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Maria von Proud To Be Sensibelchen: „Ich musste erst lernen bewusst und selbstbestimmt zu leben.“

Maria Anna Schwarzbergs Stimme ist ruhig und besonnen. Ihre Worte wirken überlegt und gewählt. In ihrem Podcast Proud To Be Sensibelchen nimmt sie Menschen mit, die hochsensibel sind und/oder sich persönlich weiterentwickeln wollen. Und das alles ganz unaufgeregt, herzlich und oftmals geballt mit sehr viel Wissen. Maria berührt andere mit ihrem Tun und die Community rund um Proud To Be Sensibelchen wächst Monat für Monat. Maria ist das Gesicht für Hochsensible in Deutschland und stolz darauf.

Eine Entwicklung, die sie sich selbst vor einigen Jahren kaum hätte vorstellen können. Gefangen im Job-Leistungs-Hamsterrad bricht Maria einiges Tages zusammen. Diagnose: Burnout. Der ständige Druck im Berufsleben und das Wegschieben der eigenen Bedürfnisse haben sie mürbe gemacht. Doch genau hier beginnt Marias Reise und der Weg hin zu Proud To Be Sensibelchen. Heute ist Maria Podcasterin, Autorin und arbeitet als digitale Nomadin oftmals auch von unterwegs.

Ich treffe Maria während meiner Zeit in Bali. Wir sitzen in einem Café an der viel zu stark befahrenen, lauten „Hauptstraße“ des kleinen Küstenorts Canggu und philosophieren bei leckerem Frühstück und Klischee-Iced-Matcha-Latte über Hochsensibilität, Gefühle, Stress, Social Media und Weiterkommen. Mit Maria könnte ich hier stundenlang sitzen und das, obwohl uns der Lärm der knatternden Motorräder umgibt. Ein Gespräch mit Maria ist ein Abtauchen in eine andere Welt. Eine Gefühlswelt, in der wir im Alltag viel zu selten leben. 

Was hat Bali mit dir gemacht?

Maria: Bali ist für mich eine super intensive und auch schönste Zeit meines Lebens. Ich hatte während des Burnouts sehr viel Zeit, aber das war eher eine aufgezwungene und ich musste erst lernen bewusst und selbstbestimmt zu leben. Jetzt ist das erste Mal, dass ich so lange und so intensiv Zeit für mich habe. Ich genieße das sehr. Ich bin viel beim Yoga, am Pool und am Meer. Und in vielen Cafés. Ich habe die Café-Kultur für mich entdeckt ohne dass ich selbst Kaffee trinke, aber ich liebe es in Cafés zu sitzen und zu lesen. Das ist alles sehr besonders für mich. Ich wusste, Bali hat einen Wahnsinns-Vibe, eine Wahnsinns-Energie und es verändert jede/n, der herkommt. Es transformiert. Entweder fliegt man oder man fällt. Ich wusste, fallen werde ich nicht. Meinen Selbstfindungstrip habe ich hinter mir. Der hat ein bisschen länger gedauert als bei anderen und war hart. Aber ich wusste, das ist jetzt der Feinschliff. Bali wird mich fliegen lassen. Und genau das passiert auch gerade. 

Ich habe noch mehr Gelassenheit gelernt, Lebensfreude, wie schön Langeweile sein kann und mein Bauchgefühl funktioniert noch besser. Ich habe noch mehr Vertrauen gelernt und Abgrenzung, was damit einhergeht. Das war immer noch eine Baustelle, die ich hatte. Nein zu sagen, für sich wirklich einzustehen. Und zwar ohne, dass hinterher das schlechte Gewissen kommt, sondern ganz intuitiv. 

Intuition ist so ein starkes Wort, wonach sich viele sehnen. Kann man lernen intuitiv zu handeln?

