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Citizen2Be: Dieses Crowdfunding braucht unsere Solidarität und Unterstützung!

Auf dem Boden ein paar frische Tulpen, eine leicht flackernde Kerze auf einem bunten Teppich. Bettina liegt mit geschlossenen Augen neben diesem frühlingshaften Arrangement. Durch den pinken Vorhang fällt gedämpftes Licht und die massierenden Hände an ihren Schultern scheinen sehr wohltuend zu sein, deutet man Bettinas Gesichtsausdruck richtig. Die Frau, die Bettina sanft massiert, hat ebenso ein großes Lächeln im Gesicht. Ihr Kopftuch hat die selbe Farbe wie die Vorhänge an den Fenstern. Etwas gedeckter, aber auch rosa. Die Stimmung im Raum ist liebevoll, vertraut. Man spürt die Geborgenheit in der Luft.  Während sich Bettina in den herabschauenden Hund begibt, bekommt sie von Duaa einfühlsame Hilfestellungen.

Yoga und Flüchtlingsarbeit – wie passt das zusammen? Die Antwort darauf liefert Bettina Schuler mit ihrem Projekt Citizen2Be. Was zunächst wie zwei aufeinanderprallende Welten zu sein scheint, ergibt im Gesamten etwas ganz Wundervolles, von dem bislang schon viele geflüchtete Frauen profitieren konnten. Nachdem Bettina anfing in einem Heim Yoga anzubieten, wechselte sie 2015 ins Jivamukti Yoga Studio in Berlin Mitte, um nun endlich in den eigenen vier Wänden, einem eigenen, geschützten Ort, Unterrichtsstunden für geflüchtete Frauen anbieten zu können. Bislang alles finanziert von großzügigen HelferInnen und Crowdfunding. 

Und hier kommt ihr ins Spiel: Bettinas aktuelle Crowdfunding-Kampagne läuft noch genau 6 Tage. 6 Tage, um sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen nicht nur Yoga anbieten zu können, sondern eine eigene Yoga-Trauma-Therapie für die Frauen zu realisieren. Und mal ganz unter uns, die Dankeschöns sind einfach richtig, richtig schön. Ihr spendet also nicht nur für eine gute Sache, sondern bekommt noch etwas richtig Schönes zurück.

Was es damit auf sich hat und noch einige Argumente, warum es sich lohnt dieses tolle Projekt in der Hauptstadt zu unterstützen, erfahrt ihr in unserem Interview mit Bettina.

1. Du sprichst es im Crowdfunding-Video selbst an, brauchen geflüchtete Frauen nicht Wichtigeres als Yoga?

Bettina: Wobei wir schon bei der Frage wären, was im Leben wichtig ist: Ein sicheres Umfeld? Auf jeden Fall. Eine Wohnung? Sicher. Aber ist es nicht auch wichtig, sich in seiner eigenen Wohnung, dem Körper, wohlzufühlen?
Grade dann, wenn man sein gewohntes Umfeld, seine Kultur verlassen musste? Ist es nicht dann ganz besonders wichtig, dass man sich zumindest in seinem eigene Körper heimisch fühlt? Und genau an diesem Punkt setzt das Yoga an.

2. Kannst du uns eine Erfolgsgeschichte aus deiner Arbeit erzählen?

Für mich ist es schon ein Erfolg, wenn jemand nach der Stunde mit einem Lächeln auf dem Gesicht aus dem Savasana aufsteht. Aber natürlich bin ich ganz besonders stolz auf Duaa. Eine junge syrische Frau, die dank Wiebke Mohme, die ihr einen Platz in ihrer Yogalehrerausbildung geschenkt hat, nun selber Yogalehrerin wird.

3. Wo stößt du an deine Grenzen?

Ich bin keine Therapeutin. Ich kann und bringe den Frauen Empathie entgegen, bin aber nicht dazu qualifiziert an ihren Traumata zu arbeiten. Weshalb ich auch nichts öffne, was ich nicht halten kann. Doch genau dafür haben wir nun Gesa Schramm, eine Therapeutin in unserem Team, die genau diese Lücke mit ihrem Wissen und ihrer Kompetenz füllt. Sie ist ein wahres Geschenk.

4. Wie setzt ihr das Geld vom Crowdfunding ein?

Das Geld für das Crowdfunding fließt in den Aufbau der Yoga-Trauma-Therapie. Wir bezahlen also die Therapeutin davon. Und natürlich muss auch weiterhin die Miete des Yoga-Raums bezahlt werden. 

5. Was bedeutet Yoga-Trauma-Therapie?

Davi Emerson hat in den USA bereits vor Jahren das Trauma Sensitive Yoga entwickelt, eine ganz spezielle Form des Yogas, das sich an Menschen richtet, die ein Trauma erlebt haben. Ich habe kürzlich das Glück gehabt eine Weiterbildung bei ihm machen zu können. Dieses Wissen wollen wir nun in unsere Arbeit einfließen lassen. Wir werden also nun damit beginnen durch One-to-One Yogastunden und einer gleichzeitigen Psychotherapie, derjenigen dabei zu helfen, das Trauma sowohl physisch als auch psychisch zu verarbeiten. Sodass die Patientin sich am Ende, hoffentlich wieder ganz in ihrem Geist und Körper zu Hause fühlt. 

6. Welche Mechanismen helfen, damit geflüchtete Frauen bei uns wirklich ankommen können?

Ich glaube, dass Kontinuität ein sehr wichtiger Faktor ist. Menschen zu kennen, auf die sie sich verlassen können. Und sie nicht auf Grund ihrer Herkunft, Religion oder was auch immer ein eine Schublade stecken.

7. Wie erlebt ihr im Projekt Solidarität?

Die Frauen sind untereinander unglaublich solidarisch. Und ich selbst habe innerhalb der Yoga-Community auch eine unbeschreibliche Solidarität erfahren. So viele Menschen, die ich nicht kenne, haben mich angeschrieben, mir ihre Hilfe angeboten. Geld und Matten gespendet. Das hat mein Herz wirklich sehr berührt. An dieser Stelle muss ich aber vor allem Jivamukti Berlin danken, die mich von Anfang an mit Rat und Tat unterstütz haben. So auch wieder bei diesem Crowdfunding. Ohne Anja und Christian wäre das alles niemals möglich gewesen. Das ist für mich auch gelebtes Yoga. Dort zu helfen, wo Hilfe notwendig ist.

8. Yoga birgt oft das Vorurteil ein Trend zu sein, der durch weiße Frauen und Kapitalismus gepusht wird. Du beweist eindrucksvoll das Gegenteil. Was ist Yoga für dich?

Für mich ist Yoga eine Lebenseinstellung, mit der es uns gelingen kann, die Welt zu einem besseren und lebenswerteren Ort zu machen.

9. Was wünscht du dir für Frauen 2018?

Eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Und dass sich ein Gefühl von Geborgenheit wieder einstellt. 

Liebe Bettina, vielen Dank für das erkenntnisreiche Gespräch. Wir wünschen dir und deinem Team weiterhin tolle Erfolge mit eurer Arbeit und fiebern fleißig auf den letzten Metern des Crowfundings mit.

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