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Nessi: „Mädels, mehr Kleider an und Mund weiter auf! Das ist cool.“

Nessi ist eine der neuen aufstrebenden, weiblichen Gesangstalente, die Deutschland zur Zeit zu bieten hat. Geboren im muckeligen Hamburg beschloss Nessi, alias Vanessa Schulz, direkt nach der Schule ins raue Berlin zu ziehen, um sich ihren Traum vom Leben als Musikerin zu erfüllen. Schon vor ihrem Umzug nach Berlin spielte Nessi in einer Rockband, welche sich jedoch nach wenigen Konzerten auflöste. In Berlin gründete sie mit ihrer Freundin Jadu, die wir übrigens letztes Jahr zufällig auch auf dem Lollapalooza getroffen haben, die Gruppe Set Sails bevor sie anfing an ihrer Solo-Karriere zu arbeiten.

Dies war und ist aber gar nicht so einfach, wenn man sich nicht total verbiegen will. So veröffentlichte sie erst 2012 ihre erste Debüt-EP Escapism (und dies in kompletter Eigenregie!), wodurch kurz darauf ein Verlagsdeal mit BMG Chrysalis möglich wurde. 2014 erschien ihre zweite EP Twentythreeyears und Anfang 2015 folgte nun endlich ihr Debütalbum Rolling With the Punches.  Natürlich ist der Titel nicht zufällig gewählt, sondern vielmehr Ausdruck dessen, dass ihre eigenen Rückschläge sie nur stärker gemacht haben. Und der Erfolg gab ihr Recht. Es folgten anschließend  Supportshows für u.a. Mando Diao, Take That, Babyshambles, Jessie J und Cat Power uvm.

Wir haben Nessi an einem sonnigen Nachmittag in ihrer bezaubernden kleinen Wohnung in Friedrichshain besucht und mal auf den Zahn gefühlt, wie das Leben als junge aufstrebende Künstlerin so ist. 

Not Another Woman Mag: Du hast schon einige Jahre Erfahrung mit dem Musikgeschäft und bereits mit vielen berühmten Musikern die Bühne geteilt. Jetzt wird es auch international, mit dem ersten Auftritt in UK. Wie ist es so, wenn auf einmal die eigene Musik auch den Erfolg mit sich bringt? Wenn man merkt „Oh, da sind tatsächlich Menschen, die wollen meine Musik hören“?

nessi / backstage / interview / not another womna

Im Flur treffen wir auf eine beeindruckende Backstagepass-Sammlung.

Nessi: Im Internet sieht  immer alles anders aus, als es wirklich ist. Natürlich ist es toll. Ich mache alles selber und habe ein ganz tolles Team aus Freunden um mich herum. Mein Manager ist zum Beispiel mein bester Freund und er hat die nötigen Kontakte, weil er auch schon lange in dem Business ist. Aber das Schönste ist die Interaktion mit dem Publikum, vor allem nach den Konzerten. Vergangenen Samstag habe ich beispielsweise mit James Morrison gespielt und anschließend, wie immer, noch am Merchstand gestanden. Für mich ist es das Schönste ein direktes Feedback zu bekommen. Wenn Leute zu mir kommen und sagen „Ey, du bist so sympathisch und du singst so toll. Darf ich dich umarmen?“ Und dann sage ich „Oh man, ja klar!“. Das ist doch großartig. Und natürlich fühlt man sich auch unglaublich geehrt. Doch ich sage auch immer, ich weiß, es ist das Dümmste sich auf eine Bühne zu stellen und quasi nackt zu machen. Denn ich bin eigentlich gar nicht so gern der Mittelpunkt von irgendwas. Mittlerweile hat sich sogar ein eigener Fanclub gebildet, die sich Urlaub nehmen und zu meinen Shows fahren oder die gesamte Tour mitgereist sind. Das ist ganz schön beeindruckend. Doch ich bin ein ganz normaler Mensch, ich bilde mir nichts darauf ein. Es gibt noch 100.000 Sachen, die ich besser machen kann. Und mein Fokus liegt auch darauf, besser als Künstler und Mensch zu werden. Es ist toll, so ein Feedback zu bekommen. Mir geht es aber nicht darum, dass alle mich jetzt ganz toll finden. Ich habe mich nie als Person gesehen, die irgendjemand toll finden könnte.