Total. Wir konnten das als Kinder alle und haben es dann verlernt. Man kann es aber wieder lernen. Durch positive Erlebnisse. Wir lernen immer durch Differenzen. Der beste Weg ist einfach wieder anzufangen. Das Bauchgefühl überhaupt wahrzunehmen. Wo nehme ich das in meinem Körper wahr? Bei dem einen ist es ein Bauchgefühl. Bei dem anderen ein Herzgefühl. Oder Kopfgefühl. Oder ein Kribbeln im Arm. Jedes mentale Gefühl ist mit einem körperlichen Gefühl verbunden. Wenn wir versuchen darauf zu vertrauen, machen wir positive Erfahrungen und das Gehirn speichert die ab. So lernen wir auch Vertrauen. Irgendwann weiß man, dass man sich darauf verlassen kann. Auch wenn es mal eine falsche Entscheidung ist, die daraus resultiert, ist das nicht schlimm. Fehler sind menschlich. Und es ist besser Fehler zu machen als still zu stehen. Das heißt nämlich gar nicht leben.

Auch aus Fehlern lernen wir etwas. Sie sagen nichts über dich aus. Du bist nicht deine Fehler. Du bist nicht deine Schwächen. Nur, weil du eine falsche Entscheidung triffst, wenden sich nicht alle von dir ab. Das ist nur in unserem Kopf. Deswegen anfangen und machen. Schritt für Schritt. Immer wieder sich selbst die positive Resonanz geben und damit das Vertrauen in sich stärken.

Was bedeutet überhaupt Hochsensibilität?

Hochsensibilität bedeutet nichts anderes, als dass alle Sinneskanäle permanent offen sind. Das Gehirn funktioniert ein bisschen anders. Es ist keine Krankheit. Aber es sind alle Sinneskanäle offen und dadurch nehmen wir extrem viele Reize wahr, was das Leben sehr intensiv macht, sehr bunt, sehr laut. Was total schön ist. Man nimmt sehr viel bei anderen wahr, weil man kleinste Feinheiten in Tonalität, Gestik und Mimik spürt und dadurch merkt, ob jemand traurig oder angespannt ist. Man hat einen sehr großen Kontakt zu anderen, ist häufig sehr empathisch. Steht dadurch meistens auch sehr krass im Kontakt mit sich selbst. Schmerzwahrnehmung, unwohl sein, das merkt man alles sehr intensiv und das ist toll. Ich möchte das nicht missen. Die Schattenseite ist natürlich, dass das Gehirn alles irgendwann verarbeiten muss. Das braucht Zeit, Raum und Ruhe, für gewöhnlich etwas mehr als bei Menschen, die nicht hochsensibel sind.

Wenn man nicht weiß, dass man hochsensibel ist, ist man wie ein implodierendes Chaos, weil man gar nicht weiß, dass es ok ist, dass ich nicht drei Abende in Folge mit meinen Freunden losziehe. Es braucht Akzeptanz dafür, sich selbst anzunehmen. Auf einmal merkt man, ich bin hochsensibel und ich bin damit nicht allein. Ich habe keine schlimme Macke. Jetzt machen so viele Dinge in der Vergangenheit Sinn. Deswegen habe ich mich auch entschieden den Podcast „Proud To Be Sensibelchen“ zu nennen. Nicht nach dem Motto, oh, ich bin eben ein bisschen sensibler und das ist voll scheiße. Sondern sei stolz drauf, du hast eine echte Super-Power. Das ist deine Intuition. Du hast ein buntes Leben. Und ja, du brauchst mal ein bisschen mehr Ruhe, aber schau mal, wie schön es ist, diese Zeit mit dir zu haben. Darauf versuche ich hinzuarbeiten, um mehr Hochsensible mitzunehmen. Damit sie überhaupt erstmal davon erfahren und dann zu zeigen, dass das richtig cool ist. Aber auch die andere Seite: Du bist kein Einhorn. Du bist nicht besser, weil du hochsensibel bist.

