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It’s Fashion Revolution Day ✖️Recap #whomademyclothes

Wir haben bereits vor einigen Wochen über die Fashion Revolution Week und dem dazugehörigen Fashion Revolution Day berichtet und euch mitgenommen in die Welt der fairen Mode. Denn darum geht es an diesem Tag, Mode fair für alle kaufen. Für den Menschen, die Umwelt und andere Lebewesen. 

Insbesondere haben wir auf die Kampagne #whomademyclothes aufmerksam gemacht, bei der sich alles um die Produzenten unserer Kleidung drehte. Wer steckt eigentlich hinter meinem T-Shirt? Wer hat meine Jeans gefärbt? Wer hat meine Jacke genäht?
Wir haben dafür unsere Kleidung auf links gedreht und mit der Sichtbarkeit des Labels die Kleidungsproduzenten direkt angesprochen. Viele hunderte Bilder gehen so unter dem Hashtag durchs Netz.

Auch wir haben uns daran beteiligt und haben Monki gefragt, wer eigentlich unsere Kleidung macht. Ehrlich gesagt, hatten wir nicht wirklich mit einer Antwort gerechnet und zunächst sah es auch ganz danach aus als würde der Hashtag im Sande verlaufen. Aber dann kommentierte Monki unser Bild. Doch was wir lasen, stimmte uns nicht wirklich glücklich: eine Standardantwort, die genau das Gegenteil von dem feierte, auf was wir eigentlich aufmerksam machen wollten. Es ging schlichtweg um Konsum.

Jedoch nutzte ich die Chance und ließ über mehrere Social Media Kanäle verlauten, dass ich mit dieser Antwort auf meine doch so wichtige Frage wirklich nicht zufrieden sei. Und da wir an die Macht des Internets glauben, erfüllte sich etwas, dass wir zunächst für unmöglich gehalten hätten. Der zuständige Social Media Manager nahm sich tatsächlich Zeit konkreter auf unsere Frage zu antworten.

Und doch blieb es oberflächlich und standardisiert.

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Selbstverständlich schaute ich mir die Maßnahmen von Monki an. Ihr sogenannter Code of Conduct klingt in der Tat nicht schlecht. So wählen sie ausschließlich Fertigungsfabriken, die den Arbeitern einen Mindestlohn zahlen, keine Kinder beschäftigen, legale Arbeitsverträge haben und ihre Arbeiter in Gewerkschaften sich organisieren lassen, um einige zu nennen. Zudem arbeiten sie daran, dass Mode möglichst recycelt und nicht weggeschmissen werden soll und bebildern ihre Labels mit Tipps zu umweltschonendem Waschen.

Damit wollte ich mich jedoch nicht zufrieden geben. Denn sind wir mal ehrlich, welches Unternehmen versucht heutzutage nicht etwas Greenwashing für sich zu nutzen, um gute PR zu machen. Vor allem in einer Industrie, die für einige Skandale zum Thema Umweltschutz und Menschenrechte steht. Dem wollte ich also noch näher auf den Grund gehen. Also verfasste ich eine Email, in die ich all meine Fragen packte, die, meiner Meinung nach, noch nicht ausreichend beantwortet waren.
Und ich bekam tatsächlich eine Antwort, vom Global PR Coordinator höchstpersönlich.

Die wichtigsten Punkte, die sich daraus ergeben:
  • Monki ist sich bewusst, dass die Modeindustrie ein Problem hat und möchte dem entgegenwirken.
  • Als Teil eines Großkonzerns (H&M) müssen sie größenteils nach dessen Spielregeln spielen, betonen jedoch, dass die H&M Group streng kontrolliert, wer ihre Zulieferer sind und in welchen Fabriken gefertigt wird. Dennoch setzt sich Monki auch eigene Ziele, die unabhängig vom Mutterkonzern umgesetzt werden.
  • Sie haben einerseits eigene Audit Prozesse, die sowohl Zulieferer als auch Fabriken überprüfen und andererseits auch externe, unabhängige Monitorings, die eben dies tun.
  • Bis 2020 soll komplett auf Bio-Baumwolle umgestellt werden. Die gesamte Baumwolle soll dabei GOTS– oder Textile Exchange-zertifiziert sein.
  • Außerdem setzen sie auf nachhaltige Materialien wie Tencel oder recycelte Stoffe.
  • Sie arbeiten mit Initiativen wie Better Cotton zusammen, die die komplette Herstellungskette von Baumwolle überwachen.
  • Zudem soll das komplette Denim bald zu 100% nachhaltig sein. Sie optimieren momentan ihre Färbeprozesse und achten vor allem darauf, dass Wasser eingespart wird. 70% ihres Denims hat bereits das grüne Level erreicht (bestes Level bei Jeanologica), der Rest ist bei gelb (eine Stufe unter grün).
  • Außerdem machte ich Monki darauf aufmerksam, dass ihre bereits hergestellten Bio-Baumwoll-Produkte keine entsprechende Etikettierung tragen und somit nicht ersichtlich ist, dass es sich um Bio-Baumwolle handelt (meist ist nur ein extra Schildchen am Kleidungsstück, das darauf aufmerksam macht). Dies möchte Monki so schnell es geht ändern und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man zwischen Bio- und Nicht-Bio-Materialien wählen kann.

