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Franziska Schmid von Veggie Love: „Ich bin null militant, aber für mich sehr entschieden so zu leben.“

Eigentlich ist es doch so, wenn man Menschen, die man beispielsweise schon lange nur aus den Medien kennt und dort ziemlich cool findet, zum ersten Mal persönlich trifft, entmystifiziert sich entweder die große Bewunderung dieser Person oder genau das Gegenteil passiert. Es macht Peng Boom Bang und plötzlich sitzt man dreieinhalb Stunden zusammen in einem Café und könnte der Person noch viele weitere Stunden zu hören, ohne zu merken wie die Zeit vergeht.

So geschehen vor wenigen Wochen, als wir das erste Mal auf Franziska Schmid trafen, deren Blog Veggie Love wir bereits seit mehr als 5 Jahren verfolgen und uns mit ihr freuten als sie später auch für andere Blogs wie LesMads und das Magazin Noveaux schrieb und Kochbuchautorin wurde.

Franziska zählt zu den jungen Frauen unserer Generation, die einfach nicht lang schnacken, sondern selber machen. Zu einer Zeit, als „vegan sein“ noch nicht in aller Munde war und das Bloggen doch eher als sehr exotischer Beruf angesehen und das Medium Blog einfach nicht ernst genommen wurde, da beschloss sie einfach hauptberuflich einen Blog zu betreiben, der sich dem veganen Lifestyle widmet. Ihr könnt euch vorstellen, welche Empörungen sie sich zu dieser Zeit anhören musste. Dennoch ließ sie sich davon nicht abhalten. Vielmehr war und ist sie auch noch heute der festen Überzeugung, dass vegan sein nicht automatisch bedeuten muss auf schöne und leckere Dinge zu verzichten. Und wie das geht, zeigt sie auf ihrem Blog Veggie Love als auch in vielen anderen Magazinen und Zeitschriften, für die sie regelmäßig schreibt. Heute zählt sie zu den wichtigsten Influencern Deutschlands, deren Wort und Meinung zum Thema veganer Lifestyle viele brennend interessiert.

So war es für uns keine Frage, dass wir als Fangirls No. 1 Franziska unbedingt interviewen, schließlich wollten wir sie euch unbedingt vorstellen. Gesagt, getan – hier kommt das Interview

Not Another Woman Mag: Dein großes Themenfeld ist der vegane Lifestyle, welcher Mode, Beauty, Essen etc. umfasst. Für dieses Interview beginnen wir daher zunächst mit einer klassischen Modefrage: Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben und was ist dein liebstes Kleidungsstück im Kleiderschrank?

Franziska Schmid: Oh, dazu muss ich kurz ausholen. Mode war in den letzten Jahren bei mir ganz oft, ich will nicht sagen ‚mit Frustration verbunden‘, aber schon so, dass sich mein Stil mit der Entscheidung zur einer nachhaltigen und veganen Lebensweise verändert hat. Einfach aus dem Grund heraus, dass man bei der Eco Fashion nehmen musste, was man kriegen konnte. Vorher hatte ich schon einen eigenen Stil, den ich so nicht mehr weiterführen konnte. Und heute ist auch noch ein bisschen so, dass ich nehmen muss, was ich kriegen kann und dass man schauen muss, woher man ein cooles Oberteil bekommt. Seit ca. anderthalb Jahren verändert sich mit dem Aufkommen junger, neuer Labels wie JAN ‘N JUNE was auf dem Markt. Die machen coole Zeugs und man merkt es ist eine neue Ära angebrochen. Und jetzt kann man seinen eigenen Stil endlich wieder ein bisschen ausleben. Mein Stil war schon immer eher reduziert. Besonders mag ich Ringelshirts. Und Prints mag bis auf wenige Ausnahmen irgendwie nicht so gerne. Ich mag es einfach super clean und habe einen Hang zu Schwarz, Grau und Weiss, wie man heute auch schön sehen kann. Dazu habe ich immer immer immer lackierte Fingernägel, entweder Pink oder Rot. Und manchmal trage ich auch dazu den passenden Lippenstift. Das sind meine Farbtupfer und der Rest ist eigentlich immer Blau, Grau, Schwarz. Wenn ich meinem Stil einen Namen geben müsste, wäre es vielleicht clean-chic. Und mein liebstes Kleidungsstück im Kleiderschrank ist der Sweater Robin von JAN ‘N JUNE.

