536 Views |  Like

Anna und Marcus von VIERTEL \ VOR: „Hier auf dem Land eröffnen sich so viele Möglichkeiten Dinge zu tun, die sich wirklich echt anfühlen.“

Heute nehmen wir euch mit aufs Land. Zu Anna und Marcus. Die zwei smarten Köpfe, die hinter dem wunderbar informativen und höchst lesenswerten Onlinemagazin VIERTEL \ VOR stecken. Dort teilen sie regelmäßig interessante Nachhaltigkeits-News, sprechen mit Menschen, die Bescheid wissen, kritisieren bekloppte Konsumideen (hallo Wegwerfbecher?), stellen spannende Fragen – “Wie grün sind unsere Banken?” – und nehmen ihre Leser mit auf die Reise zu einem nachhaltigeren Lebensstil. Kurz: ein Magazin über das, was wirklich wichtig ist.

Anna und Marcus leben in Berlin und in Brandenburg, irgendwo zwischen diversen Raps- und Kornfeldern, bei ihren fünf Schafen und ihrer Katze Tisa. Anna ist Journalistin und Marcus Regisseur und Fotograf. Beide sind Mitte 30 und ja, beide sind rein zufällig auch privat ein Paar. Das haben wir knallhart für euch recherchiert. Im letzten Jahr kreuzten sich öfter unsere Wege und jedes Mal waren wir hin und weg von ihrem Charme und ihren wirklich amüsanten Alltagsgeschichten vom Lande, sodass wir beschlossen, die Zwei euch schnellmöglichst hier vorzustellen.

Ein knappes Stündchen sind wir von Berlin aus unterwegs. Vorbei an unzähligen Windrädern, weite Wiesen und Felder und vor uns der l a n g s a m s t e  Traktor der Welt. Ja, so geht Entschleunigung. Und wir freuen uns wie bei einem Schulausflug auf die grüne Landpartie. Schnell springen wir aus dem Wagen, als wir auf dem Hof der Beiden ankommen, und atmen tief ein. Könnt ihr es riechen? Die Luft, die Weite, die Atmosphäre.

_____________________

VIERTEL \ VOR - Willkommen bei Anna & Marcus & ihre SchafenDie wundervollen Fotos hat dieses Mal Cherie Birkner für uns geknipst.

Anna und Marcus luken schon über den Zaun, winken uns herein und direkt gibt es eine erste Führung und die ersten, vergnüglichen Anekdoten. Wie es so ist sein eigenes Haus auf der Leiter stehend mit nur einer Hand festzuhalten, während das ganze Haus irgendwie in der Luft zu hängen scheint (“Hält die Scheiße?”). Und wie man Schafe von A nach B bekommt ohne einen Tieranhänger zu besitzen (Pssst: Hier ist tierschutzrechtlich alles tippitoppi!). Generell sind die Schafe das Thema des Tages. Besonders Kau und Pow, die zwei zahmen Schafe, haben einiges an Stories zu bieten. Dazu später mehr. Erstmal setzen wir uns an den großen Esstisch und stellen unsere ersten Fragen. 

Was sagen eure Nachbarn zu so viel Stadtwind?

Anna: Ich glaube, die meisten finden den ganz interessant. Die Nachbarn, die wir kennen, sind interessierte Nachbarn, was ich potentiell immer gut finde. Wir haben ein paar, die sofort auf dem Hof standen und mal nachgefragt haben. Man könnte das als neugierig werten. Ich finde es aber gut, weil man sich ja nur so kennenlernt.

Marcus: Viele finden es gut, dass neue Menschen hier sind. Nicht nur die Nachbarn, sondern zum Beispiel auch die Leute auf dem Amt. Die sind alle super nice und freuen sich, dass junge Leute da sind und tatsächlich auch frischen Wind mitbringen.

Was stellen die so für Fragen?

Anna: Superwichtig auf jeden Fall: Wo wir herkommen? Warum wir hier sind? Warum wir uns genau hier ausgesucht haben? Aber auch spezifische Sachen: Ob es uns zu laut ist in Berlin. Oder ob es uns hier nicht zu langweilig ist. Oder sie fragen auch schnell Fachfragen: Was machst du jetzt mit den Schafen im November? Ganz oft wollen sie das nicht etwa wissen, um uns auf die Probe zu stellen, sondern weil sie möglicherweise schon eine Lösung parat haben.