Ich habe das Gefühl, dass das Thema Hochsensibilität in den letzten Jahren erst aufgekommen ist. Ähnlich war es in den sozialen Netzwerken mit dem Thema Depression. Viele haben sich damit beschäftigt und ihre Geschichte erzählt und manchmal wirkt es so als würde solch ein Thema „trenden“. Wie schafft man es dort die Abstufung zu machen zwischen vermeintlicher und ernsthafter Hochsensibilität?

Das Thema Hochsensibilität trendet auf jeden Fall gerade. Das hat mehrere Gründe. Zum einen leben wir in einer sehr privilegierten und sicheren Gesellschaftsform in der westlichen Welt. Dadurch haben wir, nach der Maslowschen Bedürfnispyramide, Selbstverwirklichung und Selbstfindung als höchstes Ziel. Deswegen haben wir überhaupt Zeit und Muße uns damit zu beschäftigen. Das zweite ist, dass das Thema Hochsensibilität noch nicht so lange bekannt ist. Erst seit den Neunzigern. Elaine Aron war eine der ersten Forscherinnen. Hochsensibilität gab es natürlich schon viel früher, aber es hatte keinen Namen. Und das dritte ist, dass immer noch wenig geforscht wird. Es ist keine Krankheit. Also kann die Pharmaindustrie kein Geld damit verdienen. Ergo gibt es keinen Grund Forschungsgelder reinzupumpen. Zu Monarchie-Zeiten waren Hochsensible zum Beispiel bedeutend angesehen. Man nannte uns auch mal Philosophen und Berater des Königsstabs, weil man durch diese hohe Auffassungsgabe manchmal viel vorausdenken und einschätzen kann. Das war natürlich als beratende Funktion toll. Heute haben wir eine kapitalistische Gesellschaftsform, in der es um höher, schneller, weiter geht. Finde deinen Platz in der Gesellschaft, damit du dieser dienen kannst und noch mehr Geld bringst. Das heißt sensibel zu sein, vielleicht auch ein Stück weit beeinflussbarer, weil man so viel wahrnimmt, ist nicht gerne gesehen. Damit kannst du nicht höher, schneller, weiter gehen. 

Es scheint als würden sensible Menschen und Berufsleben tatsächlich nicht gut zusammenpassen. Warum ist das ein Trugschluss? 

Das ist die Wertung, die unsere Gesellschaft vornimmt. Stress ist ein Statussymbol. Ein busy Lifestyle ist angesehen. An sich ist aber nichts nur gut oder schlecht. Weder Hochsensibilität noch andere Persönlichkeitsmerkmale. Alles hat zwei Seiten, Vor- und Nachteile. Alles kommt und geht in Wellen. Hochsensibilität hat Vorteile, nicht hochsensibel sein aber auch. Das ist dann vielleicht jemand, die/der belastbarer ist, vielleicht straighter und mehr in ihrer/seiner männlichen Energie. Kann vielleicht auch mehr ihr/sein Ego ausleben. Das ist für bestimmte Positionen super. Aber jemand, der hochsensibel ist, ist für ein Unternehmen genauso wichtig. Weil der/die andere Positionen, wo mehr Empathie gefragt ist oder wo es um Kreativität geht, viel besser bekleiden kann. Da sind Hochsensible unabdingbar. In diesen Branchen sind Hochsensible auch häufiger vertreten. Im sozialen Bereich, im kreativen Bereich. Im Moment ist der gesellschaftliche Fokus jedoch auf dem sehr harten Hustle.

Wann kam es bei dir dazu, dass du dich mit deiner eigenen Hochsensibilität auseinander gesetzt hast?

