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Was ich mir wünsche. Ein politisches Manifest.

Ihr lieben LeserInnen,

diesen Sonntag wird gewählt. Und wer’s jetzt noch nicht gemerkt hat, ganz ehrlich, unter dieser Käseglocke, unter welcher diese Person scheinbar leben muss, würden wir auch echt gerne mal verschwinden. Aber nicht diesen Sonntag! Denn ganz sicher entscheiden wir mit, wer uns zukünftig im Bundestag vertreten wird. Und ihr (hoffentlich) auch! 

Wir jungen Menschen sind so wenige in der Zahl. Ausnahmslos jeder sollte von uns zur Wahl gehen. Politik ist ein langwieriges Pflaster. Doch gestaltet und entscheidet diese, wie es uns zukünftig geht. Und klar ist,  wer nicht wählt, für den wird auch keine Politik gemacht. Jede einzelne Stimme zählt. So abgedroschen wie das klingen mag.

So kurz vor der Wahl ist es uns wichtig, in uns zu gehen und darüber nachzudenken, was wir uns für Deutschland, unsere Generation, unsere Freunde und Familien, unsere Mitmenschen wünschen. Denn nur so können wir entscheiden, wer am Ende unser Kreuz bekommt. Mit welcher Partei, mit welcher/welchem PolitikerIn wir die größtmögliche Übereinstimmung haben.

Wir zelebrieren hier nun unser politisches Manifest.

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Ich wünsche mir in einem Land zu leben, in dem ich mich frei entfalten kann. Ein Land, das mich nicht einschränkt, sondern Möglichkeiten zeigt. Ein Land, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, unsere Welt zu stärken anstatt sich abzuschotten und Grenzen zu ziehen.

Ich wünsche mir einen respektvollen Umgang miteinander. Nicht nur mit meiner unmittelbaren Nachbarin, sondern auch mit denen, die mir nicht so nah sind. Die, die außerhalb meiner Lebensrealität ihre Leben gestalten. Ich wünsche mir Achtung vor dem Leben anderer. Nicht nur vor dem menschlichen Leben. Sondern vor allem auch vor denen, die ihre Stimme nicht erheben können. Achtung vor denen, die wir Tag für Tag ausbeuten, um bequem und lecker leben zu können. Ich wünsche mir Achtung vor unserem Planeten. Die größtmögliche Dankbarkeit vor dem, was wir Leben nennen.

Wir wandeln auf dieser Erde, weil sie die Grundvoraussetzungen dafür schafft. Unsere Umwelt ist das, was uns am Leben hält. Kein Geld der Welt kann dieses Leben kaufen. Kein Geld der Welt gibt uns Sauerstoff. Kein Geld der Welt kann Nahrung und Wasser erzwingen.

Ich wünsche mir ein Miteinander, das darauf baut den anderen so zu akzeptieren, wie sie/er ist. Keine Wertung, kein Verurteilen. Inklusion aller. Einfach weil das das Menschlichste ist, was wir tun können.

Ich wünsche mir die nötige Wertschätzung vor Berufsgruppen ohne die unsere Gesellschaft ziemlich aufgeschmissen wäre. Eine Wertschätzung, die sich sowohl in Bezahlung als auch in Respekt vor der Arbeit widerspiegelt.

Generell wünsche ich mir aber, dass Geld nicht eine solche zentrale Rolle einnimmt. Auf dass wir selbständiger und eigenverantwortlicher handeln können. Ohne Abwägen. Ohne Nachrechnen.

Ich wünsche mir eine Wirtschaft, die begreift, dass Geld kein Lebenswerk hinterlässt. Eine Wirtschaft, die mehr für andere als sich selbst arbeitet. Eine Wirtschaft, die versteht, dass Gewinnmaximierung keine Erdjahre kaufen kann und dass langfristiger Erfolg immer unsere Umwelt in der Rechnung haben muss.

Ich wünsche mir ein Schulsystem, dass Talente fördert und nicht stumpfe Notwendigkeiten eintrichtert. Ein Bildungssystem, das erkennt, dass die Zukunft dieser Gesellschaft in den Kindern liegt. Und diese nicht alle schnell rennen können, nicht alle gut rechnen können und nicht alle an Goethe interessiert sind, sondern ganz individuell wunderbar gemacht sind. Ein Bildungssystem, dass nicht nach Geschlechtern, Behinderung und Nationalität aufteilt.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der alle Formen der Lebensplanung akzeptiert sind. In der es mehr als einen Weg gibt und ganz sicher auch Sackgassen, Verirrungen, Umwege, Brücken und neue Wege.

Ich wünsche mir, dass Alleinerziehende gestärkt werden. Dass Ehe eine wichtige Rolle spielt und Familie geschützt wird, aber andere Entscheidungen nicht falsch sind. Dass die Liebesbeziehung einer Person keine Aussage über ihren Charakter oder ihren Wert trifft. Generell dass Menschen nicht in Wertigkeiten eingeteilt werden. Sondern alle gleich sind. Egal welches Geschlecht, egal welche Hautfarbe, egal welche sexuelle Orientierung, egal welcher Schulabschluss.

Egal, einfach egal.

