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Sarah Neuendorf von Gretas Schwester: „Gretas größtes Abenteuer ist mein eigenes.“

Letztes Jahr im Sommer ist es um uns geschehen und wir haben uns unsterblich in Gretas Schwester verliebt! Unsere Liebe begann damit, dass wir auf große Reise gingen und uns überlegten, was wir alles mitnehmen möchten. Unter anderem gab es da dieses eine wahnsinnig tolle Reisetagebuch, das unbedingt mit musste. Erinnert ihr euch? Fortan folgten wir Gretas Schwester und ihren Freunden im World Wide Web und wir wollten mehr. Wir wollten endlich wissen, wer hinter diesen wundervollen Illustrationen und Ideen steckt und so stand sie eines Tages einfach vor uns: Sarah, die Gretas Schwester erfand. Wow, was für eine charmante junge Frau, dachten wir uns. Die müssen wir euch unbedingt vorstellen. Und endlich haben wir es geschafft!

Mädels und Jungs, seid gewarnt! Wenn ihr ab hier weiterlest, wird es euch genauso ergehen wie uns. Es macht ?peng? und ihr seid genauso unsterblich verliebt wie wir… und zwar in Gretas Schwester, ihre Freunde und nicht zuletzt in Sarah selbst.

Not Another Woman Mag: Illustratoren sollten Träumer sein – wovon träumst du so?

Sarah Neuendorf: Oh bei mir geht es ehrlich gesagt immer in zwei Richtungen. In super stressigen Phasen träume ich davon mir einfach ein Haus zu kaufen, in einem Wald, und einfach da für mich zu zeichnen oder Bücher zu schreiben wie Astrid Lindgren. Andererseits träume ich in guten und sehr powervollen Phasen auch davon ganz groß zu werden, Angestellte zu haben, mein Label weiter auszubauen und so eine ganze Papierfabrik zu bekommen. 

War schon immer klar, dass du Illustratorin werden willst? Was wäre die Alternative gewesen?

Eigentlich schon. Ich habe schon immer gern gezeichnet und ich fand es immer toll mir Bilder zu Geschichten  auszudenken. Die Geschichte als Basis ist auch das, was einen Illustrator von einem Künstler unterscheidet. Aber ich habe auch eine große Faszination für das Meer und die großen Meeressäuger, was man vielleicht an meinen Illustrationen erkennen kann. Daher gab es zunächst ein großes Hin und Her zwischen dem Studium der Meeresbiologie und dem Grafikdesign Studium. Als ich mich für das Grafikdesign Studium letztlich entschieden habe, war für mich aber auch ganz klar, dass ich Illustratorin werden möchte. 

Gretas Schwester / Illustration / Interview / Not Another Woman

Wann hast du deine ersten Zeichnungen gemacht? Gab es einen Moment, an dem du realisiert hast, dass Illustration dein Weg sein wird?

Das war erst im Studium. Ich muss auch sagen, dass es mir zu Beginn meines Studium etwas schwer gefallen ist. Da waren die Noten auch eher nur so „ok“. Ich habe gemerkt, dass es noch nicht das ist, was es am Ende sein soll. Und dann haben wir von unserem Professor eine Geschichte vorgelesen bekommen, wo immer einzelne Sätze waren, zu denen wir dann Illustrationen machen sollten. Dabei habe ich gemerkt, das klappt und das kann ich. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann auch zu dem Stil gefunden, den ich jetzt weiterverfolge und der sich ja permanent weiterentwickelt.

Gretas Schwester / Illustration / Interview / Not Another Woman

Die Kunst ist eine brotlose – siehst du das genauso? 

Ich glaube, die Kunst an sich manchmal schon. Da muss man ganz viel Glück haben, dass es nicht mehr brotlos ist und man damit Geld verdienen kann. Ich glaube aber auch, dass mein Bereich so ein Zwischending ist, zwischen Kunst und Dienstleistung. Und damit lässt sich dann schon Geld verdienen.

Wann hast du den Entschluss gefasst dich selbstständig zu machen und wieviel Mut hat es dich gekostet?