Das war kurz nach dem Burnout. Ich war krank geschrieben und habe Artikel über das Thema Hochsensibilität gelesen. Genau deswegen schreibe ich auch immer so viele Artikel darüber, weil ich Menschen erreichen möchte, die davon noch nichts wissen. Da ich selbst weiß, wie lebensverändernd das ist. Ich dachte damals, das bin ich. Das ist der Wahnsinn. Zu dem Zeitpunkt war ich auch in Therapie und habe das mit in die Therapie genommen. Mein Therapeut meinte nur: Ja, das hatte ich mir auch schon gedacht. Dann haben wir den Test dafür gemacht. Das war die Zeit, in der ich anfing mich damit zu beschäftigen. Ich habe sehr viel darüber gelesen. Ich habe es nie als Rechtfertigung für mich genommen, sondern wollte mich einfach besser verstehen. Ich bin jemand, der gerne viel weiß, weil mir das hilft. Ich bin ein wissbegieriger Mensch. Wenn ich Liebeskummer habe, dann google ich die Phasen der Trauer. Ich versuche mir immer möglichst viel Know How anzueignen, um selbst besser damit umgehen zu können. Ich war von 25 bis 27 auf einem einzigen Selbstfindungstrip. Ich war selbst schon genervt davon. Aber ich wusste, der einzige Weg, ist einmal komplett abzutauchen und das durchzumachen. In der Zeit sammelte ich all dieses Wissen. Ich war dann irgendwann als Freelancerin und Autorin tätig, aber ich merkte, ich will noch mehr. Ich will mehr geben und auf das Thema aufmerksam zu machen. Und ich habe keine Angst davor das Gesicht dafür zu sein, weil ich weiß, ich bin mehr als meine Hochsensibilität. Aber es muss immer jemanden geben, die/der vorangeht. Ich hätte mir damals gewünscht, dass es einen Ort gibt, an dem man für alle Lebenssituationen ganz viele Informationen bekommt. Ich wollte diesen Raum schaffen, das Stigma zu lösen und gesellschaftliche Akzeptanz voranbringen. So wie es damals auch schon mit dem Thema Depression passiert ist. Es musste erst hochkommen und Gesichter dafür geben. Jetzt wird es langsam gesellschaftlich mehr angenommen. Das wünsche ich mir auch für die Hochsensibilität.

Und woher weiß ich nun, ob ich hochsensibel bin?

Es gibt sehr viele Tests im Internet, womit man eine erste Einschätzung bekommen kann. Ich habe bei Proud To Be Sensibelchen auch einen. Es gibt es auch einen sehr umfassenden, psychologischen Test, den man machen kann, und der die Hochsensibilität attestiert. Dazwischen gibt es eine sehr große Grauzone. Ich möchte niemandem seine Sensibilität absprechen. Darum geht es nicht. Aber wir sind auch eine Generation, die sehr stark zur Überanpassung neigt, was häufig in unserer Erziehung begründet ist. Damit kommen auch Abgrenzungsschwierigkeiten einher. Dadurch kann manchmal der Eindruck entstehen, man wäre hochsensibel obwohl man es nicht ist. Aber vielleicht ist man ein sensiblerer Mensch. Es gibt so viele Abstufungen. Wem es wichtig ist eine wirkliche Diagnose zu haben, kann das beim Psychotherapeuten testen lassen und wem es reicht für sich zu wissen, kann diese erste Einschätzung vornehmen und vielleicht ist man auch nichts von all dem, aber interessiert sich für sich persönlich und möchte wachsen.

Hast du den Test auf deiner Seite selbst entwickelt?

Den durfte ich wundervoller Weise mit Genehmigung von Elaine Aron benutzen. Das ist ihr übersetzter Test.

Wie bist du mit deinen Emotionen umgegangen bevor du wusstest, dass du hochsensibel bist? Hattest du dir einen Panzer gebaut oder konntest du deine Gefühle gut steuern?

Ich habe irgendwann in meiner Jugend meine sensible, sanfte Seite ein bisschen abgelegt. Die finde ich jetzt gerade wieder, weil es sich sehr vertraut anfühlt. Jetzt bin ich wieder stolz darauf. Ich hatte für mich den Glaubenssatz erschaffen: so wie ich bin, bin ich nicht gut. So wie ich bin, werde ich nicht geliebt. Ich muss anders sein. Ich muss leisten. 

