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Kolumne ♡ What happens on holiday, stays on holiday.

Im Sommer verbrachte ich einige Wochen in Thailand. Entgegen meiner Vorhersagen verknallte ich mich nicht am letzten Abend, sondern tatsächlich auf dem Weg zurück nach Berlin. Ich frage mich mittlerweile, ob ich Faszination für einen Menschen eigentlich nur noch empfinden kann, wenn ich weiß, dass er nicht erreichbar ist. Dies würde meine emotionalen Ausbrüche gegenüber der Spezies Mensch in diversen Städten, die sich an Distanz zu Berlin bei jedem Male überbieten sowie meinen Hang zu verheirateten Männern erklären.

Und so stand ich auf einer Trauminsel, wie sie im Bilderbuch nicht schöner sein könnte am Pier, in unendlichen Gedanken und Sehnsucht nach der weiten Welt versunken, und wartete auf meine Fähre. Als diese ankam, fiel mir sofort der ältere braungebrannte Mann auf, der selbstüberzeugt und unnahbar auf einem Zahnstocher herumkaute – Marke ‚Nicht zu haben‘. Da man sich am Ende des Urlaubs ja alles erlauben kann, starrte ich ihn  – durch meine verspiegelte Sonnenbrille – verstohlen an und erntete prompt Aufmerksamkeit. Auf Deck angekommen, setzte ich mich selbstsicher direkt neben ihn und blickte in „Ich mach mich dennoch rar“-Manier rotzencool aufs Meer hinaus. Es dauerte keine zwei Minuten bis er mich ansprach. Woher ich komme, ob ich Urlaub gemacht habe und so weiter. Er entpuppte sich als Franzose, der überlegt nach Thailand auszuwandern. Passt perfekt ins Beuteschema und so verbrachten wir die ganze Fahrt mit angeregten Gesprächen inkl. Rückeneincremen (die Blicke des Thai-Personals waren dabei Bares wert), Haare-weh-Selfies und der Frage seinerseits, ob er einen Kuss bekäme. Gefangen in meinem verklemmten Selbst lehnte ich ab, es reichte allerdings für einen Kuss auf die Wange, welches er mit einem Foto festhielt.

Am Pier angekommen, mussten wir zu unserem Erschrecken feststellen, dass wir mit einem jeweils anderen Bus weiterfahren – er zum Flughafen, ich zum Bahnhof. So bekam ich noch einen Kuss auf die Wange und stieg besäuselt in den Bus, um kurz darauf festzustellen, dass wir doch im selben Bus saßen. Mein Magen fühlte sich komisch an und ich wollte am liebsten sofort zu ihm, um zu knutschen. Nur saß ich leider in der letzten Reihe und er in der ersten und nach Aussage meiner Freundin saß er neben einer Frau, mit der er sich in bester Stimmung unterhielt (was ich von meiner Perspektive zwar nicht sehen konnte, aber natürlich glaubte ich ihr). Na toll! So verbrachte ich halb schlafend eine geschlagene Stunde im Bus und stellte mir vor, wie schön es wäre, kuschelnd mit ihm im Bus rumzuhängen und ärgerte mich gleichzeitig, dass ich nicht einfach die Eier hatte, um hinzugehen. Doch die Vorstellung, der ganze Bus würde mitkriegen, wie er mir ein „Was willst du denn jetzt noch von mir“ vor die Füße knallt, ließ mich zurückschrecken. Als ich beschloss, dass sich doch ohnehin niemand für meine Abfuhr interessieren würde, hielt der Bus plötzlich an und ich konnte einen Blick darauf erhaschen, dass in Wahrheit einfach mal niemand neben ihm saß. Mit einem latent angepissten Blick an meine Freundin gerichtet, ging ich stolz vor – zu einem sich redlich freuenden Franzosen.

„Knowing that doing your best is the only option. Even if it results in failure.“ (Zitat aus Eddie the Eagle) 

Wir schauten uns an, er nahm meine Hand und wir küssten uns und kuschelten die restliche halbe Stunde Busfahrt miteinander. Herrlich. Wenig Gerede, einfach nur Rumgelümmel mit Anfassen. Ich beschloss wieder einmal, dass regelmäßiger Körperkontakt mit anderen Menschen mir sicherlich gut bekommen würde. Sein Versprechen, dass er mich in Berlin besuchen kommen würde und dass wir uns ins Thailand wiedersehen würden, tat ich selbstverständlich als olles Gefasel ab – zu Recht, denn auf meine Facebook Message nach zwei Tagen sollte er niemals antworten. Aber sei es drum. Ein Franzose war nun wirklich das Letzte, was ich gerade gebrauche konnte (speaking in terms of distance). Jedoch verbrachte ich die ganze restliche Reise nach Deutschland mit einem feierlichen „ich hab geknutscht“-Blick. Es tut gut, in Sachen Männern auch mal eine Erfolgsgeschichte zu haben –  selbst wenn es nur im Urlaub ist.

Johanna