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„Cry Baby – Scharfe Schnitte“ // Buchtipp

Gillian Flynn ist mittlerweile vermutlich vielen ein Begriff. Mit „Gone Girl“ hat sie eine 1A-Buchvorlage für den sehr erfolgreichen, gleichnamigen Film geschaffen. Doch Flynn hat bereits davor schaurige Thriller geschrieben, die einen mitnehmen in eine Welt, aus der man eigentlich schnell flüchten möchte, aber doch zu gefesselt ist. Ihr erstes Buch „Cry Baby – Scharfe Schnitte“ klettert nun die Bestseller-Listen hoch und das vollkommen zu recht.

Ich muss zugeben, am Anfang war ich skeptisch. Denn ich bin vermutlich eine der Wenigen, die „Gone Girl“ nicht so unendlich abgefeiert hat wie es alle anderen taten – sowohl Kritiker als auch Otto Normalkinogänger. Und das lag nicht am Material, sondern viel mehr an der Schwerfälligkeit, die, keine Frage, sicher so gewollt war, mir aber ab der Hälfte einfach nur den Rest gegeben hat. Und von der Musik fangen wir erst gar nicht an… Nichtsdestotrotz konnte ich mir das Gesamtkunstwerk, wie einige es betiteln, sehr gut als Buch vorstellen und meine Anti-Haltung wurde abgemildert als ich erfuhr, dass es eine Buchverfilmung ist.

Nun gut, ich war also ein gebrandmarktes Kind, wenn es um Gillian Flynn ging. Aber dann stand ich vor diesem Buch und gab dem Ganzen noch eine Chance. Heute bin ich sehr froh darüber, denn ich hatte ein paar vergnügliche Stunden mit Camille Preakers, der Hauptfigur in „Cry Baby“.
Camille ist eine, in Chicago lebende, Journalistin, die es trotz Talent nie aus einer schlecht laufenden Zeitungsredaktion herausgeschafft hat. Doch dann kommt diese Gelegenheit. In ihrem Heimatort Wind Gap werden zwei Mädchen ermordet und der väterliche Chefredakteur schickt sie just auf eine Reise in die Vergangenheit.
Doch nicht nur ein freilaufender Serienmörder in der Provinz von Missouri sorgt in „Cry Baby“ für Aufregung, sondern auch die zerbrochene Beziehung zwischen Camille und ihrer Mutter sowie die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
Trotz einiger erwartungsgemäßen Passagen und einer, am Anfang, langsam in Fahrt kommenden Geschichte geht die Spannung nie verloren und selbstverständlich ist am Ende sowieso alles ganz anders als man zwischenzeitlich dachte. „Cry Baby“ lässt sich wunderbar durchlesen und man möchte das Buch eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen. Schaurig, intensiv und emotional inszeniert zieht einen die Geschichte in ihren Bann. „Cry Baby“ ist also nichts für schwache Nerven und besitzt zeitweise sogar recht vulgäre Passagen.

Gillian Flynn hat einen Schreibstil, der, zumindest mich, fesselt. Szenen, die sich auf dem Bildschirm oder vor dem inneren Auge wohl innerhalb weniger Minuten abspielen würden, fantasiert Flynn über mehrere Seiten aus, beschreibt detailreich die Umgebung, die Menschen und Handlungsorte. Genau deswegen ließ sich „Gone Girl“ meiner Meinung nach schwierig verfilmen, aber gelesen wird es jetzt alle Mal noch.

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Hier kannst du dir das gute Teil erstehen: Cry Baby – Scharfe Schnitte von Gillian Flynn