NAWM // Interview mit Franziska Schmid von Veggie Love

Not Another Woman Mag: Aus deinem Werdegang haben wir erfahren, dass du schon an einigen Orten gelebt hast und auch vor hast, auch wieder etwas mehr zu reisen. Wo meinst du, lässt es sich als Veggie besonders gut leben? Vielleicht im gesamten Lifestyle Kontext gedacht, nicht nur Essen und Trinken.

Franziska Schmid: Ich fand das Leben in München sehr schön. Über Berlin müssen wir schon fast nicht mehr reden. Berlin hat einfach eine unfassbar große Essensauswahl und viele andere verschiedenen Dingen, aber hier ist das Problem der weiten Strecken und die Qualität ist trotz der großen Auswahl rar gesät. Ich mag kulinarisch gesehen München extrem gerne, weil es viele gute Restaurants gibt. Und inzwischen ist veganes Essen auch in anderen Restaurants selbstverständlich geworden. Für mich muss die Location nicht rein vegan sein, auch wenn ich natürlich rein vegan esse. Mit fantastisch gutem veganen Essen aus frischen Zutaten bin ich wahnsinnig happy und ein großer Fan von Gemüseküche. Bisher ist Berlin im Bereich Veganismus aber vor allem für die vielen Burgerläden bekannt. In München gibt es auch tolle Läden und es ist einfach eine natur- und grünorientierte Stadt. Aber ich mag auch Paris wahnsinnig gern. Klar, muss man da genauer vorher recherchieren, wo es veganes Essen gibt. Aber mein Herz gehört, glaube ich, doch München. 

Not Another Woman Mag: Ja, das merkt man. Dein Credo ist ja auch Nachhaltigkeit mit Genuss und Stil zu verbinden. Bist du dabei auch schon auf Grenzen gestoßen, wo du gemerkt hast, bis hierher und nicht weiter?

Franziska Schmid: Es gibt mit Sicherheit Grenzen. Durch meine berufliche Tätigkeit recherchiere ich natürlich auch viel mehr und setze mich häufiger mit verschiedenen Ansichten auseinander. Aber man kann auch nicht alles kontrollieren. Zum Beispiel bei Magazinen und Bücher, im Normalfall weiß man nicht, ob dafür veganer Kleber verwendet wurde. Dann jeden Verlag anzuschreiben und für jedes Buch oder Zeitschrift nachzufragen, das ist im Alltag nicht mehr praktikabel. Und ich weiss auch nicht, ob das etwas ist, wo man sagt, uuuh das ist jetzt aber nicht mehr glaubwürdig. Wenn es um so praktische Dinge im Leben geht, findest du ja von der Wandfarbe bis zu den Haushaltsgegenständen wie Möbel und Putzmittel etc. alles in vegan und nachhaltig . Es gibt sehr vieles, bei dem man sich aktiv für ein veganes Produkt entscheiden kann. Und klar ist es auch mit meinem Blog mein Anliegen zu zeigen, dass es vegan geht und ich will Alternativen aufzeigen. Sicherlich kann ich nicht jeden Bereich des Lebens abdecken, es muss ja auch authentisch sein. Ich habe keine Kinder, daher werden auch Themen rund um Babies nicht auftauchen. Dafür gibt es andere tolle Blogs. Jeder muss seinen eigenen Weg finden und gehen. Alles, was ich selber entscheiden und kontrollieren kann, das mache ich.

Not Another Woman Mag: Du hast es eigentlich schon indirekt gesagt, aber nochmal konkret: Bist du eher tolerant oder militant?