Woher kommt diese Sehnsucht auf’s Land zu ziehen?

Marcus: Weil ich es nicht kannte. Weil ich ein Stadtkind bin. Hier draußen eröffnen sich so viele Möglichkeiten Sachen zu machen, die sich echt anfühlen. Vollkommen echt. Was du hier in die Erde steckst, das wächst. Das ist wirklich real! Man kann super viel lernen. Von den Tieren bis hin zum Pestizidlaster, der hier direkt vor dem Haus langfährt. Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sind hier alle super nah, super wichtig und super essentiell. Es erdet mich, wenn ich hier Brennnesseln rausrupfe, was anlege oder Bäume verschneide oder zugucke, wie sie übers Jahr wachsen und Früchte tragen. Das war eine Sehnsucht. Das war etwas, was ich nicht kannte, weil ich immer in der Stadt war, immer auf Partys. Und irgendwie mit Fashion und Marketing zu tun hatte. Klar finde ich Stadt immer noch geil, deswegen sind wir auch nicht nur hier. Aber ich wollte das kennenlernen, wissen, wie sich das hier anfühlt und was es mit einem macht.

_____________________

VIERTEL \ VOR - Schubkarrenfreude galore

Würde das Leben von Anna und Marcus einen Filmtitel tragen, würde der vermutlich “Hin und Her” heißen. Weil sie ständig unterwegs sind. Zwischen Berlin und Brandenburg. Ach, was sagen wir. Zwischen Berlin und der Welt. Und manchmal sogar zwischen beider Leben. Im Transit des Lebens sozusagen. Wo gehören sie hin? Das finden Anna und Marcus gerade heraus. Zunächst ist ihr Landhaus ihr Retreat. Ihre Tankstelle für neue Ideen. Ihre Slow Motion Base.

Der Kuchen schmeckt. Wir geraten ins Schwatzen wie an Omas Kaffeetisch. Es ist aber auch gemütlich hier. Zeit weiter nachzuhaken, wie es so mit ihrem Magazin kam.

Euer Rauszug auf’s Land und die Gründung von VIERTEL \ VOR liegen jetzt ein bisschen länger als ein Jahr zurück. Beides hat euch sicherlich auch ein Stück weit verändert oder Prozesse in Gang gesetzt. Könnt ihr uns erzählen, was es mit euch gemacht hat?

Marcus: Ich habe super viel gelernt in dem Jahr. Wenn irgendwas ist, nehme ich es nicht mehr einfach nur so hin wie früher, sondern denke bewusster darüber nach. Was bedeutet das? Was bedeutet das langfristig für die Umwelt, für das Klima, für mich und für andere? Der gesamte Prozess, in dem wir uns bewegen, hat nur etwas mit Wissen zu tun. Jemand, der all das weiß und trotzdem nicht verantwortungsbewusst handelt, ist für mich ignorant.

Anna: Ich habe erkannt, wie wichtig ich es finde Anfänger mitzunehmen, sowohl was Feminismus angeht als auch bei den Themen Umweltschutz und Ökologie. Ich finde, was feministisch-aktive Menschen und Umweltaktivisten leider im Schlechten vereint, ist dass sie oft dazu neigen die Leute auszuschließen, die noch nicht soweit sind. Das finde ich falsch und fatal. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, auf Viertel \ Vor eher aus der Perspektive der Anfänger auf dem Nachhaltigkeitsgebiet zu berichten. Weil wir eben selbst noch lernen, mit unseren Lesern lernen wollen. Was ich selbst mit dem Magazin und unserem Leben auf dem Land gelernt habe ist mehr von dem zu tun, was mir wirklich wichtig ist.

Erkennen euch eure Freunde und Familien noch wieder?

