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Grönland // Eine Reise in eine andere Welt

Katrin hat sich in ein Land begeben, das wohl nur Wenige in ihrem Leben einmal bereisen werden. Umso spannender finden wir es, was sie dort erlebt hat. Heute teilt sie ihren Reisebericht mit uns.  

Angefangen hat alles damit, dass mein Bruder und ich meiner Mutter endlich ihren langjährigen Lebenstraum erfüllen wollten: einmal in Grönland gewesen zu sein. Zudem hatte ich noch eine Rechnung bei meinen Eltern offen, die ich nie begleichen durfte. Meine Mutter schwärmte von der Kälte, den riesigen blauschimmernden Eisbergen, der sauberen Luft… seitdem sie vor zirka 20 Jahren in Spitzbergen war. Sie sagte immer: „Das musst du selbst erlebt haben, sonst verstehst du das nicht.“

Also habe ich mich in die Planung gestürzt: Wohin? Wann? Wie?
Entschieden habe ich mich schließlich für eine 10-tägige Tour im Juni mit dem Segelschiff „Rembrandt van Rijn“ in der Diskobucht (Westgrönland). Zu dieser Zeit geht die Sonne nachts nicht unter, die Temperaturen sind mit durchschnittlich -5 bis 0°C schon ganz angenehm, die Niederschlagsmenge ist noch relativ gering und es ist auch noch keine Hochsaison für den Tourismus.

Angeflogen wird Grönland von zwei Fluggesellschaften: Air Greenland und Air Iceland. Diese fliegen entweder ab Reykjavik oder Kopenhagen. Meine Mutter und ich sind zunächst fünf Stunden von Kopenhagen nach Kangerlussuaq geflogen. Von dort aus ging es 40 Minuten mit einer kleinen Propellermaschine nach Aasiaat, wo die Rembrandt schon auf uns im Hafen wartete. An Bord waren 28 Passagiere und 10 Crew-Mitglieder, die von nahezu überall auf der Welt herkamen: Neuseeland, Israel, New Mexico, Frankreich, Österreich, Niederlande, Belgien und auch aus Deutschland. Für die Verständigung sind Englischkenntnisse also von Vorteil. Ansonsten gibt es auch Touren, die deutschsprachige Guides an Bord haben. Den Altersdurchschnitt würde ich auf 40 bis 50 Jahre schätzen. Alle waren sehr aufgeschlossen, jung geblieben und total lustig. Ich habe schon lange nicht mehr so viel und so herzlich gelacht wie auf dieser Reise.

Das Essen war immer sehr abwechslungsreich, frisch zubereitet und lecker. Selbst für die drei Vegetarier und Veganer an Bord wurde jeden Tag ein leckeres Gericht gezaubert. Alle möglichen Kaffeevariationen, Tee, heiße Schokolade und Wasser waren inklusive.

Auf unserer Rundreise um die Diskoinsel sind wir fast jeden Tag irgendwo angelandet, haben Siedlungen besucht oder sind durch das Land gewandert, manchmal auch auf allen Vieren geklettert. Schon im Internet und später auch in den Reiseunterlagen wurde auf eine gute gesundheitliche Verfassung hingewiesen. Die Ausflüge wurden aber dennoch in zwei Schwierigkeitsstufen eingeteilt: eine sportliche Gruppe, die lange und anstrengende Touren macht und eine normale Gruppe, die langsam in einer flachen Region wandert. Allerdings konnten wir im Norden nicht alle geplanten Ausflüge machen, da das Meer noch nicht überall vom Wintereis befreit war und wir nicht mit dem Schiff an Land gelangen, geschweige denn durch die imposanten Eisberge fahren konnten – zu gefährlich. Daher hat der Kapitän auch immer vorweg gesagt: „Plan A ist…“

Grönland

An Land ging es immer mit den Zodiacs (Schlauchboot). Nach ein paar Schritten durchs Wasser– Gummistiefel unverzichtbar – hatte man es geschafft. Die Landschaft war sehr ungewöhnlich und schön. Die flachen Gebiete waren mit etwa zehn Zentimeter hohen, feuchten Moosen bewachsen, in denen man bei jedem Schritt wie auf einem Schwamm weich eingesunken ist. In manchen Regionen war der knietiefe Schnee noch nicht vollständig getaut. An den Stellen, wo kein Schnee mehr war, sind riesige wadentiefe Pfützen übrig geblieben, aus denen große Grasbüschel herausragten. Das übrige Gelände war sehr felsig. Hier sind wir manchmal stundenlang auf allen Vieren irgendwo hochgeklettert, um die schöne Aussicht auf die Fjorde, die Eisberge im Meer oder auch riesige Vogelkolonien an einer Klippe zu bestaunen.

