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Happy Birthday, Buffy!

von Simone Bauer 

Man kann Joss Whedon vieles vorwerfen, wenn es darum geht, dass er den weiblichen „Marvel“-Heldinnen nicht gerecht wird. Was man dem Regisseur allerdings auf keinen Fall absprechen darf: er hat den Feminismus 1997 ins Fernsehen gebracht. Eigentlich begann es schon viel früher, als Alicia Silverstone in einem Film Vampire jagte und eine Turnhalle niederbrannte. So richtig Fahrt nahm „Buffy – Im Bann der Dämonen“ allerdings erst auf mit Sarah Michelle Gellar in der Hauptrolle der 16jährigen „Jägerin“, David Boreanz als nachdenklich-sexy Vampir Angel an der Seite und verankert im kleinen Ort Sunnydale. Auf sieben Staffeln brachte „Buffy“ es, mit einem Spin-Off zu Angel und einer Comicbuchreihe, die bis heute veröffentlicht wird.

Hier wird nicht gekreischt und die Schultasche ist tatsächlich eher dafür da, Bösewichte damit galant zu verprügeln. „Buffy“ schaffte etwas, dass danach vor allem keine Serie mehr in diesem Genre schaffte (natürlich abgesehen von „Charmed“). Ja, in „Vampire Diaries“ wird Elena im Laufe der Serie stärker. Nein, bei „Twilight“ passiert da eigentlich nichts Derartiges. „Buffy“ zeichnete sich durch eine vielfältige Gruppe an Freunden aus (die „Scooby Gang“, benannt nach „Scooby Doo“), bei der die Männeranzahl nicht überhandnahm (wie zum Beispiel aktuell bei „Wonder Woman“ der Fall). Egal, ob Hexe, Werwolf, Normalo, Cheerleader oder Dämonin – sie alle unterstützten Buffy, das starke Mädchen. Und wie es der „Zufall“ so will, kamen andere Jägerinnen, weder auf den Kopf, noch den Mund gefallen und in jedem Bereich ordentlich schlagkräftig, dazu. Vorbilder für so viele Heranwachsende, die die heutige Zeit fast schon vermissen lässt. Denn es werden nicht nur Vampire vernichtet, sondern sich auch verliebt und mit nicht nur schulischen Problemen gekämpft. Die Scooby Gang wird eben erwachsen.

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Das Gute: „Buffy“ ist zeitlos. Die Effekte mögen vor allem in der ersten Staffel noch für das moderne Auge holprig wirken, doch die humoristischen Situationen bieten noch immer, nicht nur wegen des derzeitigen Neunziger Trends, eine Steilvorlage für ewiges Lachen. Ein nicht unwichtiges Detail in Sachen Heranwachsen: Mit Willow Rosenberg, gespielt von Alyson Hannigan, wurde erstmals ein lesbischer Charakter so richtig im amerikanischen Fernsehen etabliert. Zwar sollte Joss Whedon in der sechsten Staffel in ein großes Klischee in Sachen „Lesben im Fernsehen“ treten – dazu muss man allerdings sagen, dass er damit auch einer der Ersten war, denn wo keine LGBT-Figuren, da auch keine Handlungsstränge, die den Fans auf dem Magen schlagen.

Auch leistete „Buffy“ Pionierarbeit in Sachen „Musicalepisode“ – ob das das Fernsehen für alle Nachahmerserien wirklich gebraucht hat, ist vielleicht eine andere Sache, aber Fakt ist: „Once More With Feeling“ ist Kult. Auf der Münchner Comic Con Ende Mai erinnerte sich Stargast Charisma Carpenter alias Cordelia Chase, wie die Musicalfolge an sie herangetragen wurde: „‚Kannst du singen?‘ ‚Nein!‘ „Gut!‘“

Zum Panel begleitete Charisma auch Darla-Darstellerin Julie Benz. „Die Liebesszenen mit Angel waren nett, nicht wahr?“ Zu Julies persönlichen Lieblingsfolgen zählt auch „Hush“, ebenfalls revolutionär in Sachen „Fernsehmachen“: in 27 von 44 Minuten wird aus einem tragischen Grund kein einziges Wort gesprochen. Sie zählt bis heute zu einem der emotionalsten TV-Momente und bei der „EW“-Wiedervereinigung des Casts waren die Schauspieler im Frühjahr teils immer noch schockiert.

Die amerikanische Marke Hot Topic legte zudem im Sommer eine ganze Kollektion von „Buffy“-inspirierter Kleidung auf. Nicht dabei: das unnötig freizügige, schwarze Kleid, mit dem Sarah Michelle Gellar die erste Staffel auf dem Cover beworben hat (und sicherlich „Friends“ zu einem schlechten Pornoscherz inspirierte). Allerdings dabei: der coole, rote Ledermantel und Willows bewusst scheußlich gestalteter Pulli. Man könnte es schon fast Nerd Pride nennen!

„Buffy“ ist zum Beispiel über Amazon Prime verfügbar.