Anna: Meine Freunde erkennen mich, glaube ich, sehr in dem wieder, was ich bei VIERTEL \ VOR mache. Ich habe wahnsinnig viel gelernt. Und ich habe das Gefühl, dass ich mich beruflich als Journalistin zu gewissen Wurzeln zurück bewege, obwohl die bei mir ganz woanders liegen. Ich habe bei einer Lokalzeitung volontiert und fast sieben Jahre für eine Tageszeitung geschrieben. Ich habe damals viele Umweltthemen bearbeitet und Kommentare geschrieben. Bei meinen späteren Jobs habe ich das gar nicht mehr gemacht. Jetzt mach’ ich’s wieder und das ist echt schön. Dass ich jetzt auf dem Land lebe und ein Haus renoviere, das haben sicherlich nicht alle erwartet und da mussten sich bestimmt auch manche erst dran gewöhnen. Aber ich bin gesegnet mit einem Umfeld, das sich mit mir freut.

Marcus: Bei mir ist das schon krasser. Ich bin eben echt ein Stadtkind. Hätte ich vor vier Jahren gesagt, ich gehe aufs Land, hätten alle gedacht niemals. Aber es hat sich von Anfang an gut und richtig angefühlt. Und ich glaube, dass sich unsere Freunde mit diesem Projekt A VIERTEL \ VOR und Projekt B Land auch weiterentwickelt haben. Das finde ich ziemlich schön und es macht Spaß das zu sehen.

Anna: Und wenn es nur eine Mail mit der Frage ist: Hey, wo kommt dieser Black Velvet Circus Hoodie her?

Wäre VIERTEL \ VOR das, was es ist, wenn ihr nicht hier wohnen würdet?

Anna: Sicherlich ist beides gleichzeitig entstanden, weil es aus einem ähnlichen Grund heraus entstanden ist. Meine Sehnsucht kam aus der Suche nach Ruhe und Realness. Ich finde, dass man in der heutigen, reizerfüllten Gesellschaft, die ich liebe, sehr schwer Ruhe und Erdung findet. Dabei hilft mir Weite von Landschaft und Natürlichkeit. Es ist aber letzten Endes beides unabhängig voneinander entstanden, weil das eine persönlicher und das andere beruflicher Natur ist. Wir haben uns gleichzeitig nach echteren Inhalten in unserem Berufsleben gesehnt. Und es gibt dieses Haus, weil wir uns in unserem Privatleben nach einer anderen Ruhe oder Erdung gesehnt haben. VIERTEL \ VOR funktioniert ja auch als Stadtmagazin.

_____________________

VIERTEL \ VOR - Anna & Marcus #kindnessfirst

Ihr habt ja schon bewiesen, dass ihr super angstfrei seid. Was würdet ihr sonst noch tun, wenn ihr davor auch keine Angst hättet?

Anna: Ganz ehrlich, was unser Haus und die Rennovierung angeht: da hatte ich durchaus Angst! Da hat mich Marcus mit seiner unbeschwerten Art oft ermutigt.

Marcus: Ich habe gar keinen Schiss – vor nichts. Ich wüsste nicht warum. Ich glaube, dass jede einzelne Person auf dieser Welt Skills hat und irgendwelche Sachen machen kann. Das war etwas, was ich schon ganz früh für mich gelernt hatte. Ich behaupte, dass jeder Mensch alles machen kann und alles lernen kann. Ich glaube aber auch, dass unsere Gesellschaft nicht dahin erzogen wird. Von meinen Eltern wurde ich eher auf Sicherheit getrimmt. Deswegen bin ich auch ausgebrochen aus dieser Sicherheit und wollte einfach Sachen machen. Ich könnte mir auch vorstellen noch einmal ganz was anderes zu tun. Man kann alles lernen. Und ich würde jeden dahingehend ermutigen. Hey, go for it!

Anna: Im Nachhinein würd’ ich das auch sagen. Und was ich noch machen würde? Weiß ich gar nicht! Ich bin gerade ganz zufrieden mit dem, was ich schon hab’.