Das passiert häufig bei Menschen, die etwas ruhiger oder anders sind. Es fängt in der Schule an, dass wir gleichgeschaltet werden, damit wir alle in das Gesellschaftssystem passen. Ich war sehr weit von mir entfernt. Ich war gerade im Leistungsleben, als es ums Abitur ging, um das Studium und die Arbeit, sehr stark in meiner männlichen Energie. Ich war sehr viel im Ego abgeschirmt, war aber eigentlich meilenweit von mir selbst entfernt. Ich habe mich sehr wenig gefühlt, konnte meinem Bauchgefühl nicht vertrauen und bin immer in einer Art Vakuum gewesen. Ich wusste irgendwie, dass das nicht richtig ist. Aber ich wusste auch nicht, was richtig ist. Irgendwann hat genau das geknallt. Eine Überbelastung im Job plus eine völlige Aufgabe meiner Selbst, voll in die Fremdbestimmung. Und dann kam das Burnout. 

Der Podcast-Name kommt nicht von ungefähr. Es wird so oft gesagt: „Sei doch mal nicht so sensibel. Stell dich nicht so an. Was bist du jetzt so? Du musst dir mal ein dickeres Fell wachsen lassen.“ Muss ich das?

Betrifft Hochsensibilität mehr Männer* oder Frauen*?

Ich glaube, es gibt keine aussagekräftige Studie dazu. Wenn ich in meine Statistik schaue, habe ich mehr Frauen, die mir zuhören. Das liegt aber eher daran, dass Männer sich weniger trauen, weil es häufig als sehr feminines Thema angesehen wird. Es ist „unmännlich“. Es sind insgesamt weniger Männer. Am Ende haben wir alle männliche und weibliche Energien. Am besten ist es, wenn diese im Einklang sind. Ich empfinde es absolut nicht als Schwäche, wenn ein Mann sensibel ist und sich dessen bewusst ist und das auch kommuniziert. Das ist eine totale Stärke. Verletzlichkeit ist unsere größte Stärke. Wir denken immer nur, es wäre unsere allerschlimmste Schwäche.

Glaubst du, dass soziale Medien Einfluss auf unser Gefühlsleben haben? Vielleicht sogar bestimmen, wie man sich zu fühlen hat?

Total. Wenn man Instagram aufmacht, ist das der Wahnsinn, was über Bilder an Lifestyle transportiert wird. Wir als erwachsene Frauen haben die Wahl, was wir uns angucken. Folge ich den Accounts, bei denen ich ein schlechtes Gefühl habe? Das Gefühl nicht auszureichen, mithalten zu müssen. Oder folge ich Accounts, die etwas anderes symbolisieren und dafür einstehen? Die mir zeigen, ich bin gut, wie ich bin. Und die mir helfen das zu lernen und an mich zu glauben. Wo ich raufgehe, um mich inspirieren zu lassen und mich gut zu fühlen. Da nehme ich den einzelnen Menschen nicht aus der Verantwortung. Es ist immer leicht zu sagen, es sind die anderen. Aber am Ende tragen wir die Verantwortung für unser Leben. Deswegen ist es wichtig, da ausgewählt zu sein. Ich bin gerne auf Instagram und lasse mich gerne inspirieren. Ich folge ausschließlich Accounts, wo ich mich richtig gut fühle und noch etwas für mich mitnehme und mit denen ich im regen Austausch stehe.

Hast du positive Instagram-Empfehlungen?

Ganz toll finde ich @minusgold, der Account von der lieben Jaqueline. Sie schreibt nicht nur wahnsinnig toll, sondern nimmt sehr viel mit und ist dabei sehr authentisch.