Zur Selbständigkeit entschlossen habe ich mich kurz nachdem ich das Studium begonnen habe. Man bekommt zu Beginn des Studiums aufgezeigt, dass man nach dem Studium entweder in einer Agentur arbeiten kann, wo man von früh bis spät für jemand anderen arbeitet. Oder man macht sich halt selbständig und arbeitet von früh bis spät für sich selbst. Ich habe für mich festgestellt, dass ich immer am besten bin, wenn ich es aus der eigenen Freude heraus tue. Ich habe es dennoch probiert und Praktika gemacht, aber gemerkt, dass es eher nicht so richtig meins ist. Ich möchte mich gern frei entscheiden, welche Aufträge ich annehme und wann ich arbeite. Ich arbeite z.B. gerne mal sonntags und dafür einen Tag in der Woche nicht. Der Schritt selbst hat mich nicht allzu wahnsinnig viel Mut gekostet. Ich hatte zwar ein anstrengendes erstes halbes Jahr, wo ich dachte, vielleicht klappt es doch nicht und ich müsse mir etwas anderes suchen. Aber dann fing es an zu laufen und ich wusste, es war die richtige Entscheidung. 

Wer oder was hat dich am meisten bestärkt diesen Weg zu gehen?

Ich würde sagen, das war mein Freund. Er hat mir immer gesagt, wenn ich wirklich was machen möchte, dann kann ich das auch. Er hat mich immer bestärkt und auch zu Beginn finanziell unterstützt. Das haben meine Eltern natürlich auch. Aber sie hätten sich vielleicht doch eher den Weg eines angestellten Illustrators für mich gewünscht, weil sie es sich zunächst nicht ganz so vorstellen konnten. Mein Freund war da eher die treibende Kraft und daran konnte ich mich immer festhalten. 

Erzähl uns ein bisschen von Greta, ihrer Schwester und ihren Freunden! Wer sind sie? 

Na, da beginnen wir doch am besten direkt mit Gretas Schwester, der Hauptperson. Sie lebt auf einer feuerspeienden Insel und trifft eines Tages auf Greta. Greta ist ein gestrandeter Wal. Die beiden tun sich zusammen und machen sich auf den Weg, die Mutter von Gretas Schwester, Anouk heißt sie, zu finden. Dabei erleben sie viele Abenteuer. Die Geschichten um Gretas Schwester kamen erst im Nachhinein. Ursprünglich gab es nur den ausgedachten Namen „Gretas Schwester“ nur für meinen Blog. Dann hat mir der Name aber so gut gefallen, dass ich ihn auch für mein Label genommen habe. „Gretas Freunde“ ist das dazugehörige Onlinemagazin, das ich vor einem halben Jahr mit meiner Schwägerin Christine gestartet habe. Darin geht es so ein bisschen um das erweiterte Umfeld von Gretas Schwester. Es geht viel ums Reisen und was die ganzen kleinen Charaktere erleben, die ich in meinem Repertoire habe, wie der Fuchs, das Krokodil und der andere kleine Wal. 

Gretas Schwester / Illustration / Interview / Not Another Woman

Mit Wasserfarbe und Pinsel entstehen die neusten Illustrationen. Die Weltkarte, die zu unserem Interview noch an der Skizzenwand hing, gibt es jetzt auch zu kaufen.

Und was sind bisher ihre größten Abenteuer?

(Sarah lacht) Ich glaube, ihr größtes Abenteuer ist mein eigenes. Also weg von der Geschichte, hin zu mir und meinem Label. Und dieses „Zusammen-größer-werden“. Man hat diese Geschichte, die immer weiter wächst und bald auch in einem Buch umgewandelt werden soll. Und auf der anderen Seite mein eigenes kleines Wachsen in den Kollektionen und der Vergrößerung von allem. Ich glaube, zusammen würden wir uns sehr freuen, wenn Gretas Mama Anouk wieder auftaucht. Das wäre das größte Abenteuer in der Geschichte. Und mein eigenes wird sein, wenn ich das erste Mal jemanden einstelle und mich den ganzen Tag auf das Zeichnen konzentrieren kann und nicht mehr so viel organisieren muss. 

Und was war bisher dein größter Erfolg?

Das Babybuch.

Babybuch - Gretas Schwester

Deine Illustrationen sind voll mit Motiven aus der Natur. Lass uns raten, du bist viel draußen unterwegs und reist sehr gern. Wo bist du am liebsten unterwegs?

