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Das erste Mal… eine Menstruationstasse benutzen

„Sagen Sie, verkaufen Sie auch wiederverwendbare Damenbinden?“ Wie bitte? Habe ich das richtig gehört? Ich drehte sofort den Ton meiner Kopfhörer leiser, um das Gespräch zwischen einer Kundin und der Verkäuferin im Naturkosmetikladen besser verstehen zu können.

Irritierte Verkäuferin: „Wie wiederverwendbar?“

Kundin: „Naja, sodass ich sie waschen und dann wiederverwenden kann. Aus Baumwolle zum Beispiel.“

Verkäuferin: „Äh, also wir führen sowas nicht. Ich habe auch noch nie von sowas gehört?“

Ich glaube, ich stand mit offenem Mund in diesem Laden und musste mich fix wieder fangen, sodass es nicht auffiel. Ok, mir war bewusst, dass ich mich in einem sehr ökolastigen Kosmetiklädchen mitten im Prenzlauer Berg befand, aber diese Frage warf mich tatsächlich aus der Bahn. Allein die Vorstellung jeden Monat diese Binden (eventuell irgendwie) zu sammeln, dann in die Waschmaschine zu stecken (oder Handwäsche?) und dann sorgfältig Wäscheklammer für Wäscheklammer auf dem Waschständer aufzuhängen. Was wohl mein Freund dazu sagen würde jeden Monat diese Lappen zu sehen? Wir alle wissen, dass trotz bestem Waschmittel und Superfunktionswaschmaschine unsere Schlüppies dennoch nie wieder so unversehrt aussehen, wenn doch mal etwas Blut darin gelandet ist. Wie sollen dann diese wiederverwendbaren Baumwohlbinden nach ein paar Zyklen aussehen? Und was kommt als nächstes? Wiederverwendbare Tampons?

Okay, versteht mich nicht falsch. Ich bin weder Hygienefanatikerin noch Spießerin. Mir ist auch meine Regel nicht peinlich. Aber das geht mir doch zu weit. Nicht, dass ich nicht auch schonmal über Alternativen nachgedacht hätte. Jeden Monat dieser Müll. Jeden Monat nicht nur mein Müll, sondern auch der von all den Frauen auf der ganzen Welt. Und warum meinen wir, dass Binden und Tampons gesundheitlich die beste Lösung sind? Und schon mal hochgerechnet, was uns diese Hygieneartikel jährlich so kosten?

Ich finde, es ist also Zeit, mal über Alternativen zu sprechen!

Vor ein paar Monaten war ich auf der Entre.Fem und traf Maxie und Eva von Ruby Cup, die einen spannenden Vortrag über ihr Geschäftsmodell mit sogenannten Menstruationstassen hielten. Ich war sofort begeistert. Nicht nur ihr sympathisches Auftreten und ihr beeindruckendes Geschäftsmodell (dazu unten mehr) faszinierten mich, sondern  vor allem die Tatsache, dass es so etwas wie Menstruationstassen gibt. Noch nie zuvor hatte ich etwas über Menstruationstassen gehört und ich konnte kaum glauben, dass es tatsächlich so einfach sein könnte, eine Alternative zu finden, die so unkompliziert wie ein Tampon sein sollte. Testpilotin // Menstruationstasse

Was ist eine Menstruationstasse und wie funktioniert sie?

Menstruationstassen sehen aus wie ein Trichter, nur eben ohne Loch, und bestehen aus 100% hochqualitativem, medizinischem, hypoallergenem Silikon. Es gibt sie in verschiedenen Größen von klein bis groß, also für leichte und stärkere Tage. Sie sollen sich so einfach wie ein Tampon einführen lassen und im Trichter wird das Menstruationsblut aufgefangen. Je nachdem wie stark die Monatsblutung ausfällt, wird empfohlen die Menstruationstasse alle 4-12 Stunden zu entleeren. Nach kurzem Ausspülen mit Wasser aus dem Hahn lässt sie sich sofort wieder einsetzen. So einfach, so gut also! Und welche Vorteile hat sie noch?

Dieser Überblick von Ruby Cup erläutert die Vorteile von Menstruationstassen sehr gut:

Testpilotin // Menstruationstasse

Nach dem Vortrag sprach ich begeistert Eva an und sie schenkte mir eine ihrer Ruby Cups zum Testen. Direkt beim nächsten Zyklus sollte das Projekt #testpilotin für Menstruationstassen starten. Gesagt, getan!

Hier mein erster Erfahrungsbericht:

Ich holte die Menstruationstasse aus dem Baumwollsäckchen heraus und bestaunte sie zunächst eine Zeitlang. Mh, nicht gerade klein das „Tässchen“ im Vergleich zum Tampon – wie soll ich die bloß einführen? Die beiliegende Beschreibung erklärte mir zwar, dass ich die Tasse falten sollte um sie einzuführen, ich blieb aber dennoch kritisch, ob das so einfach ginge. Immerhin war sie auch in gefalteter Form breiter als ein gewöhnlicher Tampon und gerade, wenn man vielleicht nicht so entspannt ist wie zuhause und das Ding unterwegs mal schnell irgendwie wechseln – oh ähm ausspülen und wieder einführen – möchte. Ich schaute mich noch eine Weile im Netz um und las ein paar Erfahrungsberichte anderer Mädels. Das machte mich selbstsicherer.

