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Was ich mir wünsche. Ein politisches Manifest.

Ihr lieben LeserInnen,

morgen wird gewählt. Und wir sind dabei! Und ihr (hoffentlich) auch!

Wir jungen Menschen sind so wenige in der Zahl. Ausnahmslos jeder sollte von uns zur Wahl gehen. Politik ist ein langwieriges Pflaster. Doch gestaltet und entscheidet diese, wie es uns zukünftig geht. Und klar ist,  wer nicht wählt, für den wird auch keine Politik gemacht. Jede einzelne Stimme zählt. So abgedroschen wie das klingen mag.

So kurz vor der Wahl ist es uns wichtig, in uns zu gehen und darüber nachzudenken, was wir uns für Deutschland, unsere Generation, unsere Freunde und Familien, unsere Mitmenschen wünschen. Denn nur so können wir entscheiden, wer am Ende unser Kreuz bekommt. Mit welcher Partei, mit welcher/welchem PolitikerIn wir die größtmögliche Übereinstimmung haben.

Wir zelebrieren hier nun unser politisches Manifest.

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Als Frau wünsche ich mir als Mensch gesehen und bewertet zu werden. Nicht durch mein Geschlecht, irgendein Stereotyp oder sonstige Schubladen. Es ist Bundestagswahl 2017 und für uns alle einmal mehr Gelegenheit, die Weichen neu zu stellen. 

So wünsche ich mir für alle Frauen ein Recht auf Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit in allen Lebenslagen. Lasst uns ein für alle Mal dem Gender Pay Gap ein Ende setzen, sexistische Diskriminierungen und Vorurteile aus unseren Köpfen verbannen, (mediale) Körperideale den Gar ausmachen und aufhören zu denken, dass Frausein und Weiblichkeit eine Schwäche sein muss. So lange dies nicht so ist, darf der Feminismus kein Imageproblem mehr haben. So dass selbst unsere Kanzlerin sich scheut, sich als solche zu bezeichnen. Ganz ehrlich, FRAU Bundeskanzlerin? Wie oft Sie wohl Ungerechtigkeit, Mansplaining und sexistische Herabwürdigung und Beleidigung ertragen mussten? 

Apropos Gerechtigkeit: Ich wünsche mir eine gleichberechtigte Sitzverteilung im Bundestag (Stand Februar’17:  37,1 Prozent Frauenanteil), denn wir brauchen mehr Politikerinnen, welche ebenfalls die Weichen der Gesellschaft mit bedienen. Denn nur so bestehen bessere Möglichkeiten, dass diese sich für die Rechte und vor allem auch die Chancen von Frauen einsetzen. Politische Gestaltung braucht zu 50 Prozent die Perspektive der Frauen. Immerhin bilden wir Frauen auch die Hälfte der Gesellschaft.

Als junge Frau appelliere ich an alle jungen Frauen: Geht wählen! Es kann nicht sein, dass die Wahlbeteiligung immer weiter sinkt. Besonders bei uns jungen Menschen. Vor allem bei uns jungen Frauen. Die Wahlbeteiligung der 21- bis 25-jährigen Frauen ist in den letzten 30 Jahren sogar um 20 Prozent gesunken. Geht gar nicht! Weil der Anteil der wahlberechtigten Frauen in diesem Alter bei nur 1,67 Prozent liegt, und insgesamt bei den jüngeren Frauen von 18 bis 40 Jahren nur bei 8,88 Prozent. Zum Vergleich – allein die Gruppe der wahlberechtigten Frauen über 70 Jahre bilden mit 7,54 Prozent die größte Altersgruppe. Wenn Politik unsere Interessen und Wünsche mit vertreten soll, müssen wir wählen. Alle!

Auch das Private ist politisch. Und so wünsche ich mir als Mutter nicht zwischen Beruf und Familie wählen zu müssen. Ich will alles. In 24 Stunden. An sieben Tagen die Woche. Dafür wünsche ich mir Zeit. Zeit, um mich beruflich entfalten zu können. Das geht nicht mit einem geringen Teilzeitjob oder Vollzeitjob, ohne Unterstützung meines Partners und Familie. Und genauso wenig ohne politischen und gesellschaftlichen Rückhalt. Denn ich wünsche mir auch Zeit für meine Familie. Für meine Tochter und meinen Partner. Ich möchte Dasein für meine Tochter und sie nicht den ganzen Tag betreuen lassen. Ich wünsche mir, dass auch die Väter gestärkt werden und dass es endlich nicht nur Anerkennung sondern auch Arbeitsmodelle findet, wenn auch Väter ihre Rolle nicht nur am Wochenende ausleben wollen. Obendrein wünsche ich mir aber auch Zeit für mich und meine Bedürfnisse. 

