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Fair Fashion – Was bedeutet das überhaupt?

Es ist in aller Munde: Faire Mode. Doch was bedeutet das überhaupt? Wo bekomme ich diese? Und macht das dann wenigstens Sinn?

Wir begeben uns auf eine kleinteilige Spurensuche. Denn es ist zwar in aller Munde, doch irgendwie noch immer nicht Mainstream. Dabei haben die letzten Jahre und Jahrzehnte, in denen die Fashion-Industrie boomte, gezeigt, dass langsam, aber sicher, ein Umdenken von Nöten ist. Skandale wie Brände und verheerende Erdbeben, in denen in Textil-Billigländern wie Bangladesch oder Pakistan ganze Fabriken einstürzen, machen uns Konsumenten deutlich, dass wir hier etwas konsumieren, wo Menschenleben dran hängen. Oder Tierleben. Oder unsere Umwelt. Letztes Jahr rüttelte zudem eine bemerkenswerte Reportage über die Fashion-Industrie die Gemüter wach. „The True Cost“ berichtet von den Leben hinter der schönen Glitzerwelt und zeigt mit deutlichen Bildern, was es heißt, Mode zu konsumieren, die für einen Hungerlohn produziert wird.

All das werden zunehmend für mehr und mehr Menschen Gründe, um ihr Konsumverhalten im Bezug auf Mode zu hinterfragen und Dinge zu kaufen, die fair in die Läden und Onlineshops kommen.

Doch was bedeutet eigentlich Fair Fashion?

Fair Fashion a.k.a. Sustainable Fashion a.k.a. Green Fashion a.k.a. Eco Fashion. Sowie faire Mode a.k.a. nachhaltige Mode a.k.a. grüne Mode bedeutet:

  • Die Hersteller fertigen Kleidungsstücke ausschließlich aus umweltfreundlichen Materialien. Was das genau bedeutet, schauen wir uns noch an.
  • Es wird ein fairer Lohn für faire Arbeit bezahlt. Das heißt, dass es Rechte für die Arbeiter gibt, spezielle Programme unterstützt werden oder gar nicht erst in Billiglohnländern produziert wird. Thema Fairtrade! Des Weiteren werden keine Menschenrechte verletzt, d.h. Kinderarbeit und unwürdige Arbeitsbedingungen sind ausgeschlossen. In der Regel gilt: Think global, act local!
  • Auch bei Vertrieb und Logistik wird darauf geachtet den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.
  • Außerdem gilt generell: Ich konsumiere nur so viel, wie ich brauche. Dadurch verringere ich nicht nur Müll, sondern kaufe auch nur ausgewählte, qualitativ hochwertige Teile und kann so wiederum Labels und Unternehmen unterstützen, die nachhaltig fertigen.

Zwischen den oben genannten Begrifflichkeiten gibt es dabei in Auswirkung und Umsetzung noch Unterschiede. Auch, wenn mittlerweile viele die Begriffe synonym verwenden. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, sondern versuchen seinen eigenen Weg im Nachhaltigkeits-Dschungel zu finden.

Die Materialien

Faire Mode beansprucht auch faire Materialien. Konkret heißt das, dass diese entweder umweltfreundlich hergestellt werden oder unsere Umwelt auf andere Art und Weise entlasten. In den letzten Jahre wurde viel zu diesem Thema geforscht und es konnten sich schon einige, neue Materialien durchsetzen. Auch bei konventionellen Marken wie z.B. Adidas oder H&M spielt die Rolle der umweltschonenden Materialien eine immer größere Rolle. In der Regel gilt, dass Öko-Materialien biologisch abbaubar, natürlichen Ursprungs, erneuerbar und umweltentlastend angebaut sind. Aber auch hier gibt es Unterschiede. Zum Beispiel in den Anteilen, die in der Kleidung enthalten sind. Vor allem, wenn man den konventionellen Markt betrachtet wie z.B. die Conscious Collection von H&M

