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Nora Dal Cero: „Es ist spannend eine neue Welt zu kreieren.“

Geht es euch manchmal auch so, dass ihr Momente habt, wo ihr euch zurück besinnt und dann feststellt: Hui krass, da gab es ja diesen gewissen Moment als ich 12 Jahre alt und dann diese als ich 19, 22, 25 und 27 war, die sich jetzt im Nachhinein wie Perlen auf einer Kette miteinander verbinden lassen, ohne dass man das je so wahrgenommen hat? So etwas ist irgendwie spooky aber auch wunderschön zugleich, weil es einen Sinn ergibt. Wie ein roter Faden im Leben. 

Keine Ahnung, ob Nora Dal Cero je so darüber nachgedacht und ihr folgende Momente so bewusst geworden sind oder ob uns diese kleinen Anekdoten journalistisch einfach nur gut in die Karten spielen…😂 Aber ihr müsst uns schon zustimmen, dass es faszinierend ist, dass Nora sich bereits als kleines Mädchen eine kleine analoge Knipskamera wünschte und schließlich selbst von ihrem Taschengeld kaufte und heute eine hochtalentierte Fotografin ist. Doch so klar und geradlinig verlief ihre bisherige Biografie natürlich doch nicht. Schließlich wollte sie mit 10 Jahren eigentlich viel lieber Fußball-Schiedsrichterin  werden und später, wie ihr Vater, Künstlerin. Zum Beispiel als Malerin. Die Fotografie betrachtete sie doch eher mit Skepsis, denn sie verlangte zu viel technisches Know How, was die kreative Nora zunächst abschreckte. 

Aber es gibt noch viel mehr, was Nora auf ihr Leben als selbstständige Fotografin vorbereitete. So ist sie zum Beispiel schon sehr kosmopolitisch aufgewachsen. Als Schweizerin mit italienisch-britischen Wurzeln lebte sie als Kind im schönen Barcelona und in der Schweiz. Kein Wunder also, dass sie es auch heute liebt ungebunden zu sein und frei zu arbeiten. Direkt nach der Lehre zur Fotografin machte sie sich also schon sehr jung selbstständig (Hut ab!), um fortan ungebunden von Auftrag und Ort arbeiten zu können. Neben Auftragsarbeiten, hauptsächlich im Food- & Fashion-Segment, zeigt sie auch regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen ihr kreatives Können. So auch in Berlin, wo sie im letzten halben Jahr dank eines Atelierstipendiums des Kantons Schaffhausen lebte und arbeitete. In der Einzelausstellung “Zwischen Namibia und Tokyo“ in der Galerie Isabelle Gabrijel zeigte sie etwa den Split zwischen den Landschaften des ländlichen Namibia zu den architektonischen Schätzen Tokyos. Und in der Gruppenausstellung „48 Stunden Neukölln“ in der Galerie Blender & Co präsentierte sie dagegen zum Thema „satt“ alltägliche und einfache Objekte rund ums Essen und wie wir sie unbesonnen im Alltag konsumieren. Wir essen, obwohl wir nicht hungrig sind. 

Ihr merkt also, Noras Spektrum ist sehr breit. Immer auf der Suche nach dem perfekten Bild, reist sie durch die Welt, stets mit dem Finger auf dem Auslöser. Und so ist sie eigentlich trotzdem irgendwie eine Schiedsrichterin geworden, nur nicht beim Fußball, sondern in Momenten. Eben genau dann, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser drückt.

Kennengelernt haben wir Nora übrigens über Franziska, mit der sie zurzeit ein paar ziemlich coole gemeinsame Sachen plant. Mehr dazu bald hier. Nun sprechen wir aber erstmal mit der talentierten Powerfrau über ihre Leidenschaft – die Fotografie.

nora dal cero - interview

Was fasziniert dich an der Fotografie?

Die Fotografie hat im Gegensatz zu Film und Video nur den Moment. Und mit einer Momentaufnahme etwas zu transportieren, wie etwa ein Gefühl oder eine Stimmung, kann sehr reizvoll sein. Für mich ist es daher auch immer ganz spannend zu sehen, was die Leute dann bei meinen Ausstellungen in meine Bildern hinein interpretieren bzw. in ihnen sehen. Konnte ich das Grundgefühl oder die Stimmung, die ich vermitteln wollte, mit meinen Bildern transportieren? Ich habe zum Beispiel gern etwas Humorvolles in meinen Bildern und finde es dann ganz spannend, ob man das mit einem einzigen Bild auch festhalten kann, ohne etwas dazu zu schreiben. 

