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Black Monday in Berlin – #czarnyprotest

Heute ist der 3. Oktober. Tag der deutschen Einheit. Wir haben frei und feiern, dass wir eins sind. Es hat mich bewegt, dass gerade auf diesen Tag der erste Black Monday in Berlin fällt. Zwei so unterschiedliche Schicksale, die jedoch eines eint: Einheit, Verbundenheit.

Black Monday – schwarzer Montag: es geht um das geplante Abtreibungsverbot in Polen. Ein Gesetz, das es gänzlich verbieten möchte, dass Frauen eigenständig entscheiden können, ob sie ein Kind bekommen möchten oder nicht. Ganz egal aus welcher Lage dieses Kind entstanden ist.

Seit 2015 hat sich die politische Situation in Polen verändert. An der Macht ist nun eine Partei, die nationalkonservativ, rechtspopulitisch und EU-kritisch ist. Keine Überraschung also, dass direkt ein Thema angegangen wird, bei dem sich Nationalkonservative die Finger lecken: Abtreibung. 

Zugegeben kein leichtes. Und auch ich möchte nicht lapidar damit umgehen, denn hierbei gilt es viele Seiten zu betrachten. Viel Für und Wider. Viel schwarz und weiß, aber eben, und das ist entscheidend, ganz viel grau dazwischen. Es gibt eben nicht entweder oder. Ich will nicht verheimlichen, dass ich Abtreibungen kritisch gegenüber stehe. Jedoch, und das ist wichtig, liegt diese Entscheidung bei jeder einzelnen Frau. Niemand sollte darüber bestimmen dürfen, wie eine Frau im Einzelfall damit umgeht. Niemand sollte das Recht haben über den Körper einer Frau zu entscheiden. Und nicht nur über deren Körper, sondern eben auch über deren Leben. Jeder muss selbst eine Entscheidung dazu treffen und es steht uns nicht zu darüber zu urteilen, falsch und richtig bewerten zu wollen.

Und wenn wir uns bei der polnischen Politik nur um das sperrige Thema Abtreibung drehen, verlieren wir vor allem einen Großteil aus den Augen. Dieses Gesetz entscheidet nicht allein über Abtreibung. Und ja, auch wenn du vergewaltigt wurdest, musst du dieses Kind austragen. Nein, es entscheidet auch in höchstem Maße darüber, wie du überhaupt deine Familienplanung gestalten kannst und darfst. Nationalkonservativ, ich sagte es bereits. 

Hier die Punkte im Einzelnen:

– Schwangerschaftsabbrüche sollen komplett unter Strafe gestellt werden. Von bis zu 5 Jahren Haft ist die Rede.

– Die Abtreibung ist auch dann nicht erlaubt, wenn sexuelle Gewalt Grund für die Schwangerschaft ist.

– Auch Inzest wäre demnach kein Grund mehr für einen Schwangerschaftsabbruch.

– Die katholische Kirche in Polen unterstützt voll und ganz die rechte Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) und verbreitet deren Thesen in Gottesdiensten.

– An der Spitze des Landes und damit auch dieser Partei selbst eine Frau: Beata Szydło.

– Es gibt keine Sexualerziehung in Schulen und Bildungseinrichtungen.

– Sex ist ab 15 Jahren erlaubt. Verschreibungspflichtige Verhütungsmittel können Mädchen erst ab 18 Jahren ohne Zustimmung der Eltern erhalten.

– Verhütungsmittel sind generell sehr teuer und damit nicht für jeden zugänglich.

– Einige Ärzte lehnen es generell ab Verhütungsmittel zu verschreiben.

– Nicht nur der Schwangerschaftsabbruch ist in der Debatte, sondern auch die künstliche Befruchtung, die notwendig wäre, sollte eine Frau nicht auf natürlichem Weg schwanger werden können. Dabei soll es nur erlaubt sein eine befruchtete Eizelle einzupflanzen (in Deutschland werden bis zu drei Embryonen eingepflanzt). Die Chancen auf Erfolg minimieren sich dadurch erheblich. Der psychische Druck steigt massiv.

– Auch „die Pille danach“ soll abgeschafft werden bzw. ist schon jetzt nur sehr schwer zugänglich.

– Auch jetzt schon gibt es überdurchschnittlich viele illegale Abtreibungen in Polen. Bei diesen steigt die Gefahr einer andauernden Verletzung oder der Abbruch mit Todesfolge erheblich. Frauen werden in die Illegalität gezwungen, weil ihnen keine Mittel zur Verfügung stehen, um Schwangerschaften zu verhindern oder abzubrechen.

– Es kommt zu einer enormen Fremdbestimmung der Frau, der im Grunde genommen das Recht auf freie Sexualität abgesprochen wird und die infolge dessen nicht mehr über sich und ihren Körper bestimmen darf.

Fakt ist, egal, was man von Abtreibung hält, dieses Gesetz ist eindeutig mehrere Jahre rückschrittlich und führt dazu, dass Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung aberkannt wird. Menschen, die gegen dieses Gesetz sind, sind nicht automatisch für Abtreibung. Für eine Wahl zu sein, bedeutet nicht gegen das Leben zu sein.

Die Message lautet: My body, my choice. Und genau deswegen sind heute tausende von Frauen auf die Straße gegangen und haben für ihr Recht auf (sexuelle) Selbstbestimmung demonstriert. 

Wir sind eins, eine Einheit.

img_2662 img_2664 img_2665 img_2667 img_2668 img_2669 img_2670 img_2673 img_2676 img_2679 img_2680 img_2681 img_2685 img_2686Die Liste der Schande – eine Aufführung aller Politiker, die an dieser Gesetzesbildung beteiligt sind.img_2687 img_2689 img_2690 img_2691 img_2692 img_2693 img_2695 img_2697 img_2699 img_2700 img_2701 img_2702 img_2705 img_2707 img_2709 img_2710 img_2711 img_2712 img_2717 img_2718 img_2721 img_2722 img_2728 img_2730czarnyprotest / black monday / black protest / poland img_2733 img_2734 img_2737 img_2739 img_2744 img_2745 img_2748 img_2749 img_2753