Fair Fashion // Bio-Baumwolle

Bio-Baumwolle

Der erste und unter Verbrauchern wohl bekannteste Schritt in Richtung nachhaltige Mode ist die Umstellung auf Bio-Baumwolle. Diese muss einige Voraussetzungen erfüllen, um auch so benannt werden zu dürfen. So werden im Produktionsprozess keine Pestizide, chemische Dünger oder Insektizide eingesetzt, die Grundwasser und Erde belasten würden. Die Baumwolle wird also auf natürlichem Weg angebaut. Zudem müssen die Bauern darauf achten keine Monokulturen zu züchten. Dies bedeutet, dass jedes Jahr etwas anderes auf dem jeweiligen Feld angepflanzt werden muss und so z.B. ein wesentlich nährstoffreicherer Boden entstehen kann.
Kommt es zur Erntezeit wird die Bio-Baumwolle per Hand geerntet, so wird das Produkt wesentlich schonender als im konventionellen, maschinellen Prozess zur Weiterverarbeitung gewonnen. Zudem werden wiederum Boden und Umwelt geschützt. Es entfallen beispielsweise Entlaubungsmittel u.ä..
Das Label „Bio“ sagt jedoch nichts über die Weiterverarbeitung und die Achtsamkeit im Produktionsprozess aus. Es ist lediglich sichergestellt, dass die Pflanze per se ein Bio-Produkt ist. Deswegen sollte man beim Kauf von Bio-Baumwolle auch auf weitere Kennzeichnungen wie z.B. Fairtrade oder die entsprechenden Textilsiegel achten, wenn man wirklich ein Bio-Produkt erwerben möchte.
Laut dem Umweltinstitut München e.V. bewahrt man mit dem Kauf eines einzelnen Bio-Baumwoll T-Shirts ganze sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und künstlichem Dünger. Und nicht nur das. Man unterstützt die Bauern vor Ort, die mithilfe von Bio-Baumwolle ein höheres Einkommen erzielen können als mit konventionellem Anbau. Zudem erlaubt es die unterschiedliche Fruchtfolge auf den Feldern die Familien auch unabhängig von der Baumwolle zu ernähren.

Lenzing Modal®

Nachhaltig produziertes Modal, das zu 100% aus nachhaltig bewirtschafteten Buchenwäldern besteht. Die Faser selbst ist eine künstlich hergestellte Faser auf Basis von Cellulose. Da Modal auf einem natürlich Rohstoff basiert, ist es auch hundertprozentig biologisch abbaubar.  Lenzing Modal wird CO2-neutral produziert. Zudem bietet der Buchenwald wichtigen Lebensraum für etliche Tier- und Pflanzenarten. 

Recyceltes Polyester

Polyester ist eine der am häufigsten verwendeten Fasern weltweit. Das große Problem: Polyester wird aus einem nicht-erneuerbaren Rohstoff hergestellt – Erdöl. Umso wichtiger ist es bereits hergestelltes Polyester nochmals zu verwenden. Gerade Outdoor-Bekleidungsmarken nehmen sich dieser Thematik immer mehr an. Fjällräven z.B.  will langfristig ausschließlich aus recyceltem Polyester produzieren. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist das Einsparen von überaus schädlichen Müllverbrennungsprozessen. 

Recyceltes Plastik

Die wohl wichtigste Komponente im Hinblick auf nachhaltige Textilwirtschaft ist tatsächlich das Recyceln. Es gibt mittlerweile einige Unternehmen, die aus Plastik ganze Kleidungsstücke herstellen. Patagonia zum Beispiel stellt aus Plastikflaschen Kleidung und auch Outdoor-Utensilien wie Rucksäcke her. Für eine Fleece-Jacke benötigt Patagonia 25 Flaschen. Dafür werden die Plastikflaschen eingeschmolzen und wie Garn wieder aufgesponnen, um daraus Kleidung zu produzieren.

Hanf

Hanf hat den Vorteil, dass es im Gegensatz zu Baumwolle auch auf europäischen Boden wächst und somit wesentlich energieschonender den Weg zu uns findet. Außerdem braucht Hanf kaum Wasser. Die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts allein verbraucht knapp 2000 Liter Wasser, was sicherlich das größte Problem im Baumwollanbau darstellt. Hanf hat außerdem den großen biologischen Vorteil von Natur aus relativ resistent gegenüber Schädlingen und Erkrankungen zu sein. Damit schließt sich die Notwendigkeit von Pestiziden schon grundsätzlich aus.

