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Amanda: „Das ist die Geschichte meines Lebens.“

Amanda empfängt mich mit einem breiten Lächeln. Ihre gute Laune überträgt sich direkt auf mich und unser Gespräch. Zum Glück, denke ich noch, das Gute-Laune-Pop-Ding ist nicht nur Image, nein, sie ist wirklich so gut drauf und steckt dabei auch noch an. Und auch während des gemeinsamen Kaffeetrinkens gewinnt Amanda eindeutig Sympathie-Punkte. Vor allem auch danach als ich noch so spannende Dinge erfahre, wie sich das Leben in ihrer Großfamilie so abspielt. Was hinter den Kulissen beim Radio alles passiert und vieles mehr. Das vielleicht bei einem nächsten Interview. Heute möchten wir euch Amanda zunächst einmal vorstellen und ihre spannende Geschichte von der einstigen Rapperin zur aufstrebenden Popsängerin mit euch teilen.AmandabyDavidKînigsmann_2

Wie schafft man es spontan als Background-Sängerin bei Sido mit auf Tour zu gehen?

Das kam ganz unverhofft. Ich habe beim Radio lange als Moderatorin gearbeitet und kannte Sido schon aus dem Freundeskreis. Wenn man in Berlin Musik macht, kennt man über drei Ecken irgendwie alle. Irgendwann saß ich bei der Arbeit und Sido rief mich einfach an und meinte, ich gehe auf Tour und mir fehlt eine Background-Sängerin. Hast du Bock? Meine Antwort: „Willst du mal meinen Chef fragen? Ich kann schlecht auf der Arbeit sechs Wochen fehlen, weil ich für dich „Lala“ machen muss.“ „Frage mal deinen Chef und wenn er Nein sagt, rufe ich ihn an.“ Er musste ihn zum Glück nicht anrufen. Wir konnten das direkt so klären.

Du kommst aus einem Musik-Haushalt. Deine Mutter ist Sängerin, dein Papa MC. Du hast also beides in dir vereint. Bist du mehr Rapperin oder mehr Sängerin?

Mein Herz schlägt für beides. Ich habe immer still und heimlich in meinem Kämmerlein gesungen. Als  ich aber angefangen habe, Musik aufzunehmen, habe ich erstmal gerappt. Ich habe mich das mit dem Singen erst nicht richtig getraut. Ich wusste, dass meine Mutter die Krasseste ist und auch, dass ich es nicht krasser als meine Mutter können würde. Also habe ich lieber gerappt, denn das kann ich besser als mein Vater.

Hast du ihm das mal gesagt?

Ich glaube, er weiß das selber. Manchmal habe ich Freestyle-Battles mit meinem Vater zu Hause und er versagt immer kläglich. Ihm fehlen dann die Reime. Ich mache ihn immer platt. Ich kam aber eben nicht drum herum. Meine Eltern haben mir das in die Wiege gelegt. Wären meine Eltern Lehrer gewesen, wäre ich vielleicht auch Lehrerin geworden.

Du hast also mit Rap angefangen und bist jetzt im Mainstream-Popbereich gelandet. Damit hast du dich aber auch schon immer in Gefilden bewegt, die von Männern dominiert werden – vor allem, was auch den Erfolgt angeht. Wie bist du damit umgegangen?

Ich muss ehrlich sagen, ich war selbst ein Frauen-Hater. Ich fand immer, die konnten alle gar nicht rappen außer mir. Und die Jungs fanden das irgendwie auch. Deswegen haben wir uns verstanden. Als ich angefangen habe zu rappen, kannte man noch Cora E., Pyranja und diese ganzen Oldschool-MC’s, denen heute niemand mehr ein Begriff sein wird. Es gab also schon ein paar weibliche MC’s. Das waren aber nicht meine Vorbilder. Ich habe mich eher an einem Kool Savas satt gehört und dachte, ich will rappen wie er. Der ist so krass. Die Frauen haben mich nie so wirklich interessiert, weil ich es persönlich nicht so geil fand. Ich hatte wiederum nie Probleme in der Rap-Welt akzeptiert zu werden, weil ich es gut genug konnte, dass die Männer dachten, ich bin cool.

Findest du heute auch weibliche Rapperinnen gut?