Als Mutter sehe ich noch vielmehr das Bedürfnis, dass Care-Arbeit endlich die Anerkennung haben muss, die sie verdient. Hut ab, was wir Frauen und Mütter still und leise alles leisten! Und was wären wir alle ohne die (leider nicht mehr so zahlreichen) Hebammen, die uns den Start ins Familienleben so erleichtern? Was wären wir ohne die liebevollen ErzieherInnen und Tagesmütter/Tagesväter, die das Wertvollste betreuen, was wir besitzen? Was wären wir ohne die ganzen PflegerInnen, die uns helfen, wenn wir krank sind und unsere geliebten Omas und Opas pflegen, wenn sie dies nicht mehr allein können? Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die anerkennt, dass Care-Arbeit das Fundament ist, auf dem unsere Gesellschaft und damit eben auch auf das unsere Wirtschaft aufbaut. 

Und noch etwas liegt mir als Mutter am Herzen: Ich wünsche mir, dass wir wieder eine kinderfreundliche Gesellschaft werden. Ich wünsche mir, dass die Menschen uns mit einem Lächeln begegnen, wenn wir ins Restaurant kommen und nicht mit den Augen rollen. Ich wünsche mir, dass Kinder wertgeschätzt werden, Kind sein dürfen und sich frei entwickeln können. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. So wie wir die Welt heute verstehen, werden sie diese nicht mehr verstehen. Sie werden ihre eigenen Jobs schaffen (müssen). Umso wichtiger, dass sich das Schulsystem dahin gehend ändert, dass unsere Kinder am Ende folgendes lernen: Empathie, Resilienz, Kreativität und Umweltbewusstsein.

Als Tochter wünsche ich mir für meine Eltern, dass sie gelassen in den Ruhestand gehen können, noch fit sind und nicht auf ihr geliebtes Reisen verzichten müssen. Viele Jahre haben sie hart gearbeitet, nach dem Fall der Mauer sich neu erfunden, uns Mädels großgezogen, die eigenen Eltern gepflegt und nie den Mut verloren. Das soll nicht unerkannt bleiben. 

Als Freundin wünsche ich mir Verbundenheit und dass wir uns gegenseitig Mut machen und empowern. So individuell jeder Mensch ist, so prägt uns auch das Leben und damit die Lebensmodelle, die (politische) Identifikationen, die Träume. Trotzdem können wir miteinander verbunden sein, ohne uns vergleichen zu müssen. Vergleiche sind Wettbewerb. Wettbewerbe sind ein männliches Konstrukt. Versteht mich nicht falsch, faire Wettbewerbe sind völlig ok. Aber wie kann man nur einen Menschen mit einem anderen vergleichen? Das kann nicht funktionieren und Neid ist vorprogrammiert. Als Freunde lasst uns etwas besseres leben: Verständnis, Verbundenheit und Zusammenhalt. Das ist Freundschaft. 

Als Deutsche wünsche ich mir von meinem Land, dass es Vorbild für andere Länder ist und zeigt wie Integration, Gleichberechtigung, Inklusion und Verantwortung für die zukünftigen Generationen funktionieren kann. Lasst uns gemeinsam – politisch wie menschlich – offen, neugierig und friedlich bleiben, Schutzbedürftige an die Hand nehmen, Schwache stärken, Fremden durch unsere Türen treten lassen, die eigenen gedanklichen Grenzen wie auch Landesgrenzen öffnen, der Kindheit mehr Raum geben und die Rechte von Kindern beherzen sowie alle Formen von Familie unterstützen. Umweltschutz darf nicht bei der Vermeidung von Plastiktüten aufhören. Lasst uns den Schutz unseres Planeten zu einer der obersten Prioritäten machen! Wie cool wäre es, wenn wir uns eine Zukunft gestalten, auf die wir uns alle freuen können?

Lasst – egal in welchen Rollen wir uns bewegen – MITEINANDER statt ÜBEREINANDER kommunizieren. Das wünsche ich mir sehr!

xx
Christin

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PS: Jana’s politisches Manifest findet ihr hier.