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Der junge Feminismus braucht dich!

Lieber junger Mensch, 

hast Du Dich schon immer einmal gefragt, warum seit Trump immer mehr Menschen Pussy Hats tragen?  Findest Du es unfair, dass Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert sind? Und kannst Du einfach nicht verstehen, wieso die Ehe für alle noch nicht überall auf der Welt beschlossen wurde? Dann solltest auch Du Dich für Gendergerechtigkeit stark machen!

Der Begriff Feminismus mag vielleicht veraltet wirken und mit vielen unzutreffenden Konnotationen behaftet sein, dabei steckt dahinter eine relativ simple und logische Idee: Gendergerechtigkeit. Anders als man es zunächst vermuten mag, bedeutet Feminismus nicht nur sich ausschließlich für Frauenrechte einzusetzen, vielmehr steht ein junger, moderner, progressiver Feminismus für ein inklusives Bild der Geschlechter, für Gendergerechtigkeit. Das traditionell binäre Verständnis der Geschlechter wird durchbrochen, die Idee der Selbstbestimmtheit in den Mittelpunkt gerückt.

Das schließt somit neben dem historisch bedingten Fokus auf Frauen, auch die Rechte von Männern und Queer-Personen mit ein.  Warum also ist ein junger Feminismus so wichtig? Ganz einfach, viele Geschlechterrollen und -stereotype werden bereits im Vorschulalter perpetuiert. Je früher ein Bewusstsein hierfür entsteht, desto selbstbewusster kann ein Mensch sich entwickeln und zu einem gesamtgesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Offenheit, Toleranz und Respekt beitragen. 

Manchmal wirkt die Frage, wieso ich Feministin bin, fast ironisch: Wie oft wurde einem als Mädchen mitgeteilt, dass man nicht so gut in Mathe und den Naturwissenschaften sei wie die Jungs  – in der Oberstufe wählten genau zwei Mädchen den Physik Leistungskurs! Wie oft musste man auf dem Nachhauseweg versuchen, die Zurufe oder Kommentare zu ignorieren und zweifelte irgendwann selbst daran, ob das Outfit vielleicht doch zu kurz war? Wie oft sind auf Podiumsdiskussionen zu gesamtgesellschaftlich relevanten Themen keine Frauen vertreten? Wie oft wundern sich andere Frauen darüber, dass ich mich nicht jeden Tag schminke? Wie viele Bücher und Filme gibt es, in denen (es nichts Besonderes ist, dass) die Protagonistin eine Frau ist? Wie oft wird einem durch Zeitschriften vermittelt, dass man zu dick ist oder welche Charaktereigenschaften für Männer attraktiv sind?

Einige dieser Beispiele kommen Dir sicherlich bekannt vor. Ich könnte die Liste ewig weiter führen, und genau das ist das Problem. Sämtliche Erwartungshaltungen der Gesellschaft, die sowohl von Männern als auch, erschreckenderweise, von anderen Frauen ausgehen, diminuieren meine Existenzberechtigung als gleichwertiger Mensch, zwingen mich eine bestimmte Rolle einzunehmen und schränken somit ganz unterbewusst  meine Freiheit ein. 

Nicht nur unser Alltagsleben ist, wenn auch unbewusst, von sexistischem und diskriminierendem Verhalten geprägt, ein fehlendes Bewusstsein für feministische Werte führt dazu, dass in Deutschland 20% aller Frauen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, in 6% ist das selbst bei identischer Qualifikation und Erfahrung der Fall. Wirkliche Geschlechtergerechtigkeit ist in diesem Bereich erst dann erreicht, wenn es zur Normalität wird, dass eine durchschnittlich intelligente Frau, in eine Top-Position kommt, und ein berufstätiger Mann für die Kindererziehung für eine gewisse Zeit zu Hause bleibt.