Es gibt ja immer noch nicht viele. Es gibt natürlich wahnsinnig viele Rapperinnen im Untergrund. Die sind eben nicht so im Mainstream unterwegs. Es gibt ganz viele, neue, krasse. Eine Haiyti ist jetzt am Start, die ich mega abfeiere. Auch als ich noch gerappt habe, gab es einige Mädchen, die rappten. Lisi a.k.a. Purple Haze, Lady Ska aus Berlin – eine Rapperin mit Kopftuch, die richtig krass Action gemacht hat. Ein bisschen was gab und gibt es schon, aber ich höre auch heute keinen weiblichen Rap. Nur Ami-Künstlerinnen wie Nicki Minaj. Aber auf Deutsch gibt es nicht so wirklich was. Es gibt SXTN. Das ist auch geil, aber nicht mein Ding. Ich bin über fünf Mal Hurensohn sagen auch einfach hinweg. Ich mache andere Musik heutzutage. Man kann auch einfach schöne Musik machen.

Wie hat sich das angefühlt als du deinen ehemaligen Künstlernamen She-Raw abgestreift hast und einfach nur noch Amanda warst?

So haben mich meine Eltern genannt. Ich schäme mich für den Namen nicht. Es hat sich super angefühlt. Als ich aufgehört habe beim Radio zu arbeiten, diese Ära beendete und angefangen habe dieses Album zu schreiben, habe ich mich gefühlt wie eine Schlange, die ihre Haut abstreift. Das war eine neue 2.0-Version von mir und ich dachte einfach nur: Ich bin’s, Amanda. Das bin ich! Ich wollte mich auch nicht mehr hinter einem Künstlernamen verstecken. She-Raw war eine lange Ära und irgendwann ist sowas einfach auch mal vorbei.AmandabyDavidKînigsmann_1

Wie haben deine Ex-Rapper-Kollegen darauf reagiert, dass du jetzt Popmusik machst?

Dadurch dass ich schon immer gesungen habe und schon immer eine Seite von mir gezeigt habe, die auch verletzlich ist, nimmt mir das keiner krumm. Ich war immer schon Raw und etwas derber, aber hatte eben auch die She-Seite. Die Fans, die mit mir gewachsen sind, mich von früher kennen und sich gewünscht haben, dass ich irgendwann mal am Start bin, die freuen sich mega. Ich habe so viele neue Fans dazu gewonnen, die mir dann auch schreiben, dass sie die alten Sachen mögen.

Der Schritt von Rap zu Popmusik scheint trotzdem ein krasser zu sein. Im Rap trägt man ja doch auch Battle aus, erzählt längere Geschichten. In der Mainstream-Popmusik fehlt oft eine gewisse Authentizität. Frech gesagt, ist es oftmals etwas weichgespült.

Ja, es ist schon ein bisschen weichgespült. Ich mache mir bei meinem Album zwischendurch auch immer wieder Gedanken, ob es zu soft ist. Aber mein Album ist gar nicht soft. Die Geschichten sind so deep. Das ist keine Kindermusik.

In welchen Songs findest du dich 100%ig wieder?

Alles so wie es ist, ist die Geschichte meines Lebens. Der Typ, der da immer wieder auftaucht, der taucht auch bis heute noch immer wieder auf. Das ist seit Jahren so. Ich hasse ihn und liebe ihn gleichzeitig. Das ist furchtbar. Story of my life. „Blau“ ist für mich eine super wichtige Nummer, weil ich wirklich einfach Arbeit geschwänzt habe. Ich habe mich feuern lassen, um dieses Album zu schreiben. Das ist für immer mein Baby. Das sind alles meine Geschichten. „Wenn’s vorbei ist“ ist einer meiner Lieblingssongs, weil ich mir da alles von der Seele rappe. Ich liebe jeden Song auf dem Album. Jeder Song ist eine Geschichte von mir. Das ist alles mein Shit.

Wie hat deine BFF auf „Meine Frau“ reagiert?