Sehr viele Motive sind inspiriert von meinem Kalifornienurlaub. Da war ich direkt nach meinem Studium für drei Wochen und das war sehr bereichernd für die Ausbildung des Stils und um Motive zu finden. Ansonsten lasse ich mich sehr gern von Filmen inspirieren, wenn ich mal nicht die Zeit habe zu reisen. Außerdem finde ich auch dieses ganze nordische Thema sehr interessant. Also entweder ist auf meinen Illustrationen der Tannenwald aus dem Norden oder die Kakteenlandschaft aus dem Westen der USA. Auf diese beiden Themen komme ich immer wieder gern zurück. Ich fange immer wieder neue Studien an und sage mir, ok nun überleg dir mal neue Pflanzen und Tiere. Zudem war ich dieses Jahr auch in Südafrika. Das hat mir auch geholfen, aber trotzdem habe ich noch keine andere Formen gefunden, die mir zusagen.

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Überall, wo man hinsieht, lassen sich Kakteen und wilde Tiere bestaunen. Auch das Camping-Thema spiegelt sich in den Illustrationen immer wider. Ein echter Augenschmaus für wahre Camping-Fans!

Eine weitere Inspirationsquelle sind Kinder. Du aber hast noch gar keine Kinder… Was inspiriert dich an ihnen am meisten?

Als ich mein Label gegründet habe, kam meine kleine Nichte auf die Welt und sie hat meine ersten Produkte bekommen. Und ihre kleine Schwester, die zwei Jahre später geboren wurde sowie meine Cousine und meine andere Nichte, also drei Babys, die gleichzeitig geboren wurden, die haben alle das Babybuch und den kleinen Wal zur Geburt bekommen. Die vier Mädels haben mich dazu inspiriert das Ganze zu machen. Durch diesen Einfluss hab ich gesehen, was die Eltern und Kinder brauchen. Nach dem Babybuch kam das Kleinkindbuch und die Frauen waren ja auch mal schwanger, dann gibt es ein Schwangerschaftsbuch. Und jetzt das Hochzeitsbuch.

Oder das Reisetagebuch. Es gibt so viele Tagebücher für Schwangere, Babys, Reisen usw. Aber du hast eine sehr erzählerische Herangehensweise, die sich schon sehr stark von den anderen unterscheidet. Erst heute habe ich dein Reisetagebuch, das ich letztes Jahr gekauft und geführt habe, angeschaut und ich konnte mich durch deine Gestaltungsideen noch sehr genau  zurück erinnern.

Ach, das freut mich wirklich.

Was ist denn dein liebstes Kinderbuch?

Ich bin groß geworden mit den Geschichten von Janosch und von Astrid Lindgren. Aber ich glaube, mein allerliebstes Kinderbuch ist „Das Traumfresserchen“. Das ist ein Buch über eine kleine Prinzessin, die nachts schlechte Träume hat und dann läuft der Vater los, weil er von einem Traumfresserchen gehört hat und geht es suchen. Das Traumfresserchen kommt dann mit ins Schloss und frisst jede Nacht die schlechten Träume der Prinzessin auf. Es ist sehr sehr süß gestaltet. Vor allem, was mir jetzt erst auffiel als ich in Kalifornien war, dass das Buch wohl auch von diesen Bäumen in diesem Park, Joshua Tree heißt der, inspiriert worden sein muss. Das sind so ganz knochige Bäume mit ganz langen Fingern. Das ist voll schön.  Müsst ihr euch mal anschauen!

Du kooperierst u.a. auch mit der Designerin Valeria von Monkind, gemeinsam habt ihr einen Laden in Berlin Schöneberg. Was verbindet euch?

Zunächst einmal verbindet uns ein Stil. So sind wir aufeinander aufmerksam geworden, außerdem haben wir uns auf Anhieb sehr gut verstanden. Und dann war uns ziemlich schnell klar, wir tun uns zusammen. Wir haben gemerkt, dass unsere eigenen Ideen gut miteinander harmonieren. Zum einen meine Illustrationen auf ihren Stoffen und Kleidungsstücken, als auch meine Bücher und Tiere in Verbindung mit ihrer Kleidung. Wir haben beide die Idee ein bisschen andere Kinderkleidung und bisschen andere Papeterie zu machen und uns von diesem normalen, herkömmlichen ein wenig loszulösen. Und gemeinsam stark zu werden.