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

So genau kann ich das gar nicht sagen, da es auch von den Aufträgen abhängig sein kann. Es ist auf jeden Fall oft sehr farbenfroh und lebendig, aber auch sehr clean. Ich mag grafische Elemente, wie zum Beispiel Formen, die sich in Architektur oder auch bestimmten Pflanzen wiederfinden. Vielleicht kommt das noch von der Malerei.

nora dal cero - fotografie

Ja, deine Bilder zeichnet immer eine gewisse Komposition aus. Man hat das Gefühl, alles ist wohl überlegt.

Oh, vielen Dank.

Was macht für dich das perfekte Bild aus?

Das man eben nicht viel erklären oder ein Konzept dazu lesen muss. Für mich zeichnet das perfekte Bild aus, dass man es anschaut und alles gleich klar ist. 

Was möchtest du mit deiner Fotografie ausdrücken?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da ich auch viele Auftragsarbeiten mache, bei denen die Idee des Kunden transportiert werden muss. Bei den freien Arbeiten ist es schon oft der Humor und ich mag es, Dinge etwas anders zu zeigen. Nicht die typischen Klischees oder die typischen Merkmale aufzuzeigen, sondern einen anderen Blickwinkel wiederzugeben. 

Was ist dein Ansporn? Was motiviert dich?

Ganz klar mich weiterzuentwickeln. Ich schaue mir oft die älteren Arbeiten an und versuche mich zu verbessern. Schön finde ich, was ich vor allem mit diesem Berlin Aufenthalt erreicht habe. Ich bin durch neue Kontakte in eine Sparte gekommen, die mir auch privat am Herzen liegt. Mir ist Nachhaltigkeit sehr wichtig und mein Ziel ist es, irgendwann nur noch Projekte zu machen, die mir am Herzen liegen und mich auch privat interessieren. 

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Wie schaffst du es dich weiterzuentwickeln?

Das ist schon schwierig, wenn man so allein arbeitet und nicht in einer Firma mit einem Team. Meine Ausstellungen geben mir total viel. Ich erhalte dort viel Feedback und bin entsprechend nervös vorher. Man geht raus mit seinen Sachen und zeigt sich da. Dadurch wird man auch angreifbar. Man bekommt auch viele kritische Fragen, wo man sich erklären muss. Ich überlege mir oft, was ich sagen möchte und was die Leute fragen würden. Ich glaube, dass ist schon etwas, was mich mehr weiterbringt, als wenn ich nur im Atelier bin und vor mir hinwurschtel. Dann würde der Input fehlen. 

Was macht dich am meisten stolz?

Ich bin sehr stolz, dass ich in Berlin zwei Ausstellungen hatte. Das war so ein bisschen mein geheimes Ziel. Das habe ich aber natürlich keinem gesagt, weil ich dachte, wenn ich es nicht schaffe, wäre es voll peinlich. Aber ich dachte, wenn ich ein Stipendium für sechs Monate habe, wäre es total cool in der Zeit eine Ausstellung zu machen. Nun konnte ich sogar zwei machen. Eine Einzelausstellung sowie eine Gruppenausstellung. Da habe ich mich echt gefreut und ich war wirklich entspannter, als ich das hinter mich gebracht habe. 

nora dal cero - ausstellung

Bilder aus der Ausstellung © Nora dal Cero

Besonders Food & Fashion Fotografie lebt von der Inszenierung – warum darf es dabei so selten auch mal realistisch sein?

Ich finde, den Alltag hat man den ganzen Tag vor Augen und da ist es doch spannend, eine neue Welt zu kreieren. Ich mache ja keine Reportagenfotografie, die es erfordert, realistisch zu sein. Für mich ist es anspruchsvoller und auch interessanter etwas Neues zu erfinden. 

Nun haben wir noch ein paar Fragen an dich, wo wir uns wünschen, dass du diese fotografisch beantwortest – hast du Lust?

Ja klar, gute Idee. Sehr spannend. 

nora2

Was symbolisiert für dich Girlpower?© Nora Dal Cero

© Nora Dal Cero

Was macht Berlin für dich aus? Was wird dir für immer in Erinnerung bleiben?
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© Nora Dal Cero

Wovon träumst du?
nora dal cero / reisen

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© Nora Dal Cero

Was sollten wir Menschen besonders achten?
nora dal cero - tiere - natur

© Nora Dal CeroSteckbrief // Nora Dal Cero

Liebe Nora, vielen Dank für deine inspirierenden Bilder und den schönen Nachmittag/Abend mit dir. Großartig, was du mit deiner Sprache schaffst und uns eintauchen lässt in eine Welt, die wir gerne so inszeniert sehen und die uns abholt aus unserem Alltagsstress. Wir hoffen auch in Zukunft noch jede Menge tolle Bilder von dir zu sehen und wünschen dir, dass du deinen Traum vom ortsunabhängigen Arbeiten verbunden mit nachhaltigen Themen verwirklichen kannst. Danke für dein Talent!

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