Alles in allem bin ich mit der Kommunikation recht zufrieden. Es handelt sich hier um einen Global Player. Sicherlich werden Prozesse nicht von heute auf morgen angepasst werden, doch ich habe das Gefühl, dass hier ein Umdenken stattfinden kann. Und ich bin total davon überzeugt, dass gerade Mainstream-Marken es schaffen die Aufmerksamkeit auf bestehende Probleme zu lenken. Greenwashing hin oder her, das Thema muss erstmal auf den Tisch.

Denn wenn man ehrlich ist, lebt man manchmal auch in einer Blase. Es ist toll, dass wir uns für Fair Fashion interessieren. Aber oftmals vergessen wir zu schnell, dass wir uns dieses Wissen mühsam angeeignet haben und es ein langer Weg ist, um Erkenntnisse zu schaffen und ein Umdenken voranzubringen. Aus diesem Grund glaube ich ganz fest, dass so etwas wie der Fashion Revolution Day einen tollen Anstoß geben kann – vor allem für Käufer/innen, die zuvor noch gar nicht mit dem Thema Fair Fashion in Kontakt gekommen sind. Und vielleicht sogar eben nicht nur bei uns, den Konsumenten, sondern auch bei den Herstellern und Fast Fashion Konzernen.

Wir haben für unsere Rekapitulation der Fashion Revolution Week zusätzlich noch wahre Expertinnen auftun können, die sich auf ihrem Kunstkinder Mag u.a. mit nachhaltigen Kleidungsthemen auseinandersetzen und in ihrer bezaubernden Art und Weise eine ganz neue Faszination für Ökomode schaffen.

© Kunstkinder Mag - Johanna Junker

© Kunstkinder Mag

Anna: „Allen voran gilt es, den Diskurs aufrecht zu erhalten und nicht müde zu werden, auf die Missstände hin zu weisen. Die Aktion um den Fashion Revolution Day ist da natürlich ein Beispiel erster Klasse – da sie sich jährlich von neuem entfacht. Seitens der großen Modeketten geht uns der Wandel im Sprung vom Gedanken zur realen Umsetzung noch viel zu langsam. Hier ist trotz des kritischen Zeitgeistes vieles immer noch zu undurchsichtig, und dazu kommt dann auch das Problem des »Greenwashings« – hier muss vor allem auf politischer Ebene noch so einiges passieren. Für uns EndverbraucherInnen gilt daher aber doppelte Notwendigkeit zu zeigen: Die Nachfrage schafft das Angebot! Meidet – vielleicht auch mal ein wenig radikaler – die herkömmlichen Ketten und geht stattdessen zum Eco Fashion Store des Vertrauens. Oder fragt beim Kaufen nach und zeigt damit, dass euch die Ethik hinter der ganzen Kleiderästhetik tatsächlich interessiert.“

Innerhalb dieser Woche hatten sich Anna und Esther mit anderen sogenannten Slow Fashion Bloggerinnen zusammengetan, um eine Wardrobe Revolution ins Rollen zu bringen. Durch das Präsentieren von schöner, fairer Mode sollte ein Umdenken  angestoßen werden. 24 Tage lang wurden dabei 24 Outfit-Inspirationen präsentiert, für die kein Mensch leiden musste und die für unsere Umwelt auch noch schonend sind. Das Schönste? Die geballte Energie von Menschen, die alle eins im Sinn haben: die Wahl des Kleidungsstücks und den damit verbundenen Effekt auf unsere Umwelt neu zu überdenken. Nach und nach wurde damit eine Art Slow Fashion Manifest entwickelt. 

„Da nennen wir so Dinge wie das Reduzieren der eigenen Garderobe. Auf zeitlose und qualitativ hochwertige Basics zu achten. Bei Stilexperimenten zu Vintage und Second Hand zu greifen. Und sich sowohl an die alteingesessenen Eco Labels zu wagen, als auch die junge Generation an MacherInnen zu unterstützen!“ Anna v. Kunstkinder Mag

Und was können wir jetzt daraus mitnehmen?

Wir erkennen immer mehr, dass ein Umdenken in der Modeindustrie zwingend notwendig ist. Die Gründe dafür sind vielfältig und vermutlich für jeden anders greifbar. Sicherlich ist es nicht leicht seine Gewohnheiten von heute auf morgen einfach zu ändern. Und oftmals ist es sogar viel leichter sich dahinter zu verstecken. Aber es geht weder um Zwang noch um Verzicht. Viel mehr geht es darum, dass wir unsere Gedanken neu ausrichten und Lust bekommen eine Welt zu entdecken, die sich positiv auf alles und jeden auswirkt.

Die Kunstkinder haben dazu einen wahnsinnig wichtigen und interessanten Ansatz: 

„Am wichtigsten scheint mit persönlich gerade die gegenseitige tägliche Inspiration zu sein. Heißt: das Projekt »langsame«, »grüne«, oder »faire« Garderobe nicht als ein Dogma, welches es durchzuhalten gilt zu verstehen… sondern als die Möglichkeit, spannende Labels und Designs zu entdecken, tolle Menschen kennen zu lernen, und gemeinsam mit einem ethischeren Modestil zu experimentieren.“ Anna v. Kunstkinder Mag

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© Fashion Revolution

In diesem Sinne viel Spaß beim Experimentieren und Ausprobieren. Seid neugierig. Entdeckt. Ihr könnt mir glauben, diese Reise macht jede Menge Spaß. Wissen schafft Veränderung. Und Veränderung schafft Entwicklung. Hast du Lust dich weiterzuentwickeln? 

Weiterführende Informationen findest du unter >>How to be a fashion revolutionary<<