aufzufordern uns zu verraten, was sie alles so nicht schaffen. Super Idee, die ich total begrüße. Nur leider machte mich dieser Beitrag doch nur trauriger. Klar konnte ich mich mit vielem identifizieren – auch ich vernachlässige mich oft zu gern (Friseur? Kosmetik? Sport? Ein Bad in der Wanne? – wann habe ich mir dafür Zeit genommen, obwohl ich es mir so fest vorgenommen habe?), auch ich habe so etwas wie einen „Zauberschrank“, wo ich alles reinwerfe, weil ich nicht zum Aufräumen komme und natürlich ist unser Kühlschrank auch häufig leer. Was machte mich also traurig? Nun, sie alle schaffen es immerhin ihren Blog bzw. Unternehmen erfolgreich zu machen. Ich schaffe es nicht.

Frust pur. Und um den Hashtag #jetztmalehrlich nochmal aufzugreifen, muss ich mir eingestehen, dass dieser Frust schon lange in mir schwelte. Ich bin ein Can-Do-Mensch. Sobald mich eine Idee fesselt, packe ich es an und in der Regel kommt etwas erfolgreiches heraus. So bin ich. So kennt man mich. Und viele Menschen, die mich näher kennen, wissen, dass eine gute Leistung in meinem Leben eine zentrale Rolle spielt und ich vieles dafür in Kauf nehme. Wie viele Frauen heute möchte ich mich nicht nur auf eine Rolle fokussieren, ich will alles.

#yesyes #imthatgirl 💁🏼

Ein Beitrag geteilt von Christin (@christin_loka) am

Ich möchte Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen, da sein und wissen, dass es ihnen gut geht, im Job, den ich super spannend finde, alles geben, für mein eigenes Wohlbefinden sorgen und so ganz nebenbei auch mein Herzensprojekt Not Another Woman Mag voranbringen. Aber alles geht eben nicht. Klar ist es eine Frage des Zeitmanagements und der Prioritäten. Aber ganz ehrlich ist es auch eine Frage der Motivation, des eigenen Anspruchs und der Energie, die man so hat. Immer wieder habe ich mich gegen 21 Uhr an den Rechner gesetzt, nach einem bereits langem Tag, der häufig 6 Uhr morgens begann. Ich wollte mal eben schnell locker flockig einen Beitrag fertigmachen und scheiterte, dass es dann eben doch nicht so schnell ging, immer noch die Recherche gemacht werden musste, die Layouts usw. Unzufrieden mit den Ergebnissen blieben die Beiträge aus. Zwischen „Wollen“ und „Können“ war eine derart große Diskrepanz, für die ich nur schwer Worte fand. Die Folge: Terminverschieberei. Abwärtsspirale. Frust statt Lust.

Und da es so nicht weitergehen kann, lasse ich heute los. Ich nehme Abstand von meinem Herzensprojekt, um wieder zu mehr innerer Ruhe zu kommen. Kein schlechtes Gewissen mehr zu haben. Um Jana wieder in die Augen schauen zu können und um gerne wieder Beiträge auf Not Another Woman Mag zu lesen.

Denn natürlich geht es hier weiter. Und wie! Aber dazu bald von Jana mehr.

Ich wünsche mir, dass dieser Abschied der Anfang von etwas Großem ist. Dass unsere Idee, Intention und Bewegung noch mehr erreicht. Und vor allem wünsche ich mir, dass dich mein Artikel jetzt nicht bremst oder blockiert. Nur weil ich eines meiner vielen Herzensprojekte nicht gewuppt bekomme, heißt es nicht auch, dass du es nicht schaffst. Bleib dran!

Seit meiner Entscheidung, nicht mehr weiter zu machen, die Zeit des Loslassens bis zur Fertigstellung dieses letzten Beitrags sind einige Monate vergangen. Ich weiß, nach der ersten Traurigkeit, sehr wohl, dass ich tagtäglich sehr viel schaffe und ich stolz auf mich sein kann.

Heute bin ich dankbar für diese sehr lehrreiche Reise. Ich habe mich persönlich enorm weiterentwickelt.  Ich bin parallel nicht nur Mutter geworden, was einen schon weit verändert. Auch viele Themen dieses Magazins und die Menschen, die ich getroffen habe, haben viel bewegt und viele Änderungen, Perspektivwechsel für mein privates Leben mit sich gebracht, die ich nicht mehr missen möchte. Es wird immer mein Weg sein, nur eben erstmal offline.

Dir, liebe Jana, möchte ich nicht nur hinter den Kulissen sagen, sondern auch hier ganz öffentlich: Flieg los! Du bist die geborene Schreiberin, denn mit deiner Empathie für die Welt und den Zeitgeist bewegst du so viele Menschen. Ich bin dein größter Fan und hoffe sehr, dass mein Abschied vom Mag dir zu neuem Auftrieb verhilft.

Macht’s gut!
Eure Christin