Auf globaler Ebene sind die Implikationen von Genderungerechtigkeit noch viel verheerender. Jede vierte Frau wird einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Frauen haben in vielen Ländern keinen gleichen Zugang zu Bildung, werden zwangsverheiratet, haben nicht die gleiche Möglichkeit Eigentum zu erwerben – kurzum – sie haben teilweise nicht einmal rein rechtlich die gleiche Möglichkeit wie Männer ihr Potential zu entfalten.

 

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Was also kannst Du dagegen tun?

Der erste Schritt ist bereits getan, durch die einfache Diskussion über die Problematik rückt das Thema in die Aufmerksamkeit der Gesellschaft. Schreibe darüber, poste, fotografiere, tausche Dich mit anderen aus. Was auch immer Deine Interessen sind, es gibt tausende Möglichkeiten, sich für Gendergerechtigkeit stark zu machen. Und, wenn Dir das alles noch nicht genug ist, kannst Du zivilgesellschaftlichen Organisationen beitreten oder dich politisch engagieren. Wenn Du Dich z.B. für globale Themen interessierst, ist mein Favorit die entwicklungspolitische Lobby- und Kampagnenorganisation ONE. Hier kannst Du als Jugendbotschafterin oder -botschafter durch Gespräche mit hochrangigen Persönlichkeiten und Kampagnen unter dem Motto „Armut ist sexistisch“ für das Ende extremer Armut kämpfen. Auch der neugegründete Arbeitskreis Gendergerechtigkeit der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) beschäftigt sich mit vielen feministischen Themen. Im März 2017 bin ich als eine der beiden DGVN Jugendbeobachterinnen sogar nach New York gereist, um dort an der UN Frauenrechtskommission teilzunehmen und die Meinung deutscher junger Frauen zu vertreten. Wenn Du Dich lokal an Deiner Uni oder Schule engagieren möchtest sind die Golden Z Clubs von Zonta International, einem internationalen vertretenem Club, der sich für die Rechte Frauen und Mädchen einsetzt, genau das Richtige. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele weitere Organisationen, die zum Teil sehr unterschiedliche Schwerpunkte haben.  Per Internetrecherche findest auch Du die richtige Gruppe für Dich. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt! 

Deine
Tiaji

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Tiaji Sio - Der Feminismus braucht dich„Smash Power Structures“ – ja, das könnte der Leitspruch von Tiaji sein. Denn sie ist der festen Überzeugung, dass es eine unverzichtbare Notwendigkeit für unsere Gesellschaft ist, geschlechtsspezifische Stereotypen herauszufordern und sich darum zu bemühen, die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen. Dafür kämpft sie. Jeden Tag. Keine Frage also, dass ihr absoluter Lieblingssong „Talkin‘ bout a revolution‘ von Tracy Chapman ist. Erst kürzlich wurde sie als Jugendbeobachterin ausgewählt um in New York bei der UN Frauenrechtskommission die Anliegen und Perspektiven junger Menschen im Kampf für eine gendergerechte Welt darzustellen. Unerfüllte, von den Medien perpetuierte Schönheitsideale, gläserne Decke, Gender Pay Gap, Unterdrückung und so viel mehr. Die Liste ist lang. You know the game. Und so ruft Tiaji hinaus in die Welt: „Women unite – let’s smash the patriarchy!“

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Anmerkung der Redaktion: Um Tiaji’s Plädoyer für den Feminismus auch visuell gerecht zu werden, haben wir uns entschlossen, euch ein paar Künstlerinnen vorzustellen, die ebenfalls Themen wie Equality, Female Empowerment, Selbstliebe, Body Positivity uvm. in ihren Arbeiten  visualisieren. 

1) Jessica Fernández – Illustratorin. Lebt in Costa Rica. Ihre Pins kannst du hier bekommen: Pin Game!

2) Hayley Powers Thornton-Kennedy – Illustratorin, Designerin, Maker. Lebt in Baltimore. Ein kostenfreies Protestposter von ihr kannst du dir hier downloaden: Show your protest!

3) Aura Lewis – Illustratorin aus NYC. Ihr Artwork vertreibt sie z.B. hier: Celebrate women’s march 2017!

Photocredit: Title picture by Jessica Fernández (found on Instagram)