Auf ein Picknick mit Christiane Macke („Vegane Landung“)

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Wir treffen Christiane Macke an einem Tag, der wohl nicht wirklich zum Outdoor-Essen geeignet ist. Trotz Sonne weht uns ein kalter Wind um die Nase als wir das Tempelhofer Feld betreten. Schön hier! Und bei dem Wetter auch schön leer. Mit Schal und Jacke machen wir es uns auf der Picknick-Decke gemütlich und bewundern die mitgebrachten Leckereien – Sushiröllchen, Rohkost-Brot, gefüllte Blätterteigtaschen, Quinoa- und Sauerkrautsalat. Und alles, ja man staune, vegan!

Christiane Macke organisiert, neben ihrem normalen Fulltime-Job und Privatleben, aus großer Freude erstmalig die „Vegane Landung“ – ein veganer Mitbring-Brunch, der am 17. Mai auf dem Tempelhofer Feld in Berlin stattfinden wird und zu dem alle eingeladen sind – egal welcher Essmanier.

Eine großartige Idee, über die uns Christiane bei Sekt und Leckereien noch mehr erzählte.

Not Another Woman: „Vegane Landung“ passt wie die Faust aufs Auge. Bist du direkt auf diesen Namen gekommen oder hat das einige Überlegungen gedauert?

Christiane Macke: Der erste Titel war ja eigentlich „100 Meter vegane Vielfalt“, aber da meinte ein Arbeitskollege von mir, nee Christiane, der Titel sollte doch irgendwie Bezug zum Ort haben. Und dann ist mir das eingefallen! Also mein Tipp ist immer auch andere Leute zu fragen. Denn an dem ersten Titel habe ich tatsächlich sehr lange gebastelt.

NAWM: Intention hinter „Vegane Landung“. Was war der Auslöser? Was möchtest du damit bezwecken?

CM: Auslöser waren zwei Dinge: Zum einen diese unsäglichen White Dinner Parties, die es ja seit 2-3 Jahren so gibt. Kommerziell und nicht-kommerziell. Und da dachte ich mir schon, ich würde auch gern mal draußen sitzen und mit Leuten essen, aber natürlich vegan! Und dann gab es in der Bergmannstrasse schon mal so eine lange Bierbanktafel. Das war immer so ein Spaghetti Essen. Hm, und da dachte ich mir, das ist aber ja auch nicht so richtig was für Veganer. Ja, und aus diesen beiden Geschichten ist es dann gekommen, ach und natürlich die Liebe zum Tempelhofer Feld, also aus diesen drei Faktoren ist dann die Idee, nachts vorm Schlafen gehen, entstanden. Und dann habe ich einfach ein Mail an die Grün GmbH geschrieben, die das Areal hier verwaltet und war dann doch ganz überrascht, dass direkt als Rückmeldung kam: „Wir würden Sie gern kennenlernen!“. Und so kam es, dass ich nun eine Veranstaltung organisiere, was ich noch nie in meinem Leben getan habe.

NAWM: Und dann musstest du dich natürlich auch mit solch wichtigen Veranstaltungsaspekten wie Genehmigung, Versicherung, usw. auseinander setzen?

CM: Genau, du triffst dich dann mit der Grün GmbH und bekommst einen Katalog vorgelegt, in dem drin steht, was du darfst und was nicht. Das war aber ganz einfach, offen und sympathisch. Dann hat die Grün GmbH geprüft, ob diese Veranstaltung überhaupt hierher passt. Da war sie sich aber auch schnell sicher – 100 Meter lange Bierbank, veganes Essen, Kreuzberg – das passt!

Und dann habe ich schon die Genehmigung bekommen.

Viel Erfolg für die vegane Landung

Vegane Landung

NAWM: Warum ist es dir bei dem Event so wichtig, dass an einer Tafel gespeist wird und nicht, wie wir jetzt, wie bei einem Picknick auf einer Decke?

CM: Weil das Bild, was ich vor Augen habe, einfach diese schöne, schöne lange Landebahn ist, auf der dann in der Mitte einfach diese schöne lange, lange Tafel steht. Es gibt einfach schon viele Picknicke. Aber für mich soll das ja auch eine Außenwirkung haben, so dass die Leute sehen: Boah, dass hat aber etwas Feierlicheres, wie auf einer Hochzeit und damit auch eine gewisse Symbolik, wenn da Möbel stehen. Und ich erhoffe mir, dass die Leute dann dazu ins Gespräch kommen und dass es tolle Bilder gibt. Und dass es nächstes Jahr vielleicht sogar noch größer wird. Mal schauen!

Ich will mich gegenüber einem normal Picknick schon abheben. Und daher auch das Crowdfunding. Ich habe mir gesagt, ich lass mir das auch was kosten, hoffe aber natürlich, dass sich Leute daran beteiligen und  entsprechend der Crowdfunding-Logik – auch was wieder kriegen. Daher gibt es ja auch diese vegane Wundertüte, in der dann von diversen Unternehmen Sachen drin sind. Aber wichtig war mir auch, diese Veranstaltung werbefrei zu halten, deswegen die Idee, liebe Unternehmer, ihr könnt schon dabei sein, aber nicht auf dem Tisch, sondern in der Wundertüte. Denn ich möchte keine Werbeveranstaltung machen, sondern auf die vegane Vielfalt hinweisen und zeigen, wie lecker das ist. Vielleicht kann man daraus auch ein kleines digitales Kochbuch machen. Ja, die Ideen hierzu lassen sich beliebig weiter spinnen.

NAWM: Und machst du das alles komplett allein? Wir stellen uns gerade vor, wie du all die Tüten packst und die Bierbänke aufstellst…

CM: Nein, ich habe viele unterschiedliche kleine Helfer und gute Seelen mit den unterschiedlichsten Talenten: Eine Freundin hat für den Flyer beispielsweise die schönen Illustrationen gezeichnet, ein anderer Grafiker hat sich um die Typo gekümmert, mein Bruder und seine Freundin werden mir helfen alles auf das Tempelhofer Feld zu bringen, wieder eine andere Freundin wird mir helfen die Tüten zu packen und mein Freund Gernot hat das Video gemacht. Also ich hol mir die Leute ran, sodass mir jeder irgendwie bei einer kleinen oder größeren Sache hilft, sodass ich nicht alles allein machen muss. Aber die Orga mache ich komplett allein. Bisher klappt das ganz wunderbar. Ich habe einfach tolle Freunde!

NAWM: Wie viel Leute erwartest du zu diesem Event? Was passiert, wenn du völlig überrannt wirst?

CM: Die Bierbanktafel ist erstmal konzipiert für 200 Leute. Das ergibt erstmal nur eine 50 Meter lange Tafel. Aber sollten sich über das Crowdfunding viel mehr Leute anmelden, kann ich immer noch anbauen. Und Kurzentschlossene können gern ihren Stuhl dazu stellen.

NAWM: Und nur um das richtig zu verstehen: Wenn du diese 500 Euro über Startnext zusammen hast, sind damit diese 200 Plätze an der 50 Meter langen Tafel gesichert?

CM: Nein, für 100 Leute. Also wenn sich 100 Leute mit 5 Euro an dieser Tafel beteiligen, ist ihnen dieser Platz gesichert. Aber ich will die Teilnahme nicht nur an den Spenden festmachen, sondern es offen für Jeden lassen. Es gibt ja auch immer Leute, die spontan vorbeikommen und erst an dem Tag dieses Event bemerken. Und diese sind auch herzlich zur veganen Landung eingeladen!

Das Crowdfunding mache ich, um meine Unkosten, wie z.B. Miete der Bierbänke, Deko, Werbung, Versicherung und Genehmigung für das Event, zu decken. Wenn ich jedoch mehr einnehme, also wenn mehr Leute spenden, was mich sehr freuen würde, dann würde ich das Geld dem Erdlingshof spenden. Denn ich möchte mich mit dem Event nicht bereichern, sondern einfach nur Spaß haben.

NAWM: Was denkst du über die vegane Szene in Berlin? Ist das eher Hype oder doch nachhaltig geprägt?

CM: Also meine Erfahrung bisher ist, dass die Veganszene in Berlin ja unfassbar groß und sehr vielschichtig ist. Das geht von Rohköstlern bis hin zu den sportlich motivierten, diese Kraftsportfraktion, dann wieder die es aus ethischen oder nur aus religiösen Gründen machen. Die politisch motivierten Gruppen, die Tierrechtler oder auch die reinen Mode-Veganer. Aber auch das ist ein Anfang. Und über diese verschiedenen Gruppen kann jeder seine Family, seinen Anschluss, hier in Berlin finden. Und ich finde, man sollte jeden begrüßen, der sagt, ich esse tierleidfrei und ich entscheide mich bewusst gegen tierische Lebensmittel. Sowas ist ja eine bewusste Entscheidung.

NAWM: Warum hast du dich entschieden vegan zu leben?

CM: Ich bin 1992 nach Berlin gezogen und musste dann das erste Mal alleine Fleisch kaufen und fand, dass das total doof ist. So wurde ich relativ schnell Vegetarierin und irgendwie ist vegan nun für mich so eine logische Weiterentwicklung. Denn auch Tiere, die für Eier und Milch gehalten werden, leiden und von der anderen Perspektive sind das auch wahnsinnig schlechte Lebensmittel, die da entstehen. Wenn man beide Sachen zusammenzählt… Außerdem gibt es so unfassbar viele Alternativen. Die Notwendigkeit, tierische Produkte zu sich zu nehmen und damit den Tieren Leid zuzufügen, die ist hier in Europa ja gar nicht gegeben. Obendrein macht es unheimlich viel Spaß und ist sooo lecker.

Christiane Macke

Christiane Macke

NAWM: Was bedeutet Not Another Woman für dich?

CM: Das ist eine schwierige Frage, denn jede Frau versucht ja etwas Eigenes zu sein und sich von Anderen abzugrenzen. Und dann gibt es aber auch den Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Und das sind diese zwei Kräfte, die in Einem schlummern. Und so sucht man schon seine Gemeinschaft, ich brauche meine Veganer, meine Laufgruppe, meine Germanys Next Top Model Freunde, usw. und zum anderen suche ich auch diese Abgrenzung. Bei Not Another Woman ist es jetzt schwierig für mich zu sagen, wer ist denn jetzt der Andere? Ich bin anders als du, du bist anders als sie und trotzdem mögen wir uns ja. Frauen sind heutzutage ja schon so wahnsinnig unterschiedlich im Vergleich zu dem Stereotyp der 60er Jahre. Und das ist auch gut so.

NAWM: Welche Frau hat dich in letzter Zeit begeistert?

CM: Louise Hay.

NAWM: Glaubst du, dass Frauen mehr Durchsetzungsvermögen benötigen, um ihre Ziele zu erreichen oder ist das alles Quatsch von vorgestern?

CM: Nein, brauchen sie. Ist immer noch hochaktuell. Hochaktuell!

NAWM: Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für einen gelungen Brunch im Freien?

CM: Viele nette Leute! Und ganz viel Inspiration gibt es dann ja noch am 17. Mai hier auf dem Tempelhofer Feld.

Christiane, es war schön mit dir! Vielen Dank für das Interview. Wir sind selbstverständlich am 17. Mai dabei.

Christiane’s Steckbrief

+++ Alter: 45 +++ lebt in: Berlin, X-berg +++ Lieblingsfilm: The Hours +++ Lieblings-Essen: Vegane Pizza bei Szify Veg +++ Lieblings-Drink: Hemingway +++ Lieblings-Ritual: Pilates am Sonntagvormittag +++ Lieblings-Klamotte: Mein olivgrüner Mantel +++ Dein Traumjob im Alter von 10 Jahren: Bibliothekarin +++Lieblingsplatz in Berlin: Hasenheide +++

Christiane's Lieblingsemoji

Christiane’s Lieblingsemoji

Alle Infos zu dem Event und wie ihr Unterstützer werden könnt, findet ihr hier: https://www.startnext.com/veganelandung

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