Ich habe mich nie als Person gesehen, die irgendjemand toll finden könnte. Klick um zu Tweeten

Steigt der Druck, wenn man die Stufen des Erfolgs immer weiter rauf klettert?

Na klar. Ich arbeite gerade an meinem zweiten Album. Man weiß, was man mit der ersten Platte geschafft hat. Aber am Ende des Tages ist es halt ein Business und dieses Romantische, was ich damals gedacht habe, von wegen man ist Musiker und schreibt sich die Seele vom Leib… Das ist natürlich noch so, aber man schaut auch, was im Radio funktioniert. Entweder wird man heute YouTube Star und zeigt, was man bei DM eingekauft hat. Oder man versucht es halt einfach. Und das mache ich! Der Druck ist natürlich da. Und es gibt Konkurrenz. In Deutschland ist es leider so, dass oft nur  Sachen gefördert werden, die es im Ausland schon gibt und das soll man für den deutschen Markt machen. Wenn du dann kommst und sagst „Ähm, das bin aber ich und das sind meine Songs. Und an die glaube ich.“ Doch das Label sagt: „Na, wir aber nicht!“ Dann ist das ganz schön frustrierend.
Aber wie schon gesagt, ist möchte mich stetig verbessern und wenn man das nicht hat, braucht man es auch gar nicht erst zu versuchen. In keinem Job, oder?!

Das stimmt! Du hast schon anklingen lassen, dass du alles selber machst und ein Netzwerk aus Freunden um dich herum hast, die dich unterstützen und helfen. Dürfen wir trotzdem nochmal nachhaken, wieviel Nessi in deiner Arbeit steckt – also in den Texten, der Musik, in den Videos etc.?  

Ich schreibe viel mit Andrew, meinem Gitarristen, zusammen. Aber eigentlich sind alle Songs meine Songs. Instrumental ist es manchmal so, dass jemand sagt: „Hey, ich habe hier eine Idee für eine Melodie.“ Aber so funktioniert es am Ende des Tages auch. Du hast Tage, wo du einfach sagst, ich schreibe jetzt fünf Songs und die funktionieren dann einfach. Und dann gibt es andere Tage. Zum Beispiel „And I Fall“, der Song auf meiner letzten Platte, diesen habe ich dreimal umgeschrieben, bevor ich den gut fand.  Ich habe dieses Jahr mit Writing Sessions angefangen. Für mich aber auch für andere. Und das ist total hilfreich. Denn Ende letzten Jahres hatte ich eine totalen Writer Block und habe kaum Songs zu Ende geschrieben. Man kann Kreativität nicht erzwingen. 

Bei den Videos sage ich, welche Idee ich habe und dann setzt man sich mit Leuten zusammen, die Ahnung haben, arbeitet ein Konzept aus und gemeinsam entscheidet man dann, wie es letztlich umgesetzt wird. Zukünftig will ich mich da aber auch genauer einarbeiten und lernen, wie was funktioniert. Bei Fotos suche ich mir generell aus, mit wem ich zusammenarbeiten möchte. Also für die Platte habe ich z. B. mit Bella Lieberberg, jetzt Bella Schwarz, zusammengearbeitet, die eine unfassbar talentierte Fotografin ist. Vor der Kamera ist es für mich schwierig, ich bin kein Model, bin auch nicht super durchtrainiert. Klar schämt man sich da auch. Da muss man sich wohlfühlen. Und bei Bella ist das so. 

Und bei Entscheidungen, welche Songs auf das Album kommen, was wird die Single usw. entscheide letztlich ich. Ich mache alles selber und habe kein großes Label im Rücken, weil ich eben entscheiden möchte und nicht das Label entscheiden lassen möchte. Natürlich setze ich mich dafür aber auch mit Andrew und Karsten, meinem Manager, zusammen und wir beraten gemeinsam, was schlau ist. Ich bin kompromissbereit und denke, dass ist auch der Schlüssel zu allem,  sich mit Leuten zusammen setzen, die Ahnung haben, aber einen selbst gut kennen.

Letztlich steht mein Name da drauf. Und das ist meine Musik und meine Texte. Klick um zu Tweeten

Das ist sehr emotional und offen eigentlich auch, aber meistens schlau verpackt. Wenn ich gewollt hätte, dass mir jemand sagt, was ich machen soll oder wie etwas sein soll, dann hätte ich einfach einen Deal bei einem großen Label unterschreiben können.

nessi / interview / not another woman

Nessis Zuhause besticht durch liebevoll arrangierte Prints und schöne Flohmarkt-Funde.

nessi / not another woman / interview

Du kommst eigentlich aus einer Band-Vergangenheit und bist jetzt solo unterwegs. Ist das ein neues Gefühl?

Nochmal zu den Entscheidungen: es ist natürlich so, das, was ich sage, gilt. Dennoch ist es sehr hilfreich, Leute um sich herum zu fragen, die davon Ahnung haben, die einen selber ganz gut kennen und man dann was Gutes zusammen macht.
Als ich angefangen habe, habe ich alle Shows alleine gespielt. Da habe ich mich echt mit einer Gitarre auf die Bühne gestellt und das ist ganz schön krass. Ich bin nach wie vor aufgeregt, wenn ich auf die Bühne gehe, aber da war das so, dass man total nackt ist. Ich würde mich auch nicht als die größte Gitarristin bezeichnen und war früher so nervös, dass ich mich auch entschuldigt habe, wenn ich mich verspielt habe. (lacht) Das mache ich heute nicht mehr so, weil es keiner merkt. Aber jetzt ist es schön, wenn man eine Band hat und nicht allein auf der Bühne steht. Ich spiele aber auch viele Shows noch im Akustik Setup mit zwei Gitarren und zwei Stimmen. Bandshows sind schön, weil man eine ganz andere Energie erzeugt. Und man ist eben nicht allein. 

Gibt es eine spannende Anekdote aus deiner Künstlerzeit, die du uns erzählen möchtest? 

Es gibt viele Sachen, die ich schon erlebt habe. Gerade wenn man mit größeren Bands auf Tour ist, können schon verrückte Sachen passieren. Mir passiert einiges. Samstag ist mir ein Glas Wein umgekippt. Dann habe ich angefangen hohe Schuhe auf der Bühne zu tragen, was sehr gefährlich ist. So bin ich beispielsweise bei der Album Release Show  fast über ein Kabel gestolpert. Oder wir waren mit Bands auf Tour, wo man das erste Mal mit Sachen konfrontiert wird, von denen man oft gehört hat, die man aber so noch nicht erlebt hat. Zum Beispiel was Rauschmittel angeht. Ich bin damit cool, ich bin nicht prüde. Ich würde sowas aber jetzt nicht machen.  Eigentlich ist alles verrückt. Wenn man mit Take That auf Tour geht und vor 15.000 Menschen spielt, ist das verrückt. Oder letztes Jahr haben wir eine Show mit One Republic gespielt, da habe ich fast geheult vor der Show, weil ich so aufgeregt war. Da waren so 12.000 oder 13.000 Zuschauer. Ich eröffne viele Shows alleine. Ich gehe allein mit der Gitarre raus und spiele dann den ersten Song ganz alleine. Da wünsche ich mir schon, dass doch jemand kommt.  

Und wie gehst du mit solchen Selbstzweifeln um?

Ich glaube, dass jeder, der in irgendeiner Form etwas Kreatives macht, irgendwie depressiv ist oder durch eine  solche Phase gegangen ist. Ich bin da ganz offen. Ich habe deshalb eine Therapie begonnen, weil ich so depressiv war, dass gar nichts mehr ging. Gerade, wenn man solche Selbstzweifel hat, lässt man sich von allem herunterzuziehen. Aber man sollte sich da nicht zu lange aufhalten. Ich bereue nichts, ich habe jetzt die Chance es besser zu machen. Es ist vollkommen ok, mal eine depressive Phase zu haben. Man muss aber auch mit Leuten reden. Das hilft auf jeden Fall. Und Dinge für sich machen, denn das vergisst man häufig auch. Letztens habe ich die ganze Wohnung geputzt und mir danach eine Gesichtsmaske  gemacht und Blumen gekauft. Man muss sich Zeit für sich nehmen, so dass man auch mal reflektieren kann und sich selber etwas mehr Zeit gibt.
Aber Selbstzweifel na klar. Am Ende des Tages stehe ich auf der Bühne und erzähle eine Geschichte und da wird man angreifbar. Und wir haben das Internet. Leute finden dich nicht immer toll. Die sagen dir das auch und damit muss man erstmal umgehen können. Mir ist das mittlerweile egal, aber früher haben mich sehr viel mehr Dinge beschäftigt als heute. Das ist ein Prozess. Heute kann ich sagen, ich mache es jetzt besser.

nessi / not another woman / interview

Dein letztes Album hieß ja auch „Rolling with the Punches“ (Anmerkung: Die Dinge so nehmen, wie sie kommen.) Wenn wir dein bisheriges Leben kurz Revue passieren lassen: Du hast in deiner Teenagerzeit angefangen Musik zu machen, dann war der Entschluss da, dass du jetzt professionell Musik machen willst und trotzdem hast du die Ausbildung zur Fremdsprachenassistentin gemacht, um etwas  Solides in der Tasche zu haben, falls es nicht klappt. Sicherlich gab es Zweifel. Was hat dir die Kraft gegeben es trotzdem zu versuchen?

Meine Eltern waren immer unglaublich supportive und waren und sind immer super stolz. Sie freuen sich, wenn was dabei herumkommt. Aber auch heute ist es so, dass ich immer noch nebenbei arbeiten muss. Es ist nicht so, dass ich den ganzen Tag zu Hause sitze und Suppe koche. Sondern ich arbeite ganz normal Teilzeit, denn ich muss meine Miete bezahlen. Das ist natürlich eine doppelte Belastung, wenn du gleichzeitig Verantwortung gegenüber deinem Arbeitgeber hast, aber von dir erwartet wird, dass du unglaublich kreativ bist. Das ist ein Punkt, der mich unglaublich fertig gemacht hat. Da ist einfach der Trick, dass man sich besser organisiert und gute Leute um sich herum hat. Ich muss sagen, dass ich letztes Jahr eine ganz schlimme Trennung durchgemacht habe. Und auch mit einer sehr engen Freundin quasi Schluss gemacht habe. Wir verstehen uns zwar nach wie vor gut, aber es ist nicht mehr wie vorher. Und letztlich bin ich jetzt auch ganz froh, dass alles so gekommen ist, weil ich  gerade so tolle Leute um mich herum habe, von denen ich nie gedacht hätte, dass diese für mich da sind. Und dass man mit denen auch über Dinge reden kann, die auch einfach mal unangenehm sind. Das hätte ich vor einem Jahr beispielsweise nicht gedacht. Früher habe ich total viel darauf gegeben, wer was wie über mich gesagt hat. Wir sind alle mal durch diesen Weg gegangen und letztlich bin ich auch nur ein Mädchen. Aber mein Manager hat in einem Gespräch darüber etwas ganz Wichtiges gesagt: „So lange dir die Person es nicht ins Gesicht sagt, kannst du auch gar nicht wissen, ob es stimmt oder nicht. Also verschwende deine Energie nicht dafür.“ Und damit hat er total recht. 

Früher habe ich total viel darauf gegeben, wer was wie über mich gesagt hat. Klick um zu Tweeten

nessi / not another woman / interview

Und wie sehr nervt dich der Jessie J Vergleich?

Netter Vergleich. Und bevor ich etwas Böses sage, sage ich lieber gar nichts. Nein, im Ernst. Super Künstlerin und tolles Gefühl mit ihr verglichen zu werden. Aber mich als deutsche Jessie J zu bezeichnen? Ganz ehrlich. Ich kannte sie nicht, als ich mir diese Frisur geschnitten habe. Also nettes Kompliment, dass ich gerne annehme. Aber ich sehe mich jetzt nicht als deutsche Version von ihr.

nessi / interview / not another woman / vegan

Nessi lebt schon seit mehreren Jahren vegan. Das kleine Küken am Kühlschrank hat es uns verraten.

Dein zweites Album ist in der Mache. Was sind die Themen? 

Ich habe heute morgen einen tollen Podcast gehört und da hat jemand etwas gesagt, was ich eigentlich immer denke. Nämlich dass kreative Menschen in Phasen, in denen es ihnen schlechter geht, einfach besser schreiben, als wenn sie glücklicher sind. Ich weiß nicht, ob dies wissenschaftlich bewiesen ist. Wäre aber mal spannend herauszufinden. Ich nehme mir für meine Alben kein bestimmtes Thema vor. Ich verarbeite das, was ich gerade so erlebe. Es wird jedenfalls nicht so elektronisch wie das erste Album. Weil ich einfach gemerkt habe, dass es total schön ist mit einem Band Setup zu spielen, was eben sehr organisch ist.  Vielleicht gibt es sogar glücklichere Songs. Aber das kommt eben drauf an, was am Ende ausgewählt wird. Jetzt heißt es erstmal schreiben, schreiben, schreiben.

Spannend, dass du in diese Richtung gehen willst, denn eigentlich ist es genau das Gegenteil zudem, was andere Künstlerinnen zur Zeit machen. Und damit vor allem sehr erfolgreich sind. 

Ich wollte schon immer Popmusik machen. Das wusste ich auch schon, als ich angefangen habe Musik zu machen. Aber man muss sich auch ausprobieren. Ich habe erst eine Akustikplatte gemacht, dann sind ein paar elektronische Elemente hereingekommen und dann war das erste Album schon sehr Pop und sehr elektronisch. Und jetzt, wo wir die Akustikplatte gemacht haben, war es mir wichtig noch mal was zu produzieren, was dazwischen ist. Klar ist es einfach einen Sound zu kopieren. Es gibt eine deutsche Künstlerin, deren Sound genauso klingt wie der einer anderen international erfolgreichen Künstlerin. Was toll ist, weil es funktioniert. Aber was ist das Originelle daran? Was macht es unique? Für mich ist das am Ende einfach ein Produkt, aber keine Künstlerin, weil sie sich genauso anhört wie das englische Original. Für mich ist Musik mehr als das. Ich achte sehr viel mehr auf Texte und Arrangements. Und da schaut man, wie man es für einen selbst besser umsetzen kann. Ich habe für mich entschieden, wieder mehr Gitarre zu spielen. Und wieder intimer zu werden, so dass es nicht nur für den Zuschauer schön ist, sondern auch für mich. Ich mag das emotionale Ausbrechen auf der Bühne und das ist mein Ansporn. Musik ist dazu da, erlebt zu werden.

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Du hast vor fünf Monaten ganz groß verkündet, dass du jetzt ins Social Media Game einsteigen möchtest. Das fanden wir sehr süß! Mittlerweile hast du auch Snapchat, richtig? Jetzt hast du aber schon gesagt, dass es doch nicht das Richtige für dich ist. Dennoch bespielst du alle Kanäle sehr gut. Gibt es eine Plattform, die dir besonders gefällt und wo dich am wohlsten fühlst, wo du auch du selbst sein kannst? 

Ich glaube, das ist Instagram. Ich mache gerne Fotos und ich finde es persönlich auch sehr interessant, was andere so posten, die ich gut finde. Denen zu folgen und zu sehen, was machen die eigentlich so. Manchmal auch was essen die so, was für Sport machen sie, was für Platten hören sie. Das finde ich interessant. Und Facebook mag ich auch. YouTube? Da mache ich nur ab und an mal was. Was sich zukünftig aber auch ändern wird. Aber Instagram mag ich am liebsten. 

Hier findet ihr Nessi im World Wide Web:
FACEBOOK
INSTAGRAM
SNAPCHAT: twentythreeyrs

nessi / interview / notanotherwoman

Die nächste Frage ist vielleicht etwas gemein: Wofür schlägt dein Herz stärker – Hamburg oder Berlin?

Für mich ist das gar nicht so schwer. Für mich ist es Berlin. Aber ganz ehrlich, wenn meine Sachen woanders wären, wäre es mir auch egal. Ich liebe Berlin, meine Freunde wohnen hier. Und ich liebe auch Hamburg. Aber da hält mich nichts. Meine Eltern kann ich besuchen, was ich auch oft mache. Und hier in Berlin sind meine Freunde in Laufnähe. Ich muss ehrlich sagen, ich bin eine, die ihren Kiez nicht allzu oft verlässt. Ich habe hier alles. Aber ich könnte jetzt auch woanders hinziehen. Nur wüsste ich gerade nicht, welche andere deutsche Stadt mir noch gefallen könnte. Ich mag schon die Anonymität, die eine Großstadt hat. Aber gleichzeitig habe ich hier auch meinen Späti-Mann, dem ich meine Schlüssel geben kann und meine Mutter dort abholt, wenn sie zu Besuch kommt. Das ist schon cool. In Berlin hat man schon sein kleines Dorf in seinem Kiez.

