900 Views |  Like

Es gibt immer etwas, das du jetzt tun kannst

Oft haben wir grandiose Ideen, große Visionen und Träume – doch schon beim Durchdenken kommen uns erste Zweifel, wird uns ihre Größe bewusst, die uns plötzlich überwältigt, statt inspiriert. Wie wir den Berg vor uns schrumpfen lassen können und warum es immer etwas gibt, das du jetzt tun kannst, erzählt uns Sabrina Gundert.

Manchmal reizt mich die Vorstellung, Künstlerin zu werden. Eine international bekannte, berühmte, begehrte Künstlerin. Doch ich wohne in Engen, einer Kleinstadt zwischen Bodensee, Schwarzwald und Schweizer Grenze. Bringe ich mein Kopfkino zum Laufen, so sagt dieses gleich: Große Künstlerin in Engen? Kannst du vergessen! Wir haben ein Städtisches Museum hier mit guten Ausstellungen, keine Frage, doch mein Kopf erzählt mir was von Berlin, besser noch New York.

Doch wie bekomme ich all meine Bilder dorthin? Was würde ich mit der Katze machen (wenn ich eine hätte)? Wie ohne Auto (das ich tatsächlich nicht habe) den ganzen Umzug bewerkstelligen? Wie ist das eigentlich mit der Steuer in den USA? Und für wann soll ich einen Besuch bei meinen Freundinnen, Freunden und der Familie in Deutschland einplanen?

Ehe ich mich versehen habe, hat mein Kopf aus der Idee „Künstlerin sein“ großes Kino gemacht. Mit vielen Hürden, die es zu überwinden und Schritten, die es zu tun gilt. Auf einmal kommt mir die Idee, die zuvor noch so viel Begeisterung in sich hatte, einfach nur noch schwer und anstrengend vor. Wie ein Projekt, das ich niemals schaffen kann.

Statt begeistert loszulegen, resigniere ich und wende mich wieder dem nächsten, noch offenen Punkt auf meiner To-do-Liste zu.

Doch: Das muss nicht sein. Denn: Wir dürfen zwei Dinge verstehen. Erstens: Dass wir alle diese große Kinoleinwand in unserem Kopf haben. Dass das kein Drama ist, keiner Therapie bedarf, dass wir damit nicht außergewöhnlich sind, nicht alleine. Und: Dass wir dem großen Kino nicht folgen müssen. Denn, zweitens: Es gibt immer etwas, das ich jetzt tun kann.

Wenn ich tatsächlich eine großartige Künstlerin werden will, kann ich noch heute ins Schreibwaren- oder Künstlerbedarfgeschäft gehen und mir eine Leinwand, Pinsel und Farben kaufen. Und erst einmal damit anfangen, zu malen. Mein erstes Bild zu malen.

Oft ist der Berg vor uns schon riesgengroß, bevor wir real überhaupt einen Schritt gemacht haben. Erinnern wir uns selbst immer wieder daran, Schritt für Schritt zu gehen, werden wir uns selbst zu großartigen Wegbegleiterinnen und Mentorinnen. Denn wir sehen, was wirklich ist. Wir erkennen, dass das Kino in unserem Kopf zwar sehr 3D, HD und Dolby Surround ist und erinnern uns zugleich immer wieder an das, was wir hier und jetzt wirklich tun können.

es gibt immer etwas, was wir jetzt tun können.

Und das ist viel. Manchmal mag uns dabei der erste, nächste Schritt absolut unwesentlich vorkommen. Zu klein, zu unwichtig – und doch: Oft stellt sich hinterher der Minischritt als der wichtigste überhaupt heraus. Weil er der war, der den Stein ins Rollen gebracht, der uns hat anfangen und unsere Idee tatsächlich in unser Leben bringen lassen.

Wir alle wissen, wie weh es tut, wenn wir auf einer Wanderung einen kleinen Stein im Schuh haben. So einer von der Sorte, die drücken und pieksen und wo du keinen Schritt mehr machst, ohne, dass es einfach nur unangenehm ist. Und wir alle wissen, wie angenehm es ist, wenn wir diesen kleinen Stein aus dem Schuh wieder rausgenommen haben. So mag der Stein, den wir von dem riesigen Berg vor uns abtragen – sprich, der konkrete Schritt, den wir gehen – uns mickrig vorkommen und in seinem Kern doch so bedeutsam sein.

Daher: Frage dich nicht, was du noch alles wissen, welches Seminar du noch belegen, wie viel Geld du noch haben musst, um endlich loszulegen.

Beginne heute mit dem, was da ist.

Mache was aus dem, was du hast. Und erinnere dich: Es gibt immer etwas, das du jetzt tun kannst. Immer.

Sabrina GundertSabrina Gundert begleitet Frauen mit ihren Coachings, Seminaren und Büchern dabei, ihr Leben bewusst zu gestalten, zurückzufinden in ihre Kraft und ein Leben zu leben, das sie tief erfüllt. In ihrer Arbeit verbindet sie Tiefe mit Leichtigkeit und einem herzlichen Lachen, was sie selbst als gebürtige Rheinländerin wie auch die Frauen, die zu ihr kommen, besonders schätzen. Sie lebt im Hegau mit Blick auf Vulkankegel, die Weite des Bodensees und die Schweizer Berge. Alle weitern Infos dazu findet ihr auf www.handgeschrieben.de