Irgendwann, als ich so zwischen 14 und 18 Jahren alt gewesen sein muss, schrieb ich mit meiner besten Freundin eine Liste, was wir alles erlebt haben wollen bis wir 30 sind. Ich möchte euch jetzt nicht das ganze traurige Herz eines jungen Teenagers hier offenbaren, aber auf diesem Zettel standen u.a. Dinge wie „Den Mann für’s Leben kennenlernen“ oder auch „Einen Doktortitel haben“. Nun gut, manches davon ist in Erfüllung gegangen, anderes eher nicht. Doch auch in jungen Jahren wusste ich schon, dass das Abenteuer nicht zu kurz kommen sollte: „Einen Fallschirmsprung machen.“ Über die Jahre ist der Respekt vor der Höhe dann doch stetig gestiegen und so ersetzte mein 10 Jahre älteres Ich diesen Punkt einfach mit „Tauchen gehen“. Und siehe da, vor ein paar Wochen sollte es dann endlich soweit sehen:

Das erste Mal Tauchen

Die Unterwasserwelt hat mich schon immer angezogen und so wuchs nach und nach der Wunsch einen Tauchkurs zu machen. Da dies nicht gerade günstig ist und in Deutschland anfangs auch gar nicht so verlockend wirkt, habe ich es dann aber doch immer weiter vor mir hergeschoben. Doch wozu hat man gute Freunde? Zum Geburtstag beglückte mich eine Freundin mit einem Gutschein fürs Schnupper-Tauchen. Ich war im siebten Himmel und plötzlich auch ein bisschen aufgeregt. Natürlich will ich euch dieses Erlebnis nicht vorenthalten.

Hier mein Log-Buch zu einem der aufregendsten Dinge, die ich bis dato gemacht habe.

Berlin, 11.07.2015 10.00 Uhr

Treffen am Supermarkt. Bier und Grillzeug für danach. Am liebsten ‚nen Schnaps für davor. Aber: Kein Alkohol am Tag vor dem Tauchgang. Schade!

Autobahn, 11.07.2015 11.00 Uhr

Stau. Wir haben genug Zeit unseren Online-Lehrgang zu wiederholen. In der Theorie sieht das alles ganz einfach aus. Wie ging noch mal der richtige Druckausgleich?

Parsteiner See, 11.07.2015 13 Uhr

Dank Stau reichlich verspätet angekommen. Uns empfangen zwei Männer mit einem dicken Grinsen. Na, uffgeregt? Ich, ganz die Coole: „Nee, gar nicht. Wo ist hier die Toilette?“

Parsteiner See, 11.07.2015 13.30 Uhr

Die Einverständniserklärung ist unterschrieben. Ich habe nicht geschummelt und gebe an, dass mir beim Bootfahren schlecht wird. Darf ich jetzt überhaupt noch mit?

Parsteiner See, 11.07.2015 13.40 Uhr

Die Einweisung beginnt. Der Tauchlehrer stellt uns gewitzte Fragen, um zu überprüfen, ob wir tatsächlich den Onlinekurs selbst durchgeklickt oder 5 Euro an den Nachbarn abgedrückt haben, um sich die 100 Seiten und unzählbaren Videos einzuflößen. Ich weiß nichts mehr! Die 5 Euro habe ich trotzdem noch.

Parsteiner See, 11.07.2015 13.50 Uhr

Was trage ich denn jetzt eigentlich unter dem Neopren-Anzug? Nichts! Oder naja, weil wir uns noch nicht so lange kennen: Badeanzug. Alles klar, schnell in den Pressluftflaschen-Raum, 1qm zum Umziehen. Und zack: ich fühle mich in die 90er zurückversetzt und träume in meinem Adidas-Sport-Badeanzug von abenteuerlichen Baywatch-Rettungsaktionen.

Parsteiner See, 11.07.2015 14.00 Uhr

Umzug zum Vorbereitungsplatz. Die Pressluftflasche wird, dank Schnuppertauchen, von unserem Tauchlehrer vorbereitet. Ich habe mein Leben nicht selbst in der Hand. Glück gehabt! Wir sollen uns schon mal in die anmutigen Neopren-Anzüge zwängen. Ich fühle mich wie eingegipst. Wird wohl nichts mit dem Meerjungfrauen-Feeling unter Wasser.

Parsteiner See, 11.07.2015 14.05 Uhr

In voller Montur waten wir zu unserem Boot, das uns raus auf den See bringen soll. Das Blei drückt auf die Hüfte. Die Flasche lässt mich fast nach hinten kippen. Ich habe schlagartige das Doppelte meines Körpergewichts. Der Respekt wird größer!

Auf dem Parsteiner See, 11.07.2015 14.10 Uhr

Glasklares Wasser. 4m Sicht bis zum Grund. Einer der Tauchlehrer lässt sich rückwärts ins Wasser fallen. Der Zweite sagt, wir sollen es ihm gleich tun. Wie jetzt? Ich dachte, das machen die nur fürs Fernsehen? Keine Zeit weiter drüber nachzudenken. Nett, aber bestimmt, wird runter gezählt.