Ganz wundervoll auch @ssein_, die wundervolle Sophie, die eine @unkitschig Fotografie mit ihrem Freund zusammen macht. Sie fotografieren Paare und Hochzeiten eben unkitschig. Die haben auch die Wurzelwerkstatt, ein Detox-Camp, um völlig offline zu sein und mal wieder etwas zu erschaffen. Die Beiden lösen in mir immer ein gutes Gefühl aus.

Was würdest du deinem 25-jährigem Ich heute raten?

Gib dir Zeit und Raum. Vertraue auf dich, deine Fähigkeiten und das Leben. Du bist nicht dein Job. Du bist nicht deine Fehler. Und schneide dir keinen Pony mehr.

Sind Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverwirklichung das Gleiche?

Persönlichkeitsentwicklung ist ein Teil davon. Wenn du dich selber verwirklichen willst, musst du dich erstmal kennenlernen. Das macht auch jeder anders. Meine Oma ist zum Beispiel eine wundervolle, weise, charmante, mit sich im Einklang stehende Frau und sie hat niemals Persönlichkeitsentwicklung gemacht. Am Ende ist das eben auch Lebenserfahrung. Wenn wir uns aber bewusst damit beschäftigen, erlangen wir diese schneller. Es ist ein Teil auf dem Weg sich selbst zu verwirklichen.

Müssen wir uns denn persönlich weiterentwickeln?

Müssen wir nicht. In Zeiten von Kriegen, Hunger, Armut oder sonstigen Krisen schaffen wir es ja auch dies nicht zu tun. Da geht es eher um Grundbedürfnisse, die gestillt werden. Man kann bestimmt auch ohne Persönlichkeitsentwicklung glücklich sein. Das ist ein bisschen wie bei Matrix mit der roten und der blauen Pille. Willst du dahinter schauen? Das bedeutet Anstrengung, Kraft, Mut, Schmerz, aber dafür eben auch eine völlig neue Welt, die man sonst niemals kennenlernen würde. All dieser Bullshit, den ich da durchstehen musste, und ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals sage, hat sich gelohnt. Wenn ich schaue, was ich heute für ein Mensch bin, wie stark ich mich wahrnehme. Ich weiß, wer ich bin. Wo ich hin will. Was meine Werte sind, was meine Glaubenssätze sind. Ich kann daran arbeiten. Ich weiß, was meine Lebensmission ist, was meine Vision ist. Ich kann meine Emotionen einschätzen und steuern. Ich bin kein wandelndes Chaos mehr. Ich brauche kein Drama. Ich bin mit mir. Der Preis, um dahin zu kommen, ist hoch, aber er ist es allemal wert. Aber man muss eben nicht. Man kann sich auch dagegen entscheiden. Manchen reicht es auch so.

Wenn ich an dem Punkt bin, an dem ich erkenne, ich brauche mehr Zeit für mich. Wie schaffe ich es anderen mitzuteilen, dass ich mich auch mal rausziehen muss? 

Ich würde versuchen, es zu erklären. Vor allem bei Menschen, die mir wichtig sind. Freunde und Familie würde ich teilhaben lassen und sie auf die Reise mitnehmen. Bei meinem Burnout habe ich meine Familie teilhaben lassen. Ich sagte ihnen, ich habe das Gefühl, ich brauche diese Zeit jetzt für mich. Mir geht es gerade nicht so gut. Es einfach erklären und mitteilen, dass man sich meldet, wenn man das Bedürfnis hat. Man sollte sich den Raum nehmen. Sich bewusst abgrenzen ohne sich danach schlecht zu fühlen und selbst akzeptieren, dass man bei den sieben Partys und dem Urlaub, den die anderen jetzt zusammen machen, nicht dabei ist. Es ist gut sich selbst zu sagen, ich bin mir das wert. 

Hast du Tipps, wie man es schafft in der Großstadt zur Ruhe zu kommen?

Was mir geholfen hat, war Yoga und ein schönes Zuhause. Spaziergänge im Grünen waren meine Möglichkeit mir Ruhe zu holen.

