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Buchtipp zum Vorlesetag // Das Rosie-Projekt

Heute ist Vorlesetag! Gemeinsam mit der ZEIT setzen sich die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung dafür ein, dass bundesweit mehr vorgelesen wird und damit vor allem Kinder gefördert werden sollen. Denn Studien belegen, dass Kinder, denen mehr vorgelesen wird, einen größeren Wortschatz aufweisen, bessere Schulnoten erreichen und mehr Spaß am Selbstlesen und Texten haben. Da das Vorlesen, gerade in Familien, heutzutage immer mehr zurückgeht, soll der Vorlesetag dies fördern. Eine gute Sache, wie wir finden. Und warum sollte dies nur für Kinder gelten? Habt ihr schon mal darüber nachgedacht auch Freunden, dem Partner oder Familienmitgliedern vorzulesen? Vermutlich kommt euch das im ersten Moment bescheuert vor, ist es doch so, dass die meisten von uns zu Schulzeiten das letzte Mal laut Bücher oder Gedichte vortragen mussten.

Dennoch kann ich euch Vorlesen wirklich ans Herz legen. Als wir unseren Roadtrip durch Italien machten, gab es abends meist keine weitere Beschäftigung als lesen oder spielen. Alleine lesen ist jedoch auch ziemlich unsozial, wenn man sich den Platz auf 3qm teilt und so lasen wir gemeinsam einen Thriller. Und ich kann bestätigen: vorlesen verbindet und liefert vor allem Gesprächsstoff, ist spannender als jeder Kinofilm und unterhaltsamer als jede Sitcom. Und vor allem unglaublich sozial. Wir haben uns dies beibehalten und versuchen zumindest ab und an auch zuhause gemeinsam zu lesen.

Falls ihr noch das richtige Buch sucht, um gemeinsam oder auch allein zu lesen, empfehle ich euch heute „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion. Wenn ich ehrlich bin, lese ich eigentlich fast nur Thriller, Biographien oder Kreatives. Selten wandert mal ein romantischer oder humorvoller Roman in mein Regal.
Doch das war dieses Mal anders. Und zugegebenen zwang ich mich auch mal etwas Neues zu lesen und griff instinktiv nach „Das Rosie-Projekt“. Die Rückseite versprach mir erfrischend, neu, aufgeregt und unromantisch romantisch zu sein.

Don Tillmann, Vollblut-Wissenschaftler, sucht die Frau fürs Leben. Aber nicht irgendeine. Sondern die perfekte! „Muss pünktlich sein, logisch denken und gerne Fahrrad fahren. Wenn sie rauchen, trinken und an Horoskope glauben, ist Ausfüllen des Fragebogens zwecklos.“ Fragebogen? Ja richtig gehört, Don entwickelt einen Fragebogen, um alle potentiell nicht perfekten Partnerinnen ausschließen zu können. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss. Alle Kandidatinnen fallen gnadenlos durch. Auch nach Anpassung seiner sehr präzisen Vorstellungen ist es schier unmöglich eine geeignete Frau zu finden. 
Doch dann trifft Don auf Rosie und seine kleine, engstirnige Welt beginnt auseinander zu fallen. Kann es wirklich sein, dass Gefühle ihre eigene Logik haben?

„Ich hatte keine Sorge, dass mein Kochkünste kritisiert würden. Aber ihre Unfähigkeit zu kochen war nach dem Zuspätkommen und dem Mangel an sportlicher Betätigung das – bislang – dritte Ausschlusskriterium seitens des Ehefrau-Fragebogens. Ich rechnete mit einem vierten, denn es war unwahrscheinlich, dass sie als Bedienung und Barfrau das erforderliche intellektuelle Niveau aufwies. Es bestand also kein Grund die Sache fortzuführen.“

Don Tillmann erinnert in seinen Zügen sofort an Sheldon Cooper. Ihr wisst schon, dieser irrsinnige Typ aus „The Big Bang Theory“. Verbohrt und doch liebenswert. Kleinkariert, ein bisschen egozentrisch und doch immer mit Blick auf die Gesamtheit der Dinge. Don eckt an, weil seine Wirklichkeit so oft von der aller umliegenden Menschen abweicht. Doch genau hier entwickelt sich der Humor des Buches. Und beim Lesen kann man nicht anders als einfach auch mal herzlich loszulachen. 
Als Ausgleich gibt es noch Dons besten Freund Gene, der die Welt lockerflockig nimmt, unzählige Affären hat und einfach nicht verstehen kann, warum Don so wählerisch ist. 
Rosie erweicht Don immer mehr und so langsam entdeckt er, was es heißt zu leben und zu genießen. Rosies frische Art ergreift ihn auf eine Weise, die er bis dato nicht kannte.

„“Scheiße, Don, du hast gegen die Regeln verstoßen. Seit wann verstößt du gegen Regeln?“ Das war eine gute Frage. Ich respektierte Regeln. Aber in den letzten neunundneunzig Tagen hatte ich viele Regeln gebrochen, gesetzliche, ethische und persönliche. Ich wusste genau, wann das angefangen hatte: am Tag, als Rosie in mein Büro marschiert war und ich mich in das Reservierungssystem vom Le Gavroche gehackt hatte, um mit ihr auszugehen.“

Die Geschichte zieht uns einfach einfach in ihren Bann. Noch nie war es so leicht eine romantische Komödie zu lesen ohne ab und an mal einen dezenten Würgreflex zu bekommen, weil die Geschichte einfach zu schmalzig wird.

Also, lest, lest euch vor. Genießt! Und entdeckt zwischen den Zeilen, was ihr selbst daraus mitnehmen könnt. In diesem Sinne: Happy Vorlesetag!

Hier könnt ihr euch das Buch direkt bestellen:

Ihr braucht noch mehr Ideen, was ihr demnächst (vor-)lesen könnt? Hier eine Potpourri an Möglichkeiten:

„Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ von Frank Berzbach // Ratgeber +++ Kreativität

„Kind 44“ von Tom Rob Smith // Thriller +++ Krimi

„Das Handwerk des Teufels“ von Donald Ray Pollock // Thriller +++ Krimi

„Paddle against the flow“ von huck Magazine // Ratgeber +++ Kreativität

„Kafka am Strand“ von Haruki Murakami // Modernes Märchen

„Cry Baby“ von Gillian Flynn // Thriller

„Die verborgene Sprache der Blumen“ von Vanessa Diffenbaugh // Drama

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