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Alltag in New York – so viel wie nötig, so wenig wie möglich

Wie schon häufiger erwähnt, wollen wir hier bei Not Another Woman nicht nur selbst Einblicke liefern, sondern den vielen großartigen Frauen da draußen ebenfalls die Möglichkeit geben, bei uns zu Wort zu kommen. Frauen, die etwas zu erzählen haben, unseren Horizont erweitern und uns in unserem Alltag inspirieren. Wie zum Beispiel Tina, die mit uns ihre Gedanken über das Leben und die Menschen in Kambodscha geteilt hat. Oder Katrin, die uns die faszinierenden Eisberge in Grönland zeigte.
Heute möchten wir euch Stefanie vorstellen: ihre Mission lautet stets eine neue coole Komfortzone zu finden, um dann wieder den Rucksack zu packen und weiterzufliegen. Diese fand sie zum Beispiel schon in Australien und Südostasien. Zuerst als analoge Nomadin, mittlerweile jedoch auch als digitale. Auf ihrem Blog Comfortzoneless nimmt sie euch gerne mit, wenn sie wieder auf einer neuen Suche nach einer spannenden Komfortzone ist. Aktuell erkundet sie dafür ihre große Traumstadt: New York. Wie sie diese so erlebt, erzählt sie euch nun hier.

Nun stehe ich da mit zwei Koffern, einem Kopf voller Gedanken und zwölf Monaten vor mir. New York, hier bin ich. Meine Traumstadt. Die Stadt, die niemals schläft. Die Stadt, in der alles irgendwie anders abläuft. Die Stadt, die mir den Kopf verdreht. New York City! Ich bin tatsächlich hier.

Im November letzten Jahres hatte ich das Bewerbungsgespräch mit der Firma in Manhattan, für die ich jetzt arbeite. Es war ein Skype-Interview und ich saß auf der Hosteltreppe in Sanur, einem Strandabschnitt von Bali. Das Licht und der Wifi-Empfang waren auf der Treppe am besten. Es war kurz vor Mitternacht meiner Zeit und ich war super aufgeregt. Ich war bereits zwölf Monate auf Reise und genoss das einfache aber abenteuerliche Backpackerleben. An so etwas wie eine Festanstellung hatte ich keinen Gedanken verschwendet, geschweige denn habe ich ernste Geschäftsgespräche in der letzten Zeit führen müssen. Aber es hat funktioniert.

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Das Leben und der Alltag in New York

Fünf Monate lebe ich schon in New York. Es ist aufregend wenngleich die Stadt viel Energie fordert. Und zunehmend stelle ich mir die Frage ob New York lebenswert ist. Liebenswert ja. Aber lebenswert? Ist die Stadt zum Leben geeignet? Sind wir Menschen geeignet, um auf so engem Raum zusammen zu leben? Kann es eine Stadt schaffen, das hohe Maß an Touristenströmen und Einheimischen zu vereinen? Ist die Stadt dafür gemacht, gleichzeitig als Ausflugsmetropole sowie als Wohn- und Arbeitsraum zu dienen? 

Ich denke sogar schon so weit, ob ich es schwer haben würde, in einer anderen Großstadt Fuß zu fassen. Würde ich nicht immer einen Vergleich zu New York anstellen? Würde ich nicht immer an das bunte Eventprogramm denken, an die Möglichkeit rund um die Uhr alles zu machen, auf was ich gerade Lust habe?

Doch im Augenblick genieße ich diesen Moment, unter New Yorkern zu sein. Wenn ich die Mittagspause im Park inmitten anderer Geschäftsleuten verbringe oder ich am Wochenende die Stadt als Tourist erkunde, ist es Faszination. Selbst nach fünf Monaten mache ich von der Skyline immer noch so viele Fotos wie anfangs – bei Tag, bei Sonnenuntergang, bei Nacht. Ich mag auch die Parks als Kontrast zu den Betonklötzen. Ich mag das ganze Flair – hupende Taxis, hastiges Treiben und die unterschiedlichsten Menschengruppen.

Ich liebe die Tatsache, dass kein Tag dem anderen gleicht. Obwohl ich von Montag bis Freitag das gleiche Rahmenprogramm habe, passiert immer etwas, was sich vom Vortag abhebt. Da fängt einer in der Subway an zu tanzen oder es rollt einer mit dem Skateboard und einem Müllsack auf dem Rücken die Park Avenue entlang oder eine kostümierte Gestalt kommt dir am hellen Tage entgegen. In New York habe ich nur so viel Alltag wie nötig und so wenig wie möglich. Das gefällt mir.

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Man muss die Stadt verstehen, um darin zu leben

Ich bin dankbar für die Möglichkeit, ein Jahr in New York als New Yorkerin zu verbringen. Eine Stadt, die immer mein Traum war. Und eine Möglichkeit, die ich irgendwo auf der Treppe eines Hostels eingefangen hatte. Ich denke, man muss die Stadt zunächst verstehen, um sich in ihr wohl zu fühlen. Man muss sie kennenlernen und das beinhaltet die Menschen, das Transportsystem, die rapide Entwicklung, die Anfänge der Einwanderung und die Lebensweise mit unerschöpflichem Konsumverhalten, die Hektik sowie die Extreme.

Alles, was uns an Höflichkeit beigebracht wurde oder was wir als gesundes Preis-Leistungsverhältnis erachten, funktioniert in New York nicht. Hier ist alles anders, aber nicht schlechter. Ich schätze die schönen Seiten der Stadt und akzeptiere die Schattenseiten. Neulich habe ich einen Artikel geschrieben, ob New York aus dir ein Arschloch macht? Die Frage ist zänkisch und sehr salopp formuliert. