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Macht euch bereit – Trust The Girls ist da!

Lang erwartet und mitgefiebert ging vergangenen Freitag die Community-Plattform Trust The Girls online.

Bitte, was?

Ja, Girlpower ist in aller Munde. Das merkt ihr selbst. Ob im Netz oder auf den Klamotten – überall finden sich derzeit Mädchen und Frauen bestärkende Begriffe wie Girlpower, Girlboss, Girlgang, I am a Feminist usw. und deren entsprechenden Hashtags. Doch wie viel Ernsthaftigkeit steckt wirklich dahinter? 

Melanie-Jasmin Jeske, vielen in der Blogo- und Social-Media-Sphäre als Melodie Michelberger bekannt, ist das zu wenig. Daher hat sie gemeinsam mit Eva Dietrich, Teresa Köster und Manuel Bucht ihrem vor vielen Jahren eingeführten Hashtag #trustthegirls noch mehr Leben eingehaucht, um genau dort anzusetzen und die Diskussionen weiter voranzubringen:

TRUST THE GIRLS ist ein Ort, an dem man zusammenkommt, sich informiert, austauscht, unterhalten wird und gleichzeitig auch unterstützt. TRUST THE GIRLS ist eine Meinungsplattform für feministische Themen, Gender Diversity, Empowerment und ganz schlicht: Liebe. (…) TRUST THE GIRLS ist mehr als plakative #girlpower: Wir wollen unterschiedlichen Frauen eine Stimme geben, ihre Geschichten erzählen, von ihren Sorgen und Möglichkeiten, diese zu überwinden. Wir wollen Mut machen, ausgleichen, fürsprechen, Kontra geben, inspirieren, zusammenbringen und vor allem Gedanken verknüpfen. 

Klar, dass wir das mega gut finden! Noch besser finden wir allerdings, dass im Zuge des Launches der Online-Plattform auch eine gleichnamige Talkreihe initiiert wurde. Zum Trust The Girls Talk N° 1 diskutierten vergangenen Donnerstag im Hamburger Island Anna Schunck (Moderation), Teresa Bücker (Journalistin / Chefin vom Dienst EDITION F), Dr. Hanna Klimpe (Autorin / Wissenschaftlerin), Kübra Gümüsay (Journalistin, Aktivistin), Caren Miesenberger (Freie Journalistin) und Melodie Michelberger eben genau zu diesem Thema: 

>> Zwischen Girlpower und politischen Inhalten – wie Feminismus heute funktionieren kann <<

Trust The Girls Talk No. 1

Wenige Minuten vor dem Talk schnappten wir uns Melodie und stellten ihr noch ein paar Fragen: 

Warum brauchen wir eine Plattform wie Trust The Girls?

Uns fehlt auf ganz vielen Plattformen der Austausch und das Zusammentreffen verschiedener Meinungen zum Thema Feminismus. Wir möchten daher mit Trust The Girls eine Plattform bieten, auf der Menschen ihre Gedanken und Ideen loswerden können. Wir sehen uns also mehr als Community Redaktion und freuen uns auf zahlreiche Contributors, Texte, Fotografien, Illustrationen usw., denen wir auf trustthegirls.org Raum geben können. Es soll einen Gedankenplattform zum Austausch werden. Wir finden einfach, dass so etwas noch fehlt.   

Was macht dich zur Feministin?

Ich finde, wenn man eine Frau ist, ist es ganz natürlich, dass man Feministin ist. Ich kann mir gar nicht vorstellen keine zu sein. Mir ist es total wichtig, dass wir verschiedene sozial-kulturelle Angleichungen schaffen. Vielleicht sogar in diesem Jahrhundert noch. 

Was ärgert dich im Diskurs zum Thema Feminismus?

Mich ärgert sehr viel. Mich ärgert zum Beispiel, dass es in Deutschland tatsächlich sehr schwierig ist, über dieses Thema zu sprechen. Allein das Wort Feminismus ist schon sehr negativ behaftet. In dem Moment, wenn man sagt, man ist Feministin, kommt von allen möglichen Seiten – nicht nur von Männern, aber häufiger von Männern als von Frauen: Ach, echt? Biste jetzt’ ne Lesbe? Schnell wird das zu einem „unsexy“ Thema und keines, worüber sich die Menschen in Deutschland gerne unterhalten. Das ärgert mich, weil so gar kein Gespräch, geschweige denn eine Diskussion möglich ist. Weil die Leute sofort so eine vorgefertigte Meinung haben, wie man so als Feministin sei und dann eigentlich schon kein Bock mehr darauf haben mit einem zu sprechen. Das merke ich wirklich. Das Thema polarisiert sehr. Oft leider allzu oft ins Negative.  

Und gibt es auch Erfreulicheres zu berichten?