Die hat geheult. Wir haben zusammen in einer WG gewohnt. So eine richtige Weiber-WG mit Ankleidezimmer. Wir haben richtig übertrieben. Alles war rosa und wir waren Prinzessinnen in unserem kleinen Häuschen. Sie kam irgendwann von der Arbeit und ich hatte ihr noch nichts von dem Song erzählt. Ich sagte einfach: Hör mal! und habe Play gedrückt. Und dann kamen auch schon nach dem dritten „Du“ die Tränen. Sie stand da und sagte: Oh mann, ich liebe dich. Die freut sich mega. Sie war auch schon auf ein paar Shows dabei und immer wenn ich „Meine Frau“ singe, rastet sie krass aus. 

Wer kann schon von sich behaupten, dass die beste Freundin einen Song über einen geschrieben hat?

Sie ist voll stolz und total happy. Und sie gönnt mir das alles von ganzem Herzen.

Mit wem würdest du gerne mal auf Tour gehen?

Wenn ich mit jemanden auf Tour gehen könnte, um einfach mal zu gucken, was da so abgeht und wie das alles abläuft, wäre es Beyoncé. Bei ihr ist alles so strukturiert und so krass. Ich habe schon Live-Shows von ihr gesehen und das ist einfach unfassbar. Ich will wissen, wie sie das macht. Ich will wissen, wie das Team miteinander arbeitet. Ich will wissen, wann sie frühstückt, damit sie so fit ist. Ich muss es nachmachen, damit ich auch so sein kann. Ich muss wissen, wann sie aufsteht. Nagelfeile oder Nagelschere? Ich muss das wissen, damit ich das auch kann. 

Gibt es eine Frau, die dich krass inspiriert?

Ich bin voll Oldschool und muss einfach sagen, meine Mutter. Meine Mutter hat einfach alles gemacht. Sie hatte mit 15 ihre erste Band. Ich hatte meine erste Band mit 34. Sie hat schon Tourneen in London gespielt, da kann ich noch gar nicht dran denken. Meine Mutter ist musikalisch und menschlich mein größtes Vorbild. Sie ist die stärkste Frau, die ich kenne. Die schlauste, lustigste, musikalischste. Meine Mutter ist mein King. Beyoncé ist geil, aber ich kenne sie nicht. Meine Mutter kenne ich. 

Du bringst einen sehr eigenen Stil mit. Sowohl musikalisch, aber auch optisch in den Videos, in deinem Style, deinen Haaren. Gerade im Popbereich stichst du heraus. Wie kommt es dazu?

Teamwork makes the dream work. Ich habe einen festen Produzentenkreis. Das sind drei, vier Dudes und Mark Forster. Mit meinem Produzenten Michael Geldreich habe ich auch ganz viel zusammen geschrieben. Das ist eigentlich wie ein Tennisspiel. Wir spielen uns die Lines zu. Ganz oft komme ich ins Studio und erzähle eine Geschichte, die ich erlebt habe und dann sagt jemand, drücke das doch so aus oder schlägt Wörter dafür vor. Ich habe einen Song, der nicht aufs Album gekommen ist, der heißt „Lügendetektor“. Mark saß den ganzen Tag im Studio und sagte dieses Wort vor sich hin und fragte, was hältst du von dem Wort? Ich war nur so, warum findest du das geil? Manche Sachen sind einfach geil, wenn man die sagt. Aber „Lügendetektor“ ist nicht „Flash mich“. Das versteht man sofort. Mark sagte aber, das ist ein gutes Wort. Wir wollten daraus erst einen CSI-mäßigen Song machen, aber dann ging es doch um die Liebe. (lacht)

Was hast du für 2018 geplant?

Ab März bin ich auf Tour. 9 Shows. Und dann will ich ein zweites Album schreiben. Zum Ende des Jahres. Dann fragt der Label-Chef sicherlich auch: Wo ist die Ware?

Was wünscht du dir für Frauen und Mädchen heute?

Ich wünsche mir für Frauen und Mädchen heute, dass sie niemals ihre Stimme verlieren. Dass sie immer zu sich selbst stehen und dass sie von innen genauso schön sind, wie von außen.

Liebe Amanda, vielen Dank für das spannende Interview und deine Offenheit. Lass‘ uns doch gemeinsam die Stimmen der Frauen lauter werden lassen.

Amandas aktuelles Album „Karussel“ findet ihr z.B. hier
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Amanda auf Tour 2018

Fotos: © David Königsmann

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