928 Views |  Like

Lauter! Lauter!

Heute ist der 8. März, der Internationale Frauen*kampftag. Seit über 100 Jahren gehen Frauen* an diesem Tag auf die Straße. Weil sie Gleichberechtigung fordern. Stattdessen bekamen sie am 8. März, wenn ich mich beispielsweise an meine Kindheit erinnere, Blumen. Rote Nelken genauer gesagt. Zumeist männliche Führungskräfte (hieß damals nicht so^^) zeichneten damit die Kolleginnen für ihre Verdienste aus. Ich schenkte sie als übliche, sozialistische Geste meiner Grundschullehrerin, die sich auch unheimlich darüber freute.

Eine schöne Wertschätzung klar, aber in die Chefetagen und Vorstände zogen weiterhin die Männer*. Und desto älter ich werde, umso politischer werde ich. Heute kann ich es nicht mehr verstehen, warum der Frauentag ein Tag zum Feiern sein sollte. Er heißt ja nicht umsonst Frauen*kampftag. Hat sich denn in den letzten Jahren in Sachen Gleichberechtigung etwas getan? 

Nunja, werden viele von euch sagen, wir dürfen schließlich seit genau 100 Jahren wählen. Stimmt! Seit 1918 gibt es das Frauenwahlrecht, das für uns Frauen* vielmehr bedeutet als nur, dass man uns zutraut ein Kreuz am Wahltag zu machen. Dieses Wahlrecht macht uns zu mündigen Menschen, die eigenständige, politische Entscheidungen treffen können. Es befähigt uns, auch für unsere Rechte zu kämpfen. Und natürlich müssen wir auch 2018 noch für unsere Rechte kämpfen! Denn haben wir wirklich eine Wahl?

Schauen wir uns doch ein paar Aspekte genauer an:

Gehört mein Bauch wirklich mir?

Der Prozess gegen die Gießener Ärztin Kristina Hänel hat es klar gezeigt – nein, wir haben keine Wahl und nein, mein Bauch gehört nicht mir, denn Entscheidungen über ihn werden von anderen Menschen getroffen. Denn Schwangere, die ihre Schwangerschaft abbrechen wollen, sind mit einer Rechtslage (§218 & §219) konfrontiert, die nicht eine angemessene und vertrauensvolle Betreuung verhindert, sondern sie auch zu Straftäterinnen macht. Zudem verhindert Der §219a StGB unbestreitbar, dass Ärzt*innen ihre Patient*innen angemessen mit Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen versorgen können. Unverständlich finde ich das. Und dagegen werde ich heute protestieren. 

Armut ist weiblich!

Wir Frauen* arbeiten oft in Teilzeit und Berufen, die schlecht bezahlt werden. Wir leisten unbestritten mehr unbezahlte Haus- und Fürsorgearbeit. Und haben keine Wahl! Ja richtig, so lange wir nicht gleich viel verdienen, wird das Private auch politisch. Wir Frauen* werden durch sozialpolitische Instrumente wie das Ehegattensplitting, ungenügend Kitaplätze, unflexible Arbeitgeber in die finanzielle Abhängigkeit von einem zumeist „männlichen Ernährer“ gedrängt. Die Folge: das Risiko, dass wir in Altersarmut geraten, ist riesengroß. Ich kämpfe für eine Welt, in der alle Menschen ein gutes Leben haben. In der es kein Armutsrisiko darstellt, Kinder zu haben. Ich kämpfe dagegen, dass wir Frauen* klein gemacht werden und zurückstecken müssen. Ich möchte, dass wir die Wahl haben ein selbstbestimmtes Leben zu führen und nicht für unsere Leistung und Verzicht der Familie zuliebe jetzt und im Alter in Armut leben müssen!

Eliminate Girlhate!

Das bringt mich zum nächsten Punkt. Noch immer ist in unserer Gesellschaft eine mädchen- und frauenverachtende Sprache festverankert. „Du wirfst wie ein Mädchen!“, „Klar, eine Frau am Steuer!“, „Pink ist eine Scheißfarbe. Die tragen nur Mädchen!“, „Frauen verstehen nichts von Mathe und Physik.“ und und und. Lasst mich eines dazu sagen: Worte schaffen Gedanken. Und wenn meine Tochter diese Worte hören muss, macht mich das wütend. Weil sie sie nicht nur degradrieren, entmündigen und demotivieren, sie schaffen es, dass meine Tochter sich auch dementsprechend fühlt. Und das braucht kein Mensch. Weder Mann* noch Frau*, Junge* oder Mädchen*. Wir sind alle gleich.

Es gibt noch so viel mehr Punkte, die mich wütend machen: die zahlreichen sexistischen Diskriminierungen, die Pille, Body Shaming, die Relativierung sexualisierter Gewalt, Kriege und die fehlende Solidarität mit Frauen weltweit, die durch widrigre Mittel unterdrückt und ausgebeutet werden.  

Und was macht euch wütend?
Was bedeutet euch dieser 8. März, der Tag der Frauen*?
Ist das auch ein Kampftag für euch?

Ich würde mir wünschen, dass wir Frauen* lauter werden. Noch viel, viel lauter. Ich möchte, dass wir gehört werden. Seid lauter, damit wir wirklich eine Wahl haben! 

Wo ihr heute u.a. laut werden könnt, erfahrt ihr hier.