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Den StudioStore Monkind x Gretas Schwester findet ihr hier:

Crellestraße 3/4, 10827 Berlin
Mo-Fr 10-18 Uhr // Sa 11-16 Uhr

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Der liebevoll eingerichtete Laden besticht vor allem durch seine kleinen Details – eine alte Wiege findet ebenso seinen Platz wie das Schaukelpferd.

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Das Thema Nachhaltigkeit spielt in eurer Produktion ebenfalls eine große Rolle.  Warum wurde dir das Thema wichtig?

Im Prinzip basiert das alles auf der Idee ursprünglich Meeresbiologin zu werden und nun doch einen anderen Weg eingeschlagen zu haben. Ich wollte wenigstens etwas zurückgeben und nicht der Umwelt schaden. Mir ist schon klar, dass man durch ein Buch aus recyceltem Papier nicht unbedingt was Gutes tut, aber ich schade ihr auch nicht, indem ich andere Papiere benutze, die holzhaltig sind. Genauso sind die Stoffe aus Bio-Baumwolle und nicht aus Polyester oder anderen Plastikmaterialien. Des Weiteren bin ich gerade dabei mit einer Organisation zusammenzuarbeiten, die sich für den Schutz von Meeressäugern einsetzt. Dafür gestalte ich ein Meerestier als zentrales Motiv, von dem ein Teil des Erlöses immer an diesen Verein gehen wird.

Und was machst du in zehn Jahren?

Ich hoffe, dass ich weiterhin die Möglichkeit habe mir ganz viel Freiraum zu nehmen, viel zu Reisen. Ich hoffe auch, dass ich Heerscharen von Kindern um mich herum haben werde. Und ich hoffe, dass es Gretas Schwester dann noch so gibt, dass die Produktpalette noch groß ist und dass es so funktioniert hat, wie ich es mir ausgemalt habe. So dass ich vielleicht schon Angestellte habe. Ich träume mit einer Freundin immer davon, dass wir in einem Loft in der Stadt zusammenarbeiten. Ich habe da meine Produktion und Büro und sie hat eine Kantine, wo es hausgemachte Speisen gibt. Und auf dem Dach gibt es auf jeden Fall einen Bienenstock und ein Gewächshaus. 

Oh, da ziehen wir mit ein. Und einen Kindergarten brauchen wir dann bestimmt auch. 

Ja, das passt doch perfekt. 

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Was wünschst du dir für Frauen 2016? 

Ich wünsche den Frauen, dass endlich diese Zerrissenheit zwischen Mamasein und Arbeiten in irgendeiner Form akzeptiert und gelöst wird. Ich finde es ziemlich traurig immer wieder zu sehen, wie schwierig beides ist. Also sowohl Mamasein und den Beruf aufzugeben und dann  als Hausmütterchen hingestellt zu werden oder auch arbeiten zu gehen und dann die Rabenmutter zu sein. Es ist unglaublich unfair und ich kann es im Moment, dadurch dass ich noch keine Mutter bin, noch nicht 100%  nachvollziehen, aber ich kann es mir dennoch vorstellen. Ich hoffe, dass Ende diesen Jahres alle Frauen davon befreit sind. Ich glaube beinah, als die Welt der Frauen noch nicht so emanzipiert war, alles vielleicht viel einfacher war. Und jetzt zerreißt es uns einfach. Letztens habe ich in einem Magazin gelesen, dass es diesen Trend zurück gibt, aber das finde ich auch schade. War das jetzt alles umsonst, dass wir Frauen jahrzehntelang dafür gekämpft haben? Weil es einfacher ist? 

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Diesen Wunsch hat uns Sarah auch illustriert.

Steckbrief Sarah Neuendorf von Gretas Schwester

Hier findet ihr Sarah im World Wide Web:

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GRETAS SCHWESTER & GRETAS FREUNDE

Liebe Sarah, vielen lieben Dank für den lustigen Nachmittag bei dir im Laden! Wir könnten da glatt einziehen und für immer bleiben, ist ja alles da: Schöne Dinge, guter Tee, viele Kiddies und ein Hund. Was wollen wir mehr? Halte an deinen Träumen fest, denn sie sind zu schön, dass sie unbedingt wahr werden müssen. Bis ganz bald! ?

Gretas Schwester / Illustration / Interview / Not Another WomanUnd als wären wir noch nicht beglückt genug, haben wir noch unsere ganz eigene Illustration von Sarah bekommen. Vielen Dank ?

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