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In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Das Erste, was ich heute las, war ein Post über Nizza, den ich nicht ganz einordnen konnte. Jemand aus meiner Freundesliste hatte bei Facebook ein paar, für mich bis dahin undefinierbare, Zeilen geschrieben. Doch nur ein weiteres Scrollen nach unten, ließ mir bewusst werden, was hier gerade abgeht.

Ich kenne mittlerweile so viele, die alle Nachrichten in ihrem Newsfeed ausgestellt haben, die jede halbe Stunde den Radiosender wechseln, um die Nachrichten nicht zu hören und die im Fernsehen die Nachrichtenzeiten bewusst umgehen. Wir versuchen uns abzuschotten von dieser Welt, die gefühlt nur noch Gräueltaten hervorzubringen scheint. Und die uns jeden Tag immer härter erkennen lässt, wie vergänglich wir doch sind. 

Doch kann das die Lösung sein? Dass wir alles ausmachen, uns wegdrehen, versuchen in unserer kleinen Blase zu leben, in der sowieso schon so viel schief geht, dass man alles andere nun nicht auch noch ertragen will? 

Und dann gibt es noch diejenigen, die bei jeder weiteren Tat einen weiteren Post verfassen. „R.I.P. ?, oh wie schrecklich, fuck you, …“ und wie sie alle heißen. Die ihren Frust auf ihrem Facebook-Account rauslassen oder darüber twittern, wie schlimm unsere Welt ist.

Doch kann das die Lösung sein? Dass wir immer nur dann Partei ergreifen, wenn ein Unglück geschieht, dass wir den Mund aufmachen, wenn im Nachbarland etwas Schlimmes passiert, dass zwei Tote nicht so schlimm sind wie 80 Tote?

Nizza / Nice / France

Die Strandpromenade von Nizza.

Gestern Nacht hat nicht nur Frankreich ein weiteres Mal einen tiefen Schmerz erlitten. Fast zeitgleich wurde medial bekannt gegeben, dass ein Schiffswrack, das letztes Jahr bei dem Versuch von Flüchtenden das Mittelmeer zu überqueren, gesunken war, geborgen wurde. Die Zahl von damals 170 Toten wuchs auf 845 Tote. 675 weitere Leichen, die auf dem Grund des Mittelmeers ihre letzte Ruhestätte fanden. Fast täglich kann man von gravierenden Bombenattentaten in Syrien lesen, von roher Gewalt und einem Nacheifern einer Sache, die in unserem Verständnis noch nicht einmal ansatzweise Sinn ergibt. In den USA (und nicht nur dort!) werden Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe niedergeschossen. In Teilen Afrikas und Asiens ist Kinderarbeit immer noch normal. In Billiglohnländer sterben tagtäglich Menschen aufgrund ihrer Arbeit in Fabriken, die nicht dafür gemacht sind lebenswerter Raum für Menschen zu sein. 

Wir sind umgeben von all diesen Dingen. Manchmal betreffen sie uns mehr (wie oft waren viele von uns schon in Nizza, Paris, London oder Brüssel), manchmal scheinen sie so weit weg als wären sie gar nicht wirklich existent (eine Reise nach Syrien, Afghanistan oder Eritrea haben   wohl die wenigsten von uns jemals angetreten). Doch egal wie weit die Entfernung ist, unsere Welt ist am Boden! Und niemand anderes als wir selbst ist dafür verantwortlich. Vielleicht nicht unmittelbar, aber definitiv so stark, dass wir weder wegsehen noch leere Worte in die virtuelle Welt schicken sollten.

Unsere Spezies ist eine verfluchte Krankheit. Eine Freundin aus Nizza, deren gesamte Familie dort wohnt, die an dieser Strandpromenade laufen gelernt hat, trifft es ganz gut:

„When someone attacks families and children in the place where I were born and raised, the place where I learnt to walk, to use a bicycle, to swim … It‘s complicated to express something. This is not an accident, this is a FUCKING CANCER, a disease of our humanity.“ Julie Bourboujas

Es ist nicht unsere Welt, die so verrückt ist. Unsere Erde ist ein unfassbares Geschenk, das wir mit Füßen treten. Solltest du es also leid sein die Nachrichten anzuschauen, solltest du es nicht länger ertragen können, was hier passiert. Oder solltest du (mal wieder) nur einen Kommentar auf Facebook verloren haben, dann fang verdammt noch mal an etwas zu tun! Wir sind dafür selbst verantwortlich. Wir können nicht immer nur traurig sein und im nächsten Moment uns wieder unserer heilen, konsumverseuchten, digitalen Welt widmen. Wenn wir dies tun, und natürlich gibt es auch solche, die keinen weiteren Anspruch haben und dies so wollen, dann dürfen wir uns eben auch nicht darüber aufregen, was in unserer Welt passiert. Es ist nicht nur der IS, nicht nur die Russen, nicht nur die USA, nicht nur irgendwelche Diktatoren in Afrika. Alle, die wir hier sind, sind Teil des Systems und es liegt an uns, welche Entscheidungen wir treffen. Für oder gegen die Menschen, für oder gegen unseren Planeten. 

Wir können uns nicht abschotten, wir sollten uns nicht abschotten. Wir sind Teil dieser Welt. Wir sind diese Welt. 

jugend rettet e.v. / spenden / nizza /

Und weil uns ein Facebook-Like nicht mehr reicht & wir es wirklich genau so satt haben, wie ich es hier schreibe, möchten wir euch nun zumindest so aktiv teilhaben lassen, wie wir es online tun können. Und das geht besonders gut über Spenden!
Heute für Jugend Rettet e.V.:
Dich hat das Unglück im Mittelmeer erschüttert? Du denkst immer noch an den kleinen Jungen, dessen Bild trauriger Weise um die Welt ging? Dann wird es Zeit sich zu engagieren.
Jugend Rettet e.V. besteht aus Leuten, die wirklich etwas tun und die mit voller Power und Engagement die Menschen jetzt selbst aus dem Mittelmeer retten. Sie brauchen unsere Unterstützung. Spenden kannst du hier: https://www.jugendrettet.org/spenden