Ja, unbedingt! Insbesondere was gerade passiert, ist total spannend und eine super Chance. Diese Art Feminismus light, Pop Feminismus – das hat ja zurzeit viele verschiedene Namen, Feel Good Feminismus finde ich da noch am besten (lacht) – trägt sich mit einer Leichtigkeit in die Gesellschaft und macht es für viele damit greifbarer. Und in dem Moment, wo das Wort Feminismus auf T-Shirts oder Girlpower Patches überall getragen wird, macht es was mit den Leuten. Es lädt zur Diskussion ein. Manchmal auch nicht. Das finde ich aber auch überhaupt nicht schlimm. Aber es ist eine wahre Chance. Man kann es als ein echtes Werkzeug benutzen um mit den ganzen Aufträgen, die der Feminismus mit sich bringt, die Bewegung weiter zu bringen. Sehr spannend. 

Ist Girlpower Trend?

Auf jeden Fall ist es Trend. Ich finde, es ist das Buzzword des Moments. Das Wichtigste ist aber, dass man in diese Diskussion auch Inhalte mit reinbringt. Dass es weiter geht und nicht nur ein Trend bzw. ein Buzzword bleibt. Dass es für die Leute greifbar ist. Nicht, dass es ein Trend ist, der in einem halben Jahr weg ist und was anderes kommt. Das wäre sehr schade für die Bewegung. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es passiert, weil es ja immer weitergeht. Vielleicht kaufen sich die Leute erst ein Patch und interessieren sich erst dadurch dann für Feminismus. Daraus kann ein neues Engagement oder Interesse entstehen, was wiederum neue Diskussionen aufbrechen kann. Und darum geht es ja auch. Das man eben in der Diskussion bleibt. Doch leider fehlt das noch sehr oft. 

Impressionen // Trust The Girls Talk No. 1

Das Island platzte an diesem Abend aus allen Nähten, so dass viele dem Talk auch von der Straße aus lauschen mussten. So unsexy kann Feminismus also gar nicht sein. Oder? Bei den Talkgästen bestand jedenfalls Einigkeit darüber, dass die aktuelle #girlpower-Bewegung dem oft zu unrecht verschmähten Feminismus – wie Melodie auch im Interview schon feststellte – sehr dienlich sei, da sie vor allem Diskussionen in Gang setzen könne, was zu neuen Ideen und Gedanken führe. Zumindest könne der Feminismus ein attraktiveres Image bekommen. Doch wie Caren Miesenberger ganz richtig feststellte, sollten dann schon auch alle davon profitieren. So kann es beispielsweise nicht sein, dass der Fast-Fashion-Riese H&M bezaubernde Girlpower-Shirts produzieren lasse, aber die Menschen, die diese wirklich unter fragwürdigen Bedingungen herstellen, nach wie vor leiden müssen.

Die letzte halben Stunde des Talks war den Fragen des Publikums gewidmet und man merkte, dass es ordentlich Redebedürfnisse zu ganz verschiedenen Themen gab (z.B. Ob der Feminismus die Männer auch braucht? Na klar, aber nur die, die auch wollen – keiner soll gezwungen werden. -> O-Ton Teresa Bücker) Außerdem war festzustellen, dass sich viele im Publikum schon sehr intensiv mit Feminismus auseinandersetzen, da schon sehr fachliche, beinahe wissenschaftliche Fragen gestellt wurden. Demgegenüber wurde jedoch auch der Wunsch nach weniger wissenschaftlichen Diskussionen laut. Schön wäre es, wenn es mehr Populärliteratur, -filme, -kunst, -theaterstücke etc. gäbe. Denn genau darin bestünde ja auch die Chance, Feminismus besser zu begreifen. Worum geht es denn genau? Jemand aus dem Publikum hatte hierfür die beste Antwort des Abend: Es gibt einen schönen Begriff und Hashtag dafür, wie sie Feminismus verstehe. Dieser lautet #sisterhood. Sisterhood stehe exemplarisch dafür, dass man alle Frauen und Mädchen ebenso behandelt wie die eigene Schwester. Gleichberechtigt. Bestärkend. Liebend.

Und genau darin besteht auch das Potenzial von Trust The Girls – hier ist alles erlaubt und auch alles gewünscht, was den Feminismus im Diskurs voranbringt. Egal ob wissenschaftliches Essay, eine inspirierende Illustration oder eben die hippen Free the Nipple Patches von Coucou Suzette.

Also lasst eure Gedanken freien Lauf, haut in die Tasten, malt, musiziert, denkt und initiiert und dann ab damit an hello@trustthegirls.org. Tatsächliche #girlpower braucht das Land!

Photocredits: Michi Schunk, Instagram von Melodie Michelberger, Jana Braumüller