Du sagst von dir selbst, dass du eigentlich sehr langweilig bist, weil du gerne zu Hause bist, Filme guckst und Brettspiele spielst. 

Mit langweilig meine ich eigentlich vielmehr, dass ich nicht die größte Partygängerin bin. Das ist mir einfach zu anstrengend. Mal ist ok. Das ist auch lustig. Aber ich verbringe lieber Zeit mit meinen Freunden und wir trinken ein gutes Glas Wein und spielen Scrabble oder Uno. Oder wir gehen auch gern mal in eine Bar. Wir verbringen eine gute Zeit zusammen. Quality Time. Ich lese auch gern mal ein gutes Buch, gucke einen Film oder höre mir alleine zehn Platten an. Ich habe unter der Woche eine Routine, die ich gerne einhalte. Ich gehe im Moment ganz früh ins Bett. Meine Freunde sind auch ganz verwirrt. Aber ich stehe dafür auch schon um 7 Uhr auf und gehe zum Sport. Und das ist toll. Ich kriege morgens total viele Sachen gebacken und da freu ich mich. Yeah schon so viel geschafft.

Was wünschst du dir für die Frauen dieser Welt?

Ich würde mir wünschen, dass die Frauen, die die Möglichkeit haben ein großes Publikum oder eine große Zielgruppe zu erreichen, dass die sich bitte alle mehr anziehen sollen. Das es nicht mehr darum geht, wer gerade Sport macht und warum und wieso gerade wie toll aussieht. Ich mache auch Sport und es ist natürlich mein Ziel, dass ich toll aussehe. Aber gerade auf Instagram, meiner Lieblingsplattform, sieht man häufiger, dass Frauen für nichts total viele Follower haben. Und das finde ich schade.

Wenn ihr so viele Follower habt, macht doch was Gutes damit! Klick um zu Tweeten

Klar finde ich es ästhetisch und freizügige Bilder auch total toll. Aber wenn jemand nur so Bilder postet und nichts dahinter ist, dann denke ich mir: Boah Leute! Es gibt so viele Sachen, für die Frauen aufstehen müssen und dies auch sollten. Eine meiner besten Freundinnen studiert Medizin an der NYU in New York und die setzt sich gerade total dafür ein, dass es mehr Frauen in diesen Positionen gibt. Da frage ich mich, warum hat sie nicht so viele Follower bei Instagram? Natürlich freuen wir uns alle, wenn wir schöne Frauen, Männer und schöne Bilder sehen. Aber gerade als Frau sollte man sich nicht darauf reduzieren. Aber never say never. Vielleicht poste ich auch mal ein Bild, auf dem ich halbnackt abgebildet bin. Aber im Moment habe ich was anderes zu sagen. Ich bekomme viele Nachrichten, gerade zum Thema „Rolling with the Punches“. Ich sage oft auf der Bühne, wenn es euch mal schlecht geht, dann ist das so. Gerade das Thema Depressionen hat noch solch ein Stigma, dass es was Schlimmes ist. Doch am Ende des Tages, wenn du dir den Knöchel verstauchst, gehst du doch auch zum Arzt. Ich finde es schade, dass Frauen, die die Möglichkeit haben ein großes Publikum anzusprechen, das nicht nutzen um Aufmerksamkeit für eine wichtige Sache zu generieren. Also Mädels, mehr Kleider an und Mund weiter auf! Das ist cool. Das würde ich mir wünschen.

not another woman / nessi / interview

Vielen Dank, liebe Nessi, für diese tollen, abschließenden Worte. Egal, ob nackig oder angezogen, Mund aufmachen ist gerade in jeglicher Hinsicht angebracht! Wir freuen uns dich bald mal auf einem Konzert zu besuchen und sind sehr gespannt, wo deine Reise hingeht.

NAWM Steckbrief // Nessi