Weitere nachhaltige Materialien:
  • Brennnessel
  • Ananas (bzw. deren Blätter als Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie)
  • Lyocell/ Tencel
  • Soja
  • Kork

Und worauf kann ich wirklich vertrauen?

Anders als im Lebensmittelbereich gibt es für das Labeln von Ökomode leider keinen Standard. Es gibt verschiedene Siegel, die das Vertrauen in das Produkt stärken sollen. Jedoch ist nicht jedes dieser Siegel unabhängig. Auch Unternehmen führen Siegel ein, die bestimmte, wichtige Kriterien einfach außen vorlassen, um ihre Produkte grün zu labeln.
Wenn du wirklich Interesse hast ökologisch sinnvolle Produkte zu kaufen, helfen dir vor allem drei Siegel:

  • G.O.T.S steht für Global Organic Textile Standard und ist eine ernstzunehmende Zertifizierung im Ökomodenbereich. Es werden sowohl die Materialien als auch fertigen Produkte zertifiziert und so wird entlang der gesamten Produktionskette geschaut, ob das Teil ökologisch korrekt in unseren Kleiderschrank kommt. G.O.T.S. ist in seiner Beurteilung sehr streng und arbeitet als Verband unabhängig. Dies garantiert eine hohe Glaubwürdigkeit.
  • Fairtrade Certified Cotton zeigt auf, wie sozial ein Produkt gefertigt wurde. Seit 2008 wird in Deutschland Kleidung von dem Unternehmen TransFair damit ausgezeichnet. Für die Bauern bedeutet das, dass sie ihre Baumwolle zu einem Mindestpreis abgenommen bekommen. Außerdem darf keine genmanipulierte Baumwolle enthalten sein und keine Pestizide im Anbau eingesetzt werden. Auch für die Weiterverarbeitung gilt, dass dies unter menschenwürdigen Bedingungen stattfinden muss. Ein Fairtrade-Shirt kostet i.d.R. lediglich rund 3 Euro mehr.
  • Fairwear Foundation sorgt dafür, dass die Menschen in der Produktionskette angemessen bezahlt werden und faire Arbeitsbedingungen haben. Hier geht es also weniger ums Produkt als um dessen Umwelt.

Am Ende gilt: Egal für welches Material oder welche Marke du dich entscheidest, jeder Kauf eines Kleidungsstück hat direkten Einfluss auf unsere Umwelt und dementsprechend Folgen für Mensch und Natur. Deswegen ist es immer noch am nachhaltigsten so wenig Kleidung wie möglich zu kaufen. Außerdem sollte Kleidung nie im Müll landen, sondern beim Ausrangieren am besten gespendet oder wieder verkauft werden. Auch, wenn man selbst Second Hand kauft, tut man der Umwelt damit den größten Gefallen.

Fair Fashion

Second Hand Möglichkeiten

Online gibt es mittlerweile jede Menge Möglichkeiten entweder selbst Second-Hand-Käufer zu werden oder seine aussortierte Kleidung für den Nächsten anzubieten. Hier eine kleine Auswahl:

  • Kleiderkreisel: Auf Kleiderkreisel kannst du sowohl Kleidung anbieten als auch selbst shoppen gehen. Hier kann man vor allem auch das ein oder andere Schnäppchen schlagen.
  • Mädchenflohmarkt: Auf dem Mädchenflohmarkt kann man nicht nur „normale“, konventionelle Kleidung verkaufen, sondern vor allem auch Luxusmarken von A wie Acne bis Z wie Zadig & Voltaire.
  • ASOS Reclaimed Vintage: ASOS hat eine eigene Second Hand Kollektion, die sich vor allem auf Vintageteile und Schmuckstücke aus den vergangenen Jahrzehnten konzentriert.
  • Urban Renewal Vintage: Auch bei Urban Outfitters setzt man auf Kleidungsstücke aus zweiter Hand und bietet tolle Raritäten zwischen Levis und Militaryschätzen.

Trends in der Ökomode

Wir haben Franziska Schmid von Veggie Love gefragt, was denn so die aktuellen Trends im Bereich Fair Fashion sind.