Später schlendern wir noch durch den Hof, kuscheln mit den zahmen Schafen, während die älteren Schafe uns aus sicherer Entfernung eingehend beobachten und dabei eine Choreographie abliefern, die synchroner nicht hätte ablaufen können. Wahnsinn, dass die beiden Schafe Kau und Pow uns so an sich heranlassen. Wie neugierig sie sind! Da glauben wir gern, dass die beiden die Vorliebe haben mit ins Haus zu kommen und tatsächlich auch ohne mit der Wimper zu zucken vor ihnen standen, als Marcus mit seinem Vater mit dem Presslufthammer zugange war, um den alten Betonboden im Haus zu entfernen. „Ganz ehrlich, die haben einen Knall!“ sagt Marcus und drückt sie noch mehr an sich. Schafs-Papa-Liebe durch und durch. 

Und während wir so über den Hof schlendern, die Obstblüten an den Bäumen bewundern, fragen wir uns, warum wir keine Kräuter- und Gemüsebeete sehen? 

Was ist aus eurem Projekt Garten geworden?

Anna: Haha! Gute Frage! Das haben wir angekündigt – aber bis auf ein Mini-Beet und ein paar Blumenkästen noch nicht richtig umgesetzt. Und das ist auch ok so. Ich finde es recht natürlich, dass wir das noch nicht geschafft haben. Wir haben ein Haus zu renovieren. Wir haben ein Onlinemagazin gestartet. Und die Befürchtung, die bei mir immer bleibt, ist die, mir zu viel aufzuhalsen. Sowohl VIERTEL \ VOR habe ich gegründet, als auch dieses Haus habe ich gekauft, auf der Suche nach mehr Zeit – und diesen Wunsch möchte ich auf jeden Fall gerecht werden. Deshalb muss der Garten eben noch ein bisschen warten. Step by Step.

_____________________VIERTEL \ VOR - #naturfirst

Angenommen ihr müsstet ganz fix euer Haus verlassen, welche drei Dinge würdet ihr schnell noch greifen und mitnehmen?

Anna: Marcus, die Katze und meinen Rechner.

Marcus: Meinen Rechner, meine Festplatten. Jetzt müsste ich ja auch Anna sagen, aber Anna kann ja selber rennen.

Anna: Ich würde sonst auch noch die Erbvase von meiner Oma mitnehmen.

Marcus: Es geht bei der Frage ja auch um Gegenstände, oder? Das einzige, woran ich da wirklich hänge, sind meine Fotos. Wenn meine Festplatte kaputt oder weg ist, gehe ich ein Jahr in Krisenurlaub und trauere. Ich würde vielleicht noch meine Steuerunterlagen mitnehmen. Das ist so ein Stress das alles noch mal aufzuarbeiten.

Anna: Und ich würde dann so draußen stehen mit der Katze unterm Arm.  Warum habe ich nicht an meine Steuern gedacht? (lacht)

Heute gibt es bei euch Kuchen. Was kommt sonst auf den Tisch, wenn ihr Freunde zu Besuch habt?

Anna: Bei uns kocht Marcus, weil er es lieber macht und besser kann. Ich kann aber die bessere Salatsauce, deswegen mache ich immer Salat.

Marcus: Und ich selbstgemachtes Baguette.

Welchen Instagram Accounts folgt ihr? Welche muss man kennen?

Anna: Ich folge gern den Bridge & Tunnel Mädchen. Ich bewundere, was die machen. Und ich mag den Account meiner Freundin Maddie von Dariadaria. Nicht, weil sie ein Shootingstar ist, sondern weil sie immer was vermittelt. Es ist gibt immer eine Mehrwert. Und ein ganz süßer Account ist Fields of Freedom, von so einem Dänen mit einem Gnadenhof.

Marcus: Ja dem sollten möglichst viele Leute folgen. Der macht einen tollen Job. Ich folge zum Beispiel richtig gerne Wana. Ihre Posts sind einfach immer zum Schießen. Ansonsten mag ich Jakob von Dandy Dairy. Und The Jungalow.

Nachdem wir nun schon eine Weile reden und eigentlich auch viel schwatzen und lachen, ist es Zeit für die eingemachten Fragen. Wir wollen die beiden noch ein bisschen besser kennenlernen und auch ein bisschen aus der Reserve locken.

Was sind eure Werte?