Im Parsteiner See, 11.07.2015 14.11 Uhr

Waaaaaaaawwww. Oh mein Gott! Wie geil war das denn? Der erste Atemzug unter Wasser. Sofort wieder aufgetaucht. Ich liege wie ein Pottwal im Wasser, überhäuft von Glücksgefühlen – ein glücklicher Pottwal. Die anderen schauen mich entgeistert aus dem Boot an. Können nicht wirklich lachen.

Im Parsteiner See, 11.07.2015 14.15 Uhr

Alle sind im Wasser. Der Tauchlehrer fragt, ob alles in Ordnung ist. Wir nicken leise, sind immer noch unsicher, was nun kommen wird.
„Und jetzt setzen wir uns alle erstmal unten auf den Boden und dann tauchen wir langsam Richtung Westen.“ Ja ne, ist klar, ich habe keine Ahnung, was ich tue und folge einfach den Anweisungen.

Im Parsteiner See, 11.07.2015 Zeitgefühl nicht mehr vorhanden

Knacken. Auf einmal ein Stechen. Ich bewege meinen Unterkiefer. Atme gegen meine zugedrückte Nase. Druckausgleich für Anfänger!

Erste „Schritte“ unter Wasser. Noch unbeholfen. Das Tariersystem habe ich noch nicht im Griff. Dafür meinen Tauchlehrer immer an der Seite. Ich fühle mich zwar unsicher, habe aber keine Angst.

Atmen unter Wasser ist so schön!

Ich konzentriere mich nur auf meine Ausrüstung. Wir hätten auch in den letzten Tümpel springen können. Ich sehe sowieso weder Pflanzen noch Fische.

Plötzlich habe ich meine Truppe verloren. Panik steigt auf. Ich tauche auf. Viel zu schnell. An der Oberfläche reiße ich mir mein Mundstück raus, vergesse aber meine Weste aufzupumpen. Ich glucker unten. Oh nein, ich werde ertrinken. Warum hilft mir denn keiner? Ist hier irgendwer?

Endlich! Der richtige Knopf. Ich schwimme auf dem Wasser. Muss meilenweit getaucht sein. Bin erschöpft. Eine Drehung nach rechts verrät: das Boot ist 4 Meter entfernt.

Mein Tauchlehrer taucht auf. Alles klar? Ja logo, musste nur kurz hoch. Easy!

Note to myself: Niemals nie nimm das Mundstück an der Wasseroberfläche raus, wenn deine Weste noch nicht mit Luft gefüllt ist!

Ich tauche wieder ab, wir finden die anderen. Waren quasi einen Steinwurf von mir entfernt. Ich werde sicherer.

Tauchen macht Spaaaaaß!

Ich fühle mich schwerelos, habe meinen Körper nun im Griff. Ha, als würde ich das schon Jahre machen! In dem Moment schwimme ich gegen die Flosse meines Vordermanns.

Wir tauchen gemeinsam auf. Alle sind happy! Ich spüre dennoch die Unsicherheit. Und nun, ein paar Übungen unter der Wasser: Brille abnehmen, Mundstück rausnehmen. Hahaha, ganz sicher… nicht.

Abtauchen. Blubb Blubb Blubb. Die Übungen beginnen. Ich bin nicht die Erste. Yes!

Auf einmal verschlucke ich mich. Muss husten. Mein Mundstück fällt raus. OH MEIN GOTT! WIE KANN ICH JETZT WEITERATMEN!? Ich stecke das Mundstück wieder rein. Ich atme. Oh, so leicht?

Brille ab, Pusten. Atmen. Brille auf. Mundstück raus. Mundstück rein. Ein Heidenspaß in der Stille des Sees.

Ein letztes Mal auftauchen. Das war’s! Wie es uns gefallen hat!? Das war das geilste Erlebnis ever! Und ich will sofort meinen Tauchschein machen und alle Meere dieser Welt erkunden!!

Auf dem Parsteiner See, 11.07.2015 15.30 Uhr

Die Ausrüstung wird im Wasser abgenommen. Alter Tauchlehrer-Trick. Wir legen uns, nur im Neopren-Anzug, auf den See und… schweeeeben. Ein wunderschöner Abschluss.

Parsteiner See, 11.07.2015 15.45 Uhr

Völlig erschöpft. Rauschen im Ohr. Grinsen im Gesicht. Lebensfreude pur!

Faktencheck:
Abenteuer 10/10
Spaßfaktor 8/10
Wiederholungsbedarf 10/10

Wenn euch jetzt auch die Lust gepackt hat, empfehle ich euch auf jeden Fall die Tauchbasis am Parsteiner See. Ich habe mich dort rundum sicher und wohl gefühlt und der See ist wirklich sehr schön. Da es direkt in einem Campingplatz liegt, konnten wir sogar für kleines Geld noch eine Nacht dort schlafen und die Seele baumeln lassen.

>>> Tauchschule Nemo
>>> Campingplatz Parsteiner See

Was sagst du dazu?

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.