Fair Fashion // Veggie Love // Franziska Schmid„Seit letztem Jahr werden es immer mehr Marken mit Stil. Wie zum Beispiel die beiden Mädels von Jan ´n June, die Pionierinnen sind, und aus ihrem eigenen Bedürfnis heraus das Label gegründet haben. Sie brauchten was bezahlbares und wollten ihren Stil dennoch beibehalten. Es wird immer mehr um Stil und Style gehen. Fair Fashion wird auf jeden Fall immer präsenter, ob es jedoch in den Mainstream übergeht, ist schwer zu sagen.
Außerdem gibt es seit letztem Jahr eine neue Riege von Fair-Fashionbloggern: Sloris aus Hamburg und die Kunstkinder zum Beispiel.“

Es ist sicherlich nicht immer leicht und macht auch nicht immer am meisten Spaß (Adé Spontankäufe!). Letztendlich geht es aber um die Erde, auf der wir leben und die wir erhalten wollen. Und damit doch etwas mehr Spaß in die Sache kommt, haben wir hier einige tolle, nachhaltige und bewusste Teile für euch, die garantiert Lust auf Ökomode machen.

fair fashion // vegan fashion // sustainability

?-Markierung = veganes Label

 1. Pullover aus Bio-Baumwolle von hessnatur
2. T-Shirt aus Bio-Baumwolle von Jan n June ?
3. Longcoat aus Bio-Baumwolle von Lovjoi ?
4. Jumpsuit aus Crepe-Viskose von
Hati-Hati
5. City-Bag aus Kunstleder von Denise Roobol ?

6. Kleid aus Bio-Baumwolle von People Tree?
7. Rock aus verschiedenen Materialien von ASOS Africa
8. Yoga-Pants aus Bio-Baumwolle von OGNX ?

Mein persönliches Fazit

Ich habe mich 2012 bewusst für eine vegane Ernährungsweise entschieden und damit auch unbewusst zu einem nachhaltigeren Lebensstil. Öffnet man diese Schublade erst einmal, lässt sie sich nur schwer wieder zudrücken. Und von da an hieß es: Recherche, Recherche, Recherche. Zu Beginn drehte sich dabei alles rund um Lebensmittel. Relativ schnell wurde mir klar, dass auch Kosmetik alles andere als vegan hergestellt wurde und erst seit letztem Jahr beschäftige ich mich mit dem Thema fairer Mode. Na klar, als ich Veganerin wurde, habe ich recht schnell keine Kleidung mehr mit tierischen Fasern gekauft. Von da an hieß es adé Wolle, Seide und Leder, hallo Kunstleder und Kunstfaser! Aber dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist, war mir eigentlich schon damals klar. Ich gehe kleine Schritte. Versuche immer Neues zu lernen und frage mich mittlerweile bei (fast) jedem Teil, das ich kaufe:

1. Benötige ich dieses?
2. Aus welchem Material ist es hergestellt?
3. Wie und wo ist es hergestellt?

So kauft man mit der Zeit nicht nur viel bewusster, sondern vor allem auch weniger. Ganz ehrlich, ich bin leidenschaftlicher Shopper. Wenn es danach ginge, könnte ich den ganzen Tag nur durch Läden rennen und mich von der Mode berieseln lassen. Aber das muss eben auch anders gehen! Fair und nachhaltig für uns und unsere Umwelt. Natürlich habe ich erst ein paar wirklich nachhaltig produzierte Teile z.B. von Jan ’n June oder People Tree und ja, auch ich verirre mich immer noch zu Monki & Co., aber all das viel bewusster und selbstbestimmter. Und wenn man dann zu H&M geht, dann kann man wenigstens den Pulli aus der Conscious Collection kaufen und nicht das konventionelle Teil, das daneben hängt.
Ich kann euch nur raten, probiert es aus. Es ist viel einfacher als man denkt und macht Spaß macht es tatsächlich auch, weil man schnell merkt, wie gut einem das auch selbst tut. Und wie viel glücklicher man ist, wenn man die ganze Zeit auf ein bestimmtes Teil wartet und dieses dann von einem nachhaltigen Label hergestellt wird.
In diesem Sinne heißt es dieses Jahr für mich so gut es geht: #byebyefastfashion.