Tiere haben wir in Grönland reichlich gesehen: Moschusochsen, Füchse, Graugänse und viele mehr. Mein Wunsch war es, einmal Wale in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Dieser wurde mir gleich am ersten Tag der Reise erfüllt. Während der gesamten Zeit haben wir zahlreiche Finn- und Buckelwale gesehen, die entspannt um unser Segelschiff herum geschwommen sind. Bei einem Ausflug im Zodiac ist uns plötzlich fast das Herz stehen geblieben, als diese mächtigen Tiere zehn Meter vor uns aufgetaucht sind. Unglaublich! In der Ferne konnten wir zudem Robben beobachten, die entweder in der Gruppe nach Fischen gejagt oder einzeln nach uns Ausschau gehalten haben. Leider mussten wir aber auch mit ansehen, wie Jäger die Robben geschossen haben – kurz und schmerzlos. Auch das gehört zu Grönland.

Die Siedlungen bestanden durchschnittlich aus ungefähr 50 bis 200 Einwohnern und sahen von weitem immer sehr schön bunt aus. Bei näherem Anblick sah man aber auch die unschönen Dinge. So lag beispielsweise viel (Metall-) Müll herum, der alle paar Monate von Schiffen eingesammelt werden soll. In einer Siedlung sah es aus wie auf einem Schlachtfeld: zwei Belugawalköpfe, ausgenommene Robben, Eingeweide und Skelette, viele tote Fische, …

Uns fiel überall sofort die sehr einfache Lebensweise auf. Es gab keinerlei Freizeitangebote für die Bewohner. In zwei Orten gab es eine Bar, bei denen allerdings immer um 0 Uhr „last order“ war und die Gäste pünktlich um 1 Uhr verabschiedet wurden. Die Musik war auch sehr gewöhnungsbedürftig: Celine Dion, Roxette, oder grönländische Musik und Bravo Hits 77. Wir fragten uns, wie die Leute die langen Winter überstehen, wenn die Sonne nicht aufgeht?!

Am eindrucksvollsten für mich waren allerdings die mächtigen blauschimmernden Eisberge, der Blick in die scheinbar endlose Weite sowie die Stille und Einsamkeit fernab der Zivilisation. Wir haben während der gesamten Reise kein einziges Schiff gesehen, so gut wie nie Empfang mit dem Handy und keinen Fernseher gehabt – und wir haben auch nichts vermisst.

Je näher das Ende der Reise heranrückte, desto kürzer wurden meine Nächte. Zum Schluss habe ich nur noch drei Stunden geschlafen, weil ich nicht genug von der Atmosphäre bekommen konnte und noch so viel wie möglich davon aufnehmen wollte. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, nachts alleine bei mystischen Lichtverhältnissen und absoluter Stille an Deck eines Segelschiffes zu sitzen und zwischen den Eisbergen hindurch in die Ferne zu schauen. Manchmal ist noch ein Wal aufgetaucht…

Insgesamt war dieser Urlaub wie eine Reise in eine andere Welt für mich – eine ganz neue Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Und am Ende bleibt mir nichts anderes übrig, als es mit den Worten meiner Mutter zu sagen: „Das müsst ihr selbst erlebt haben, sonst könnt ihr das nicht nachvollziehen!“

Falls ich euer Interesse für Grönland geweckt haben sollte, dann kommen hier meine zehn wichtigsten Dinge, die ihr unbedingt für eine solche außergewöhnliche Reise mitbringen solltet:

1. Gummistiefel
(100% wasserdicht! und mit rutschfestem Profil)
2. Wasserdichte und windfeste Kleidung
3. Gelassenheit, die Dinge auf sich zukommen zu lassen
(Route nicht immer planbar)
4. Verständnis für die einheimischen Gewohnheiten
(z.B. Robbenjagd)
5. Kameraausrüstung
6. Durchschnittliche bis gute Fitness
7. Sonnencreme für das Gesicht
8. Englisch-Kenntnisse
(manche Touren haben deutschsprachige Guides)
9. Verzicht auf Erreichbarkeit
(selten Handyempfang und nicht im EU-Paket enthalten)
10. Tabletten gegen Reisekrankheit
(ggf. bei Schiffsreisen notwendig)

Wer noch mehr Impressionen sehen möchte, kann sich gern diesen Film anschauen, den Frans Mouws von unserer Reise macht hat.

Danke liebste Katrin, dass du mit uns diese wunderschönen Impressionen geteilt hast! Und du hast Recht, sowas muss man einmal im Leben gesehen haben.

Text & Bild von Katrin Beck

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lebt in Berlin +++
Projektmanagement/Qualitätssicherung +++
Lieblingsfilm: P.S. Ich liebe dich +++
Lieblingsbuch: Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes +++
Lieblings-Essen: Mousse au chocolat, Rindercarpaccio, Pimientos… +++
Lieblings-Drink: Mango-Shake +++
Lieblings-Ritual: heißes Bad zur Entspannung +++
Lieblings-Klamotte: OnePiece Jumpsuit +++
Traumjob im Alter von 10 Jahren: Lehrerin +++
Lieblings-Emoji: