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Wie ich es schaffte mit dem Rauchen aufzuhören

Es ist der 31. Mai 2016, Weltnichtrauchertag der WHO, und zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren bin ich an diesem Tag Nichtraucher.

Wer mich kennt, weiß, dass man diesen Umstand schon als kleine Sensation bezeichnen kann. Ich war der geborene Genuss-Raucher. Im Sommer lässig auf Festivals, im Park auf der Wiese zu einem Bierchen, abends auf dem Balkon mit einem guten Buch, nach dem Essen, beim Rumstehen, beim Quatschen und irgendwann vor allem immer dann, wenn es langweilig wurde. Und dann gab es da noch die Stresssituationen. Während eines Streits schnell verschwinden, um eine zu rauchen. Bei der Arbeit mehr als eine Pause machen. Nach einer Klausur den Druck rauslassen. Vor einer Klausur die Angst wegrauchen. Ich habe mal mehr, mal weniger geraucht. Aber immer kontinuierlich. Und dennoch konnte ich manchmal tagelang nicht rauchen, z.B. wenn ich zu Hause bei meinen Eltern war. Da fand ich es meist einfach zu doof in den dunklen, kleinen Hinterhof zu gehen, um, von Nachbarn begafft, noch schnell eine durch zu ziehen.

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Dieser Umstand ließ mich auch bewusst werden, dass ich vielleicht gar nicht so abhängig bin, wie ich dachte. Dass meine Sucht vor allem auch zum Stück weit kontrollierbar war. Und dann wuchs doch dieser Gedanke in mir, dass ich, wenn es so ist, doch auch gleich ganz aufhören könne. Vorher habe ich das immer dementiert. Ich liebte Rauchen. Rauchen und ich, wir waren wie Toast und Marmelade, Bonnie und Clyde, Festival und Bier – einfach unzertrennlich.

Doch je älter ich wurde, desto mehr keimte dieser Gedanke in mir, dass ich an diesem Zustand etwas ändern sollte. Jeder weiß, dass Rauchen furchtbar schlecht ist, unseren Körper verfallen lässt, unsere Laune kontrollieren kann und zu allem Überfluss dazu auch noch ‚ne Stange Geld kostet. Rauchen ist also rein logisch betrachtet total bescheuert. Ende letzten Jahres begann ich mehr und mehr darüber nachzudenken und mir diese Fakten wirklich bewusst zu machen. Was bedeutet es, wenn ich an dieser Zigarette ziehe? Was macht es mit meinem Mund, meiner Luftröhre, meiner Lunge? Wie schlimm sieht es nach über zehn Jahren Rauchen in mir aus? Und vor allem, immer wieder die Frage: Was würde sich verändern, wenn ich nicht mehr rauche?

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Am Ende ging es ganz schnell. Es war nahezu lächerlich einfach. Auch, wenn ich weiß, dass dies vielleicht nicht die Regel ist und ich zu den Glücklichen gehöre, die einfach so aufhören können. Ich weiß aber auch, dass ich es geschafft habe, weil ich mich mental damit auseinander gesetzt habe. Ich wusste, nur wenn es bei mir gedanklich fest verankert ist, kann ich es schaffen. Dafür pflanzte ich  mir vier essentielle Gedanken ein:

  • Ich möchte ein gesundes Leben führen. Neben gesunder Ernährung und Bewegung kann ich nicht Raucher sein.
  • Rauchen als solches schadet unserer Umwelt, ist ebenso ausbeutend für den Menschen, fördert kapitalistische Großunternehmen und wird größenteils an Tieren getestet bzw. hat tierische Inhaltsstoffe.
  • Wenn ich Kinder bekomme, möchte ich nicht erst mit dem positiven Schwangerschaftstest aufhören zu rauchen.
  • Ich möchte nicht neben meinen schwangeren Freundinnen rauchen und sie vollstinken während sie ein kleines Lebewesen im Bauch tragen.

Vor allem der letzte Punkt half mir meinen Plan in die Tat umzusetzen. Außerdem nutzte ich die Gelegenheit einer Erkrankung, um meinen Körper zu reseten und einen Neustart zu wagen. Kurz vor Weihnachten wurde ich krank und lag über die Weihnachtstage inklusive Antibiotikum flach. An Rauchen war nicht zu denken und außerdem war ich zu Hause. Ihr wisst schon, da wartete nur dieser unattraktive, dunkle Hinterhof mit gaffenden Nachbarn auf mich. Also rauchte ich automatisch fast zwei Wochen nicht. Dann kam Silvester und damit auch die erste offizielle Bewährungsprobe. Was mir half? Ich war mit Freundinnen unterwegs, die selbst schon mit dem Rauchen aufgehört hatten. Die eine, weil sie an meinem Punkt 4 war, also schwanger und die andere, weil sie es einfach gewagt hatte. Das gab mir die mentale Stärke überhaupt keinen Gedanken an eine Zigarette zu verschwenden. 

Wie bereits erwähnt, war es vor allem der letzte Punkt auf meiner Liste, der mir den unbedingten Willen gab durchzuhalten. Eine meiner besten Freundinnen wurde im Sommer schwanger. Nicht nur, dass sie meine beste Freundin ist, nein sie war vor allem auch meine liebste Rauch-Freundin. Mit ihr stundenlang im Sommer auf dem Balkon sitzen, Wein trinken und über Gott und die Welt reden. Das war das pure Sommer-Glück. Und jetzt? Nun gut, sie rauchte eben nicht mehr und statt Wein tranken wir Rhabarberschorle zusammen und konnten uns dennoch die Nächte um die Ohren schlagen, als wäre nichts gewesen.

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Dann planten wir einen Urlaub zusammen (von dem ich euch noch erzählen werde) und mir war klar, wenn meine hochschwangere Freundin am Strand sitzt, kann ich nicht mit ner Kippe neben ihr sitzen. Ich wusste, spätestens bis dahin musste ich aufgehört haben. Los gehen sollte es Ende Februar und meine weihnachtliche Bettlägerigkeit gab mir einen Top-Auslöser um schon vor dem Jahreswechsel zu starten. 

Durch diesen Umstand kam es für mich gar nicht in Frage es nicht zu schaffen. Seit dem 21. Dezember 2015 dachte ich nicht ein einziges Mal daran mir wirklich eine Zigarette anzustecken. Natürlich gab es Momente, in denen eine Kippe in der Hand ‚ne lässige Nummer gewesen wäre und gerade auf Tour (ich arbeite nebenbei noch als Tourmanagerin) gibt es soooo viele Momente, in denen eine Zigarette wesentlich angenehmer scheint als eine weitere leere Pause. Aber ganz ehrlich, das ist alles Zeitverschwendung und nichts weiter als Langeweile mit noch mehr Langeweile füllen. Der Glimmstängel wird dadurch nicht attraktiver. 

Was hat sich also geändert? 

Zum einen ganz eindeutig meine finanzielle Lage. Ist auch ‚ne simple Rechnung. Wenn ich in der Woche so 3-5 Schachteln geraucht habe, spare ich pro Woche ca. 15 – 25 Euro. Sind in einem Monat schon bis zu 100 Euro mehr, die in meinem Portemonnaie auf jeden Fall sichtbar werden. Ich habe das Gefühl mental super stark zu sein und alles schaffen zu können, weil ich die Entscheidungen selber treffe und nicht die Zigarette für mich entscheiden lasse. Ich fühle mich überlegen, weil ich die bösen Tabakkonzerne überlistet habe und nicht auf ihr billiges Marketing weiter reinfalle. Fühlt sich fast so an wie 2000/2001, als die BSE-Krise in Deutschland auf dem Höhepunkt war und ich nur einige wenige Monate zuvor mit stolz geschwellter Brust wieder Vegetarierin geworden war.
Ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich mich mit meinen Mami-Freundinnen treffe und nicht nach ein paar Stunden auf dem Balkon verschwinde, um eine durch zu ziehen. Ich rieche nicht mehr unangenehm. Zumindest nicht nach Rauch. Haha. Ich kann meine Zeit viel sinnvoller nutzen und habe nicht immer eine Ausrede „nur noch schnell eine zu rauchen“. Ich fühle mich gesünder und meine Kondition ist gestiegen. Ich pfeife wortwörtlich nicht mehr aus dem letzten Loch. Ich kann endlich sagen, ich bin Nichtraucher.

Ich möchte für mich nicht ausschließen nie wieder an einem Glimmstängel zu ziehen. Aber wenn ich dies tue, dann immer mit den Gedanken im Hinterkopf, die sich jetzt so stark bei mir verankert haben. Und mit dem Wissen, dass ich für mein Handeln selbst verantwortlich bin und ich anderen damit nicht schaden möchte.

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Wenn ihr gerade darüber nachdenkt mit dem Rauchen aufzuhören, verdeutlicht euch am besten eure Gründe, um Nichtraucher zu werden. Warum wollt ihr diesen Schritt machen? Was ist euch am wichtigsten? Ruft euch diese Punkte immer wieder ins Gedächtnis und schult eure mentale Stärke. Ihr werdet ganz sicher sehr schnell den Zigaretten überlegen sein.