Anna: Mein oberster Wert ist Nächstenliebe. Sowie Ehrlichkeit gegenüber anderen, was ich manchmal fast leichter finde, als mir selbst gegenüber. An letzterem arbeite ich noch.

Marcus: Echtheit. Loyalität. Ehrlichkeit.

Anna, wenn wir dich sehen, hast du – und das jetzt bitte nicht falsch verstehen – immer das Gleiche an. T-Shirt, Jeans, Turnschuhe, Pferdeschwanz. So kennt man dich und in Vorbereitung auf das Gespräch haben wir es Anna-Uniform genannt. Nun wissen wir, dass du dir ein Jahr lang keine Klamotten mehr gekauft hast. Uns interessiert daher: Hast du diese Uniform dabei erst entwickelt? Bzw. was war zuerst da?

Anna: Das ist eine so schöne Frage!  Ich glaube, es hat die Uniform schon immer gegeben, aber erst jetzt weiß ich sie zu schätzen. Ergeben hat sich diese Uniform als ich noch in Hamburg gelebt habe und Marcus in Berlin. Ich hatte wirklich viele Kleider, aber ich habe immer die gleichen mitgenommen. Ich bin echt ein Jeans-T-Shirt-Mädchen. Ich fühle mich darin wohl. Ich sehe darin ganz gut aus. Ich habe aber trotzdem zu meinen Fast-Fashion-Zeiten gerne mal geguckt, wie es vermutlich viele tun: Was ist Trend? Wie sieht man darin aus? Also habe ich mir dann irgendwas mit Volants oder irgendeinen anderen Hype gekauft und habe die Teile dann doch nie angezogen, weil ich mich in Jeans und T-Shirt eben einfach am wohlsten fühle. Die Uniform war immer da, aber jetzt stehe ich dazu. Ich hab’ damit meinen Stil gefunden, kann mich von Trends befreien – und muss viel weniger Klamotten kaufen.

_____________________

VIERTEL \ VOR - Anna & Marcus und ihr Farmlife

Ihr habt ja hier draußen eigentlich super Bedingungen, um dem ganzen Thema Müll ein bisschen anders Herr/Frau zu werden. Hier kann man einen Kompost anlegen, hier kann man sich die Mülltonnen bestellen, die man möchte. Man ist nicht auf eine Hausgemeinschaft angewiesen. Habt ihr Tipps, wie man auch in der Stadt das Thema Müll bewusster angehen könnte?

Anna: Man muss ehrlicherweise sagen, dass wir nicht nach dem Zero Waste Prinzip leben und teilweise echt auch auf Tipps angewiesen sind. Aber ein Tipp ist möglichst wenig Müll einzukaufen. Klingt banal, aber je weniger Verpackung du mit nach Hause nimmst, desto weniger musst du wegwerfen. Am besten ist es auf dem Markt oder in Unverpacktläden einzukaufen. Ach und so ein Kompost ist auch der Knaller. Gibt’s mittlerweile ja sogar für Stadtwohnungen. So richtig mit Würmern.

Marcus: Ich finde es zwar cool, wenn man in der Stadt einen Kompost machen möchte. Aber ich finde, der gehört da nicht unbedingt hin. Es ist nur organischer Müll und dieser darf auch auf der Müllkippe landen. Das ist gut für die Müllkippe. Mach dir Gedanken um Plastik! Ich frage mich auch, warum die Unternehmen so viel davon produzieren. Rein aus wirtschaftlicher Perspektive. Jede Verpackung, jede Tüte, jeder Aufkleber muss produziert werden und kostet Geld. Warum lassen die das nicht einfach weg?

Marcus, was ist ein verborgenes Talent von Anna?

Marcus: Anna kann mich super beruhigen und holt mich runter. Wenn wir uns beispielsweise mal streiten, könnte ich ewig und drei Tage schmollen. Aber Anna ist dann direkt wieder am Start und beruhigt mich. Sie ist ein sehr guter Streitschlichter.

Was würdet ihr gerne besser können?

Anna: Nein sagen.  

Marcus: Ich will programmieren können. Es kotzt mich an, dass ich das nicht kann.

Aprospos, wie wichtig ist die Digitalisierung für den Umweltschutz und Nachhaltigkeit?

