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Anna & Sophie von hejhej-mats: „Yoga, gesellschaftlicher Diskurs und Nachhaltigkeit passen super zusammen.“

Yoga steht oft in der Kritik ein sehr egozentrischer Lifestyle zu sein. Yoginis, die in Polyester-Kleidung auf Plastikmatten ihre Asanas einnehmen. Ja, mag sein. Es gibt sie sicherlich. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Dann gibt es da nämlich auch noch Frauen wie Anna und Sophie, die mit ihren Yogamatten die Welt ein Stückchen besser machen wollen. hejhej-mats hat es sich zum Ziel gemacht, die Yoga-Szene Matte für Matte ein wenig nachhaltiger zu gestalten. Wie sie das machen?  Sie fertigen ihre hejhej-mats aus Industrieabfällen. Ein Kilogramm Plastik kann so pro Matte in den Kreislauf zurückgeführt werden. Damit reduzieren sie mit jeder verkauften Matte den Plastikmüll und fördern eine kreislauffähige Produktion. Gefertigt wird komplett in Deutschland. Die Logo-Vernähung findet in Kooperation mit einer Initiative für Menschen mit Behinderung statt. Von jedem verkauften Produkt geht ein Euro an das EarthChild Project

Und das ist noch nicht alles. Die Gründerinnen von hejhej-mats wollen noch mehr. Sie haben den festen Willen, unsere Welt ein Stückchen besser zu machen. Aktuell spenden sie für jede verkaufte Yogamatte eine Matte an eine Initiative für Menschen mit Behinderung in ihrer Heimatstadt Nürnberg. Bis zum 15. Mai läuft die Aktion. Ihr seid gerade auf der Suche nach einer neuen Matte? Dann ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt sich eine anzuschaffen. Ich durfte die Matte bereits testen und kann sagen, dass sie mich während der Praxis überzeugt hat. Zugegeben mit Skepsis habe ich sie beim ersten Anblick betrachtet, da sie mich anfangs vom Feeling ein wenig an eine Isomatte erinnert hat, aber schon während den ersten Minuten auf der Matte war klar: Diese Yogamatte taugt etwas. Sie ist rutschfest, hat die richtige Dicke und das Material fühlt sich während der Praxis angenehm an. 

Wir haben mit Anna und Sophie über ihre Bestrebungen einer nachhaltigeren Yogawelt gesprochen und was es braucht, um eine Idee in die Tat umzusetzen.

Viele von uns haben jeden Tag tolle Ideen, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Die wenigsten davon werden jedoch umgesetzt. Könnt ihr beschreiben, wie man von der Idee einer nachhaltigen Yogamatte hin zu dem fertigen Produkt kommt?

Das ist tatsächlich ein sehr langer, aber super spannender Prozess. Wir hatten die Idee zu hejhej-mats während unseres Masterstudiums in Schweden, als wir privat eine Kunstausstellung besuchten. Eine türkische Künstlerin hat hier explizit Yogis und Yoginis angeprangert. Denn viele davon denken bereits einen sehr nachhaltigen Lebensstil zu führen und praktizieren dann trotzdem Yoga auf einer billigen und schädlichen Plastikmatte. Anna und ich fühlten uns ertappt und seit diesem Museumsbesuch ließ uns die Idee nicht mehr los.

Wir haben sofort mit der Recherchearbeit angefangen, sind in Kontakt mit dem Gründerzentrum der Uni in Malmö getreten und haben mit allen möglichen Menschen darüber gesprochen. Wir haben dann unzählige Unternehmen kontaktiert und mit verschiedenen Partnern Prototypen hergestellt. Besonders die Zusammenarbeit mit dem Josephs, einem Innovationslabor des Fraunhofer Institut, hat uns wertvolles Kund*innenfeedback erbracht, was wir direkt in unsere nächsten Prototypen einbauen konnten. Mit einer Crowdfunding-Kampagne haben wir unsere erste Produktion vorfinanziert und nach weiterer Entwicklung hatten wir dann unsere fertige nachhaltige hejhej-mat. Man braucht auf jeden Fall Geduld und man muss stark an seine Idee und sein Produkt glauben. Wenn dies aber der Fall ist, kann einen gefühlt nichts aufhalten und man macht trotz Rückschlägen immer weiter. 

Alle reden von nachhaltiger Kreislaufwirtschaft und doch ist es immer noch recht nischig. Wie nehmt ihr den aktuellen Status quo der Circular Economy wahr?

Wir glauben, dass es noch extremes Potential nach oben gibt. Es kennen bereits einige Menschen die Circular Economy, oder viele haben zumindest mal davon gehört. Trotzdem stoßen wir immer wieder auf viele Menschen denen selbst der Begriff Nachhaltigkeit, und besonders auch die Circular Economy, noch fremd ist. Wir versuchen aber besonders diesen Menschen die Konzepte zu erklären. Danach sind die Leute immer echt begeistert. Wir versuchen daher auch in unserer Kommunikation den Menschen Konzepte wie Circular Economy näher zu bringen und sie eben etwas mehr in die Gesellschaft hinaus zu tragen. 

Wenn die Zeit deiner hejhej-mat abgelaufen ist, kannst du sie zurückgeben. Ihre Einzelteile werden dann für die Produktion einer neuen Matte verwendet. © Christin Schwarzer

Wie ist es im Team zu gründen? Was sind die Vorteile? Wo gibt es vielleicht auch Schwierigkeiten?

Im Team gründen hat für uns nur Vorteile. Man ist nie alleine, sowohl in negativen als auch positiven Momenten. Es ist natürlich super schön gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, Ideen zu entwicklen, sie umzusetzen und am Ende gemeinsam das finale Outcome zu betrachten. Auch Termine oder Events machen zu Zweit eindeutig mehr Spaß. Schwierigkeiten können in der Kommunikation oder bei kleinen Meinungsverschiedenheiten auftreten. Auch hier findet man dann aber immer eine Lösung, sodass kleine Probleme immer schnell aus dem Weg geräumt werden können und die Vorteile auf jeden Fall dominieren. 

Was sind die nächsten Steps für hejhej?

Wir möchten unsere Yogamatte auf dem Markt etablieren, sodass so viele nachhaltige Yogamatten wie nur möglich billige Plastikmatten ersetzen. Wir arbeiten gerade weiterhin an einer kontinuierlichen Produktion und sind super happy nach all der Produktentwicklung endlich mal Zeit in Marketing und Sales zu stecken. Parallel haben wir aber auch bereits neue Ideen gesammelt und arbeiten an weiteren nachhaltigen hejhej-Produkten. Unser Ziel ist es die nachhaltige Marke für Yogaequipment zu sein, die eben vollständig nachhaltige Werte verkörpert und auch in den Köpfen der Menschen damit verknüpft wird. 

hejhej-mats will die nachhaltige Marke im Yogabereich werden. © Christin Schwarzer

Ihr wollt nicht nur nachhaltig, sondern auch sozial wirtschaften. Wie findet ihr die Balance zwischen Cashflow und Idealismus?

Nachhaltigkeit ist das Herz von hejhej-mats und jede Entscheidung versuchen wir so nachhaltig wie möglich zu treffen. Natürlich ist das an der ein oder anderen Stelle eine Herausforderung und manchmal muss man leider Kompromisse treffen. Tatsächlich ist es bei uns aber so, dass wir wirklich immer, wenn es geht, Nachhaltigkeit vor ökonomischen Profit stellen. Ein Beispiel wäre hier die Auswahl der Materialien, hier haben wir uns immer für teurere, nachhaltige Materialien entschieden. Auch die Produktion in Deutschland hat ein solches Dilemma hervorgerufen. Wir hätten deutlich billiger in Asien produzieren können. Um eine komplett fair produzierte Yogamatte zu entwicklen und um C02-Emissionen zu sparen, haben wir uns bewusst für Deutschland und für mehr Nachhaltigkeit entschieden. Wir glauben und hoffen natürlich, dass einige Kunden das zu schätzen wissen und genau diese Entscheidungen machen unsere Marke hejhej eben auch aus. 

Der Yoga-Community wird oft nachgesagt zu individualistisch und unpolitisch zu sein. Wie können Yoga, gesellschaftlicher Diskurs und Nachhaltigkeit besser Hand in Hand gehen?

Wir glauben, dass wir einfach alles noch weiter verbinden müssen. Es ist natürlich wichtig, nicht die Augen vor gesellschaftlichem Diskurs zu verschließen, trotzdem ist an der ein oder anderen Stelle der Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben auch wichtig. Was wir damit sagen wollen, Yoga, gesellschaftlicher Diskurs und auch Nachhaltigkeit passen vom Prinzip her super gut zusammen. Lasst uns doch einfach alle etwas mehr unseren Horizont erweitern und sich eben nicht nur auf ein Prinzip beschränken, sondern diese verbinden. Besonders dann können wir für unsere Gesellschaft und unseren Planeten so viel bewirken. 

Yoga, gesellschaftlicher Diskurs und Nachhaltigkeit? Passt gut zusammen, finden Anna und Sophie. © Christin Schwarzer

Was wünscht ihr euch für Frauen 2019?

Wir wünschen uns, dass Fragen oder Rechtfertigungen diesbezüglich einfach ausbleiben. Irgendwann ist es hoffentlich einfach kein Thema mehr, welches Geschlecht ein Mensch hat und andere, viel wichtigere Werte rücken mehr in den Mittelpunkt. 

Liebe Anna, liebe Sophie, vielen Dank für das Gespräch und eure eindrückliche Arbeit. Wir bleiben dran.

Foto hejhej-Gründerinnen: © Christin Schwarzer