Franziska Schmid: (lacht) Ich bin null militant. Das ist echt nur anstrengend für mich und für die Anderen auch. Aber ich bin für mich sehr entschieden mit meiner Lebensweise und wie ich leben möchte. Am Ende des Tages kann ich eh nur vor meiner eigenen Tür kehren. Und ich meine, klar toleriere ich Andere, was bleibt mir auch anderes übrig. Aber cool finde ich es trotzdem nicht. Ich muss auch feststellen, dass ich über die Jahre aufgehört habe, in meinem Umfeld über Veganismus zu reden. Ich möchte lieber darüber schreiben und dann kann jeder kann seine eigene Meinung reinbringen und seine eigene Entscheidung dazu fällen. 

Not Another Woman Mag: Was sind deine 5 Tipps, um Nachhaltigkeit gut in den Alltag zu integrieren?

Franziska Schmid: Also mich hat im vergangenen Jahr die Amerikanerin Lauren Singer nachhaltig dazu inspiriert, das Thema Müll sehr zu reduzieren. Ich habe über sie einen Artikel geschrieben (Anm. der Redaktion: Kann hier nachgelesen werden.). Sie hat es geschafft, den Müll der vergangenen zwei Jahre in ein mittelgroßes Schraubglas zu stecken. Sehr beeindruckend. Aus diesem Grund ist der erste Punkte, Müll, wo immer es geht, zu vermeiden. Verwende so wenig Verpackungsmaterial wie möglich, recycle umso mehr, trage immer einen Baumwollbeutel in der Tasche. Zweitens beim Thema Mode, achte stets auf Qualität statt Quantität. Braucht man tatsächlich soviel? Weiter ist es wichtig, darauf zu achten, was man konsumiert und eben lange etwas davon hat. Und natürlich woher die Sachen kommen. Also lieber regional einkaufen. Und natürlich die kleinen Dinge wie Strom sparen, die technischen Geräte nicht Unnütz auf Standby laufen zu lassen. Einfach ein achtsamer Umgang mit den Ressourcen, die wir haben. Ich weiss, dass klingt immer so super hippie und spirituell und so, aber im Grunde fasst es das in allen Bereichen für mich zusammen, egal ob Mode oder Kosmetik oder oder oder. Waren das fünf Punkte?

NAWM // Interview mit Franziska Schmid von Veggie Love

Not Another Woman Mag: Du hast noch viel mehr genannt, aber das ist auch gut so. Vielen Dank! Nun zu einem ganz anderen Thema. In den letzten Jahren sind die sogenannten Superfoods in aller Munde und dein neustes Buch „Local Superfoods“ dreht sich auch darum. Inwieweit meinst du, kann ein Körper sich durch diese Superfoods selbst regenerieren?

Franziska Schmid: Also eines vorneweg: Ich bin keine ausgebildete Ernährungswissenschaftlerin. Aus diesem Grund kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen und über die Erfahrung, die mein Umfeld gemacht hat. Und natürlich gibt es Krankheiten, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen. Ich persönlich merke, dass mir eine Ernährungsweise mit viel frischem Grün unheimlich gut tut. Und das finde ich echt faszinierend. Ich hatte früher starke Periodenschmerzen und seitdem ich vegan lebe, habe ich diese nicht mehr. Wenn ich aber gestresst bin, leidet meine Ernährung als erstes und dann merke ich, dass ich wieder stärker Heuschnupfen habe. Das zeigt mir schon, dass meine Ernährungsweise viel ausmacht. 

Not Another Woman Mag: Und welche Frucht hat dich als lokales Superfood besonders überrascht?

Franziska Schmid: Ich war sehr beeindruckt von Sanddorn. Es ist ja eine Beere und mir war bewusst, dass Blaubeere und Himbeere schon sehr gesund sind. Aber der Sanddorn, der im Norden ja sehr verbreitet ist, hat mich schon überrascht. Vor allem wie viel Vitamin C in ihm stecken.

Not Another Woman Mag: Wir waren tatsächlich überrascht, dass die Himbeere eine Superfruitfood ist.