Marcus: Die Digitalisierung ist sehr wichtig, weil man darüber eine Community aufbauen kann. Umweltschutz und Nachhaltigkeit ist eine Buttom-Up-Bewegung. Nur wenn genug Druck von unten kommt, können Leute sich vernetzen, Druck machen, Kampagnen initiieren wie zum Beispiel #whomademyclothes. Solche Aktionen funktionieren nur, wenn viele mitmachen, es digital in den sozialen Medien teilen und somit Druck auf Unternehmen, Politik usw. ausüben.

_____________________

VIERTEL \ VOR - Anna & Marcus & ihre Schafe = Familienbande

Wovon träumt ihr?

Marcus: Ich träume davon, dass die Mehrheit der Menschheit erkennt, was los ist und daraus die richtigen Schlüsse zieht. Sodass wir nachhaltig mit der Natur und den Ressourcen leben.

Anna: Ich träume von mehr Second Hand. Und davon, dass es mega uncool wird einen To-Go-Einwegbecher mit sich herum zu tragen. Ich setze noch eins oben drauf. Ich möchte, dass die Leute, die sowas nutzen, wirklich denken: Oh Gott, hoffentlich sieht mich niemand damit. Egal ob mit der Plastiktüte oder mit dem Einwegbecher. Es muss uncool werden, sich mit Wegwerfartikeln zu zeigen. Und ich träume auch vom persönlichen Glück und Gesundheit.

Oh, sehr gut!

Anna: Jaaa. It’s not all about activism. Das muss ich ehrlicherweise dazusagen. 

Welche Parallelen existieren zwischen Feminismus und Nachhaltigkeit?

Anna: Es existiert die Parallele Herstellungsbedingung im Zusammenhang mit Menschenrecht und Nachhaltigkeit. Man darf nicht vergessen, dass es nicht “nur” darum geht, Tiere und Pflanzen zu schützen, sondern auch um Menschenrechte, Gleichberechtigung und Respekt vor anderen Menschen. Der Nachhaltigkeitsgedanke beinhaltet nicht nur den ökologischen, sondern auch den sozialen Aspekt. Hier kommt unter anderem auch die Produktion ins Spiel. Die Produktion der meisten Dinge, die wir so besitzen, essen, anziehen, müssen einfach Menschen machen, denen es meist nicht so gut geht wie uns. Dafür ist die Modeindustrie ein sehr gutes Beispiel. Besonders was den Feminismus angeht, weil 80% der Menschen, die unsere Kleider nähen, nunmal Frauen sind. Aber auch auf den Baumwollfeldern stehen Menschen, die Pestizide spritzen, die schlechte Arbeitsbedingungen haben, die ihre Böden ausbeuten müssen, damit wir günstige und mehr Produkte bekommen. Deshalb steht beides in einem ganz großen Zusammenhang, dem man sich auch bewusst sein sollte.

Welche Frauen inspirieren euch?

Anna: Mich inspirieren eigentlich alle Begegnungen mit Frauen. Ich lasse mich gern von Frauen inspirieren, die mir nahestehen, aber auch mit denen ich mich an irgendeiner Stelle mal reiben muss.

Marcus: Mich inspirieren Mütter, tatsächlich. Ich habe einen großen Respekt vor Frauen, die Kinder haben, auch Alleinerziehende, Frauen mit Kindern aus unserem Bekanntenkreis. Ich finde es krass, wie viel Power die haben, was die machen.

_____________________

VIERTEL \ VOR Impressionen

Vielen Dank  für das entspannte Interview, den leckeren Kuchen und den extra für Jana kreierten Obstteller á la Casa Anna & Marcus.

Steckbrief Anna & Marcus - Viertel Vor

Habt ihr noch mehr Lust auf Anna & Marus, die Schafe, Katze Tisa und ganz viel #naturefirst? Dann folgt ihnen auf ihren Kanälen:

das Magazin
auf Instagram
auf Facebook
auf YouTube

Photo Credit: Unser Dank geht an die talentierte Cherie Birkner, die hinter dem Projekt #RealMatterz steckt, was wir euch bereits hier vorgestellt haben.