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Lola Marella Ritter: „Meine Zeichnungen lösen vielleicht keine Probleme, regen aber zum Denken an.“

Titelfoto: © Lea Bräuer

Müsste man Lola Marella in einer Farbe beschreiben, wäre das bunt. Lola lässt sich nicht in Schubladen stecken. Weder in die rote, noch in die grüne. Aus jedem Farbspektrum darf gerne etwas in ihrem Leben sein. Kein Wunder also, dass ihre Illustrationen nur so vor Ideenreichtum sprudeln. Hier ein kleiner Hinweis auf Umweltschutz, da ein Zeichen, dass Liebe geschlechterunabhängig ist. Lola ist vielseitig und das zeigt sie auch. Es überrascht nicht, dass sie in ihren jungen Jahren schon um die halbe Welt gereist ist, um an sich und ihrer Kunst zu arbeiten. Ganz egal ob in Bali, New York oder Australien, die 24-Jährige sprüht vor Lebensenergie und ihr Einfallsreichtum steckt an. Wenn Lola Marella mal nicht über den Flohmarkt schlendert oder auf ihrer Ukulele klimpert, findet man sie ganz sicher irgendwo mit Stift und Papier und wir sind sehr froh, dass aus der kindlich erträumten Gesangskarriere nichts wurde und sie uns jetzt mit ihren Illustrationen beglückt. 

In deinen Illustrationen verarbeitest du ganz spielerisch gesellschaftliche Themen, die oftmals so viel schwerer zu wiegen scheinen als du sie verpackst. Wie schaffst du es solch einen, fast kindlichen, Ansatz dafür zu finden?

Ich denke einfach nicht lange drüber nach, sondern zeichne, was mir grade auf dem Herzen liegt. Dass die Themen natürlich viel umfangreicher sind als meine kleine Zeichnung, ist mir bewusst und auch, dass ich damit keine Probleme lösen kann. Manchmal beschäftigt mich ein Thema aber sehr und dann lasse ich es irgendwie zeichnerisch raus, ohne viel zu planen oder vorzubereiten. Ich glaube, die Einfachheit, die dadurch entsteht, macht es für den betrachtenden Menschen zugänglich. Und wenn ich damit einen Gedankengang anstoßen kann, dann hat selbst die simpelste Illustration schon etwas bewirkt!

Deine Biografie verrät, dass du bereits mit 5 Jahren Stifte für dich entdeckt hast. Wann wusstest du, dass diese Berufung auch zu deinem Beruf wird? 

Dass es mein Beruf wird, wusste ich echt spät. Ich habe mich immer viel kreativ ausgedrückt, was wohl auch daran lag, dass mein Vater selbst Künstler und Grafiker ist und ich Zugang zu seinen Materialien hatte. Trotzdem habe ich nie darüber nachgedacht das auch beruflich zu machen, da ich generell nicht so weit in die Zukunft gedacht habe. Als sich meine Schulzeit dann dem Ende näherte und ich der Frage nach der Studienwahl nicht mehr ausweichen konnte, hatte ich ein Gespräch mit meinem Vater, in dem er mir offenbarte, was er für ein Talent in mir sehe. Davon wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt nichts. Ich habe mal mit 13 auf einem langweiligen Flug nach Kroatien angefangen meinen neben mir schlafenden Vater zu porträtieren. An diesen Zeichnungen hat er wohl eine Begabung erkannt, die er sich selbst in meinem Alter erst hatte erarbeiten müssen. Das war ein ziemlich krasses Kompliment, welches sehr unerwartet kam, mich aber ganz schön motiviert hat. Seit diesem Zeitpunkt hat mich mein Vater auch künstlerisch sehr gefördert: Ausstattung, Mappenberatung und Zeichenreisen um die halbe Welt. Ein Jahr später war ich dann Kommunikationsdesign-Studentin und bin seitdem fleißig am Schaffen. 

„Have a bad day day“ – Warum dürfen wir auch mal schlechte Tage haben?

Weil es ganz normal ist, sich mal schlecht zu fühlen. Besonders, wenn man online unterwegs ist, sieht man nur die positiven Momente aus dem Leben anderer. Das kann einen noch schlechter fühlen lassen. Man fühlt sich schlecht, dass man sich schlecht fühlt. Dabei ist es ganz normal, man kann doch gar nicht die ganze Zeit gut drauf sein. Deswegen finde ich diesen Spruch gut: “It’s OK not to be OK”. Es geht wirklich jedem Menschen mal so und man kann sich der schlechten Laune auch einfach mal hingeben. Danach kann man Zeiten des Fröhlichseins wieder mehr wertschätzen!