Testpilotin // Menstruationstasse
Das Einführen ging eigentlich doch recht einfach und ich war sofort überrascht, dass ich so gut wie nix spürte. Wow. Unsicher war ich mir jedoch, ob es auch an der richtigen Stelle war. Aber da ich nichts spürte und sich alles soweit gut anfühlte, beschloss ich, dass es wohl an der richtigen Stelle sein müsste. Ich zog los zu meinen Eltern zum Grillabend. Alles fühlte sich entspannt an. Irgendwann gegen Ende des Abends spürte ich jedoch, dass ich wohl mal die Tasse ausspülen müsste. Dies wollte ich aber fürs erste Mal zuhause machen, um dabei etwas entspannter zu sein. Tja und was passierte zuhause trotz entspannter Atmosphäre? Ich zog an dem unteren Nippel, wie auf der Abbildung abgebildet, und bekam das Ding nicht raus. Ich versuchte mich noch entspannter als entspannt zu machen, aber die Vorstellung, dass „Tässchen“ nicht selbst herauszubekommen, sondern womöglich in der Notaufnahme entfernen zu lassen, versetzte mich in leichte Panik. Nach einigem hin und her beschloss ich meinen Freund in den Sachverhalt einzuweihen um gemeinsam zu überlegen, was nun am besten zu tun wäre. Ein Glück sag ich euch! Natürlich entglitt ihm sämtlicher Gesichtsausdruck, als ich erklärte, was ich gerade als Testpilotin so machte, aber nachdem ich ihm ausführlich das Produkt und die Funktionsweise erklärte, sagte er nur sehr sachlich: „Ähm, aber Baby du kannst doch nicht einfach dran ziehen, vermutlich hat sich ein Vakuum gebildet und dieses musst du erst aufheben, sonst kriegst du das Ding nie raus! Am besten du drückst die Tasse zusammen und ziehst dann.“ Scheiss Physikszeugs. Knalle rot verzog ich mich wieder aufs Klo, atmete dreimal tief ein, quetschte die Tasse zusammen, zog und schwupps war sie draußen. Dadurch, dass die Tasse nicht randvoll war (soviel Blut verliert man ja nicht während der Regel), gab es auch kein Ausschwappen oder Kleckern. Ich goss die Tasse leer und fünf Zentner Steine fielen mir vom Herzen. Ich stellte zudem fest, dass es auf jeden Fall vor dem erneuten Einsetzen Sinn macht, die Menstruationstasse noch einmal mit Wasser auszuspülen, da sich die Schleimhautreste nicht so einfach auskippen lassen.
Also Mädels, lasst es euch eine Lehre sein, nicht am Nippel ziehen, sondern einfach die Menstruationstasse mit Zeigefinder und Daumen zusammendrücken und ziehen! Während des Zyklus verwendete ich die Menstruationstasse noch ein paar Mal, aber immer nur, wenn ich wusste, dass ich rechtzeitig wieder zuhause sein konnte, um sie auszuspülen. Unterwegs habe ich sie leider nicht getestet. Nach der Aufregung, wollte ich mir dies für den nächsten Monat aufsparen. „Leider“ ist es dazu nicht mehr gekommen. Denn aufgrund meiner Schwangerschaft hatte ich meine Regel seitdem nie wieder. Daher kann ich hier leider nicht mit einem Langzeitbericht glänzen, hihi. Aber lasst euch eins gesagt sein, ich werde sie 100% wieder verwenden.

Hier erklären Ruby Cup übrigens sehr gut, auf was man achten sollte, wenn man unterwegs ist und die Menstruationstasse hygienisch ausspülen möchte.

Über Ruby Cup und ihr tolles Geschäftsmodell

In ihrem bewegenden Vortrag stellten Maxie und Eva ihre Gründungsidee vor, welche mittlerweile nach dem Prinzip “Buy One, Give One” funktioniert: Ähnlich wie bei Toms Schuhe ermöglicht es Ruby Cup, sobald hier in Deutschland eine Menstruationstasse über ihren Onlineshop gekauft wird, ebenfalls eine Tasse an ein Mädchen in Afrika zu spenden. Vor Ort arbeiten sie mit lokalen Partnerorganisationen zusammen und verteilen die Ruby Cups, momentan vor allem in Kenia. Warum machen sie das? Nun ja, wie wir alle wissen, ist Menstruation immer noch weltweit ein Tabuthema. Und in manchen Regionen, vor allem in Entwicklungsländern wie Kenia, ist es so drastisch, dass Frauen vom gesellschaftlichen Alltag ausgeschlossen werden und junge Mädchen infolgedessen häufig der Schule fernbleiben. Dies liegt zum einen daran, dass sie sich die notwendigen Hygieneprodukte nicht leisten können sowie aus Unsicherheit und Schamgefühl, da die improvisierten und teils auch nicht sehr hygienischen Lösungen Gefahr drohen durchzubluten. Doch nur eine Schulbildung kann dazu führen, dass diese jungen Frauen unabhängiger, selbstbewusster und selbstständiger werden. In ihrem Vortrag berichteten die Mädels, dass die Mädchen in Afrika ihnen erzählten, dass Ruby Cup ihr Leben positiv verändert hat.

Einen Ruby Cup erhältst du entweder über den eigenen Onlineshop oder über diese Shops.