Als digitale Nomadin bekommst du viele neue Sinneseindrücke mit. Wie verarbeitest du das? Hast du eine Methode, um mit vielen, neuen Reizen umzugehen?

Ich reise sehr langsam. Ich nehme mir lieber mehr Zeit. Ich versuche immer Unterkünfte zu finden, wo ich viel Ruhe für mich habe, um meinen Routinen nachzugehen. Ich schaue, dass es ein gutes Yogastudio gibt. Ich achte darauf, dass es genug vegane Ernährungsmöglichkeiten gibt. Das sind alles Dinge, die mir wichtig sind. Und dann erkunde ich Stück für Stück die Umgebung. Ich laufe ganz oft da lang, wo die Tourist*innen nicht sind. Ich arbeite beim Reisen auch nicht so viel. 

Wenn du dir heute sofort drei Wünsche erfüllen könntest, welche wären das?

Ich würde gerne mit Orcas kayaken. Ich würde gerne meiner Mama ein kleines Häuschen im Grünen kaufen und ich würde gerne meinen Partner noch mehr in die Freiheit mitnehmen.

Hast du Vorbilder? Gibt es Menschen, die dich inspirieren?

Darüber habe ich erst heute morgen nachgedacht. Emma Watson ist für mich eine starke Inspiration und meine Oma.

Du bezeichnest dich selbst als Heartist. Wofür schlägt dein Herz?

Mein Herz schlägt für meine Familie und nächsten Menschen. Fürs Reisen und Abenteuer. Für erste Erlebnisse, andere Kulturen, andere Menschen. Für Ästhetik. Für Sprache im Allgemeinen. Bücher, aber auch das gesprochene Wort und was das mit Menschen machen kann. Wachstum und Klarheit. Stillstand ist für mich nicht lebendig sein, sich selbst nicht angucken.

Hast du Musiktipps für uns?

Ich höre gerne Talisco. Joni Mitchell ist eine der Künstlerinnen, die mich am meisten bewegt. Und ich habe eine Schwäche für Sting.

Was sind die nächsten Steps bei Proud To Be Sensibelchen?

Im Moment schaffen wir tolle Dinge, die die Hochsensibilität erleichtern. Wir wollen einen Wissensgrundstock erschaffen mit kleinen Kursen, sodass man sich selbst das Know How aneignen kann und die ersten Steps gehen kann. Der Anfang ist immer das Schwierigste. Ich arbeite gerade an einem Journal, um unterwegs immer alle Gedanken aufschreiben zu können. Inklusive eines kleinen Notfallkits, sodass man ein Stück Zuhause und Sicherheit mit sich herumträgt. Und außerdem schreibe ich auch gerade mein Buch, das 2019 bei Rowohlt erscheint.

Was wünscht du dir für Frauen* für 2018?

Macht! Im Januar war ich auf der Freiheits-Business-Konferenz als Speakerin und ich war eine von sehr, sehr wenigen Frauen. Ich habe am Anfang einen großen Motivationsschub für die anwesenden Frauen gegeben. Steht für euch ein! Legt los. „Ihr könnt alles schaffen, was ihr wollt. Ihr müsst dafür nicht in die männliche Energie gehen. Ihr könnte es auf eure Art und Weise machen.“ Es hat bestimmt mindestens 5 Sekunden gedauert ehe die Frauen für sich selbst aufgestanden sind und geklatscht haben. Die haben sogar da noch überlegt, darf ich denn jetzt für mich aufstehen und klatschen? Das hat mich so erschrocken. Macht einfach!

Liebe Maria, vielen Dank für dieses inspirierende Gespräch. Wir wünschen dir für all deine Projekte ganz viel Kraft, positive Vibes und ganz viel Gefühl.

Maria Anna Schwarzberg findet ihr hier:

Website von Proud To Be Sensibelchen
Instagram @mariaannaschwarzberg
Facebook @mariaannaschwarzberg

Fotos: © Proud To Be Sensibelchen/Maria Anna Schwarzberg

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