Mehr Komplimente – Wie schaffen wir es ganz leicht Komplimente in unseren Alltag einzubauen?

Mir fällt ganz oft auf, dass ich etwas Positives über jemanden denke, aber mich dann nicht traue es auszusprechen. Meiner Erfahrung nach werde ich in Deutschland sehr selten mal einfach so angesprochen oder bekomme ein Kompliment. Bei vergangenen Auslandsaufenthalten, wie zum Beispiel in Australien oder kürzlich in New York habe ich die nettesten Komplimente auf der Straße erhalten. Die waren dann meist auf Äußerlichkeiten bezogen, da man auf den schnellen Blick natürlich nicht so viel von jemandes Persönlichkeit mitbekommt. Aber auch, wenn ich zeichnend irgendwo saß, kamen Leute auf mich zu und waren interessiert an meiner Arbeit. Das hat sich auch auf mein eigenes Verhalten ausgewirkt. Ich glaube, wenn man einfach bewusster darüber nachdenkt, was man an jemandem mag und es auch ausspricht, inspiriert das die nächste Person mehr Raum für positive Gedanken zu haben. Und ich denke, dass man an jeder Person etwas Nettes, Schönes oder Bewundernswertes feststellen kann und sich diese Person sicher freut dies mitgeteilt zu bekommen.

Riot don’t diet – Für was stehst du auf?

Für soziale Ungleichheiten und strukturelle Benachteiligungen von Minderheiten. Das sind Themen, bei denen ich manchmal innerlich richtig sauer werde und mich dann frage, was ich tun kann. Und so richtig tue ich dann nichts, weil ich gar nicht weiß wie überhaupt. Ich versuche solche Gedanken auf meine Weise zu bearbeiten, zum Beispiel zeichnerisch. Deswegen habe ich zusammen mit meiner Schwester unser kleines Label gegründet: Lola Marella Goodies. So versuchen wir, Themen, die uns beschäftigen kreativ anderen Menschen mitzuteilen, wie zum Beispiel mit dem Riot Don’t Diet Shirt. 

Wer oder was ist deine Inspirationsquelle? 

Es gibt einige Künstler*innen und Designer*innen, die mich sehr inspirieren. Ich bin ein großer Fan von der Fertigkeit und Farbwahrnehmung David Hockneys, finde aber auch ständige Inspiration in den Arbeiten von Louise Bourgeoise, Saul Steinberg, David Shrigley, Milton Glaser, Paula Scher, Tal R und so vielen mehr. Ansonsten schöpfe ich viel Inspiration aus zufälligen Entdeckungen in Museen und auf Ausstellungen, in Büchern und Magazinen aber auch online. Bei Instagram habe ich wahnsinnig viele talentierte Künstler*innen entdeckt. Da kann es sogar passieren, dass ein leichter Unmut gegenüber meinen eigenen Arbeiten wächst. Von wegen: wofür mache ich das überhaupt, wenn es schon tausende Leute gibt, die viel besser sind. Das Wichtige ist, dieses Gefühl in eine Motivation umzuwandeln und damit neue Dinge zu schaffen, auf die ich stolz bin. 

Was wünscht du dir für Frauen heute?

Ich wünsche mir, dass wir uns weniger miteinander vergleichen und daraus schlechte Konsequenzen für uns selber ziehen. Anstatt sich von Freude, Erfolg, Glück der anderen herunter machen zu lassen, sollten wir diese annehmen und gutheißen. Und uns motiviert fühlen, an der eigenen Situation etwas zu ändern, falls wir unzufrieden sind. Das ist etwas, womit ich selber manchmal zu kämpfen habe. Aber nichts bessert sich für mich, wenn ich jemand anderem etwas nicht gönne. Es schafft nur mehr negative Gedanken in mir.

Liebe Lola, vielen Dank für den spannenden Einblick in deine Arbeit. Wenn wir nicht mal gerade wieder total verliebt auf deine Illustrationen schauen, kannst du uns gerne als Personal Second Hand Shopping Begleitung zur Seite stehen. 🙅🏼

Wer jetzt auch ganz viel Lust auf Lola Marella Illustration hat, kann sich entweder bei den beiden Schwestern im Online-Shop umsehen oder uns hier in den Kommentaren, auf Facebook oder Instagram verraten auf welchen Tag er/sie sich am meisten in 2018 freut. 
Unter allen Antworten verlosen wir 2×1 Lola Marella 2018 Kalender. Das Gewinnspiel läuft bis zum 19.12.2017 24 Uhr. Viel Glück!

*Die Teilnahmebedingungen findest du hier.

Fotos: Titelfoto: © Lea Bräuer; Andere:  privat

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