Franziska Schmid: Ja, vor allem, weil sie eine lokale Superfrucht ist. Man ist sich oftmals gar nicht bewusst, dass die vielen exotischen Früchte, wie Zitrusfrüchte uns im Winter gar nicht so gut tun, da sie eine kühlende Wirkung haben. Grünkohl ist da sehr viel besser.

Not Another Woman Mag: Als fleißige Leserinnen deines Blogs wissen wir, dass du schon einige verschiedene Ernährungsformen durchgetestet hast. Wie z.B. nur Rohkost zu essen, Saftkuren, etc. Mit welcher Ernährungsform fühlst du dich denn am besten?

Franziska Schmid: Stimmt, ich habe schon allerhand ausprobiert, die auch durch diese Hashtags wie #rawtill4, #nosugar, #cleaneating usw. bekannt sind. Ich mag vor allem frische, unverarbeitete Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse. Klar, kommt bei mir auch etwas aus der Verpackung, denn im Alltag schaffe ich es auch nicht, mir Cashewmilch selber zu machen oder Tofu selbst herzustellen. Man muss einfach schauen, was einem gut tut. In meiner Familie wurde schon immer viel und frisch gekocht, das schätze ich sehr. Von Null auf Hundert nur noch Rohkost zu essen, ist sicher auch nicht für jeden das Wahre. Eins habe ich über die Jahre festgestellt: was den einen gut tut, ist für andere noch längst nicht ideal. Deshalb muss jeder seinen eigenen Ernährungsweg finden.

NAWM // Interview mit Franziska Schmid von Veggie Love

Not Another Woman Mag: Wo glaubst du, braucht unser Land mehr Girlpower?

Franziska Schmid: Überall! Ich kenne so viele tolle Frauen, aber ich merke immer wieder, dass diese und auch ich selbst, wir uns oftmals nicht trauen. Wir sind oft zu schüchtern oder denken wir können es doch nicht so gut. Wir Girls, wir brauchen uns gegenseitig, um uns zu bestärken. Gerade gestern hatte ich ein gutes Gespräch, in dem es darum ging, dass man es auch mal genießen sollte, wer man ist. Dabei geht es nicht nur darum, dazu zu stehen, wer man ist, sondern es auch zu genießen. Und eben nicht sich dafür zu schämen oder zurückzunehmen, weil man denkt, damit stößt man jemand anderes vorn Kopf. Wir sollten mehr stolz auf uns sein. Mehr Girlpower schadet keinem. Also nur zu Mädels!

Not Another Woman Mag: Mit welcher Kraft würdest du unsere Welt verändern wollen?

Franziska Schmid: Mit Mitgefühl. Punkt. 

NAWM // Interview mit Franziska Schmid von Veggie Love

lebt in: Berlin
Beruf: Bloggerin & Autorin

Lieblingsessen: Pizza & Pasta
Lieblingsdrink: grüner Saft
Lieblingsritual: Meditieren
Lieblingsbeautymarke: Herbivore Botanicals
Lieblingsbuch: „The Fire Starter Sessions“ von Danielle Laporte
Lieblingsfilm: The Thomas Crown Affair (Remake & Original)
Dein Traumjob im Alter von 10 Jahren: Ballerina
Lieblings-Emoji: 599f68a275bc144c9a1272789f8e5668 & Luftballon

Lieblingsplatz in Berlin: No58 Speiserei in Neukölln

I am Not Another Woman because… I live in the pink.

Wer mehr von Franziska erfahren und regelmäßig ihre Tipps und Gedanken lesen mag, sollte ihren Blog folgen:

http://www.veggie-love.de/

Ihr Buch mit dem Titel Local Superfoods – Rezepte mit den besten heimischen Vitalstoffpaketen kann in allen Buchhandlungen gekauft bzw. bestellt werden.

Liebe Franziska, vielen dank für den wundervollen Nachmittag und dass wir dich endlich persönlich kennenlernen durften. Wir hoffen, die Lobhudelei vorne an hat dich nicht allzu verlegen gemacht, aber wat sollen wa och sagen? Du bist Bombe und mach weiter so! ?