Ich wünsche mir, dass wir denen helfen, die es nicht so gut getroffen hat. Denen, die arm sind. Denen, die unterdrückt werden. Denen, die mit Suchtproblemen zu kämpfen haben. Denen, die sich in ihrem Körper nicht wiederfinden. Denen, die schwächer sind. Denen, die sich nicht selbst helfen können.

Ich wünsche mir, dass Umweltschutz kein Trend ist. Sondern eine Bewegung. Dass es selbstverständlich wird auf unsere Umwelt Acht zu geben. Dass wir begreifen, dass es nur eine Erde gibt und dass auch die nächste Weltraumexpedition keine neue Heimat finden wird.

Ich wünsche mir, dass Heimat Heimat ist, weil wir uns dort am wohlsten fühlen. Nicht, weil wir da geboren sind oder weil man uns sagt, dass wir uns dort heimisch fühlen müssen. Ich wünsche mir, dass Heimat etwas ist, was wir im Herzen tragen und was wir für andere sein können. Dass Grenzen übersieht und Gefühle widerspiegelt.

Ich wünsche mir, dass Grenzen im Kopf verschwinden. Dass wir offen sind für andere und anderes. Dass wir endlich begreifen, dass Grenzen menschengemacht sind und nichts über eine Person aussagen.

Ich wünsche mir, dass Klischees und Stereotypen uns nicht den Blick verstellen für das wirkliche Wesen eines Menschen. Dass wir immer neugierig bleiben, um Menschen und Kulturen kennenzulernen, zu ergründen und am Ende vielleicht sogar zu verstehen.

Ich wünsche mir, dass Religion von jedem gelebt werden darf, der dies möchte. Diese aber nicht zwanghaft in unser Leben eingreift. Dass Kirche für alle ein Zuhause sein kann, die sich das wünschen, aber nicht das Leben derer bestimmt, die sich dagegen verwehren. Dass Religion aufhört in Schubladen zu stecken. Dass wir verstehen, dass es im Glauben nicht um Institutionen geht, sondern um die persönliche Bindung eines Menschen.
Ich wünsche mir, dass wir uns gegenseitig vorleben können, was es bedeuten kann eine positive Bindung zu uns selbst zu haben.
Ich wünsche mir, dass die, die mehr haben mehr für unsere Gesellschaft tun. Dass Geld dafür eingesetzt wird Gutes zu tun. Nicht, weil es sich so gehört. Sondern weil es einfach sehr viel Sinn macht. Kein Mensch benötigt so viel für sich selbst.
Ich wünsche mir, dass wir eine Gesellschaft werden, in der Kinder als etwas Wertvolles angesehen werden und dementsprechend geschützt und geschätzt werden. Dass Kinder die Möglichkeit bekommen sich ganz frei zu entwickeln. Egal woher sie kommen. Dass mehr dafür getan wird, dass sich Eltern mit ihren Kindern in der Öffentlichkeit vollkommen wohlfühlen.

Ich wünsche mir, dass Frauen nicht als notwendiges Übel angesehen werden. Sondern wir alle von Angesicht zu Angesicht Menschen sind. Dass wir nicht darüber diskutieren müssen, ob eine Frauenquote Sinn macht und letztendlich immer wieder über die Mündigkeit der Frau hinweg entschieden wird. Ich wünsche mir eine Frau als Kanzlerin, die aus vollem Herzen Ja sagt, wenn sie gefragt wird, ob sie eine Feministin ist. Ich wünsche mir, dass sich keine Frau mehr dafür rechtfertigen muss eine Frau zu sein. Ich wünsche mir, dass wir uns gegenseitig stark machen und all den Klatschmagazinen, der Werbeindustrie und alten Patriarchen zeigen, dass wir mehr wert sind, als sie sich in ihren kühnsten Träumen vorstellen könnten.

Ich wünsche mir eine Politik, die sich mutig für jeden Menschen einsetzt. Mut wird nicht aus Angst gemacht. Mut bedeutet vor allem auch Entscheidungen zu treffen, die schwer sind und die nicht bewältigbar scheinen. Entscheidungen zu treffen sind, die unbequem sind und doch Menschlichkeit beweisen.

Ich wünsche mir eine Politik, die begreift, dass der Schutz der Umwelt vor allen anderen Anliegen stehen muss, wenn wir noch mehr als 50 Jahre so weiter machen wollen.
Ich wünsche mir eine Politik, die nicht käuflich ist oder durch Lobbyisten geführt wird.

Ich wünsche mir eine Politik, die mir zeigt, dass ich als junger Mensch eine wunderbare Zukunft hab. Die mich in meinen Entscheidungen bestärkt anstatt mir Steine in den Weg zu legen.

Ich wünsche mir eine Politik, die keinen bevorzugt und die Gleichberechtigung lebt.

Ich wünsche mir PolitikerInnen, die das umsetzen, weil sie Bock haben unser Land positiv zu gestalten und eher an ihre Mitmenschen denken als an sich selbst. Die selbstlos Politik machen. Und den Mut haben RechtspopulistInnen, Patriarchen, DummschwätzerInnen, Ewiggestrigen, Nationalisten, KriegsbefürworterInnen, TierquälerInnen und anderen Arschlöchern die Stirn zu bieten.

xx
Jana

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PS: Zu Christin’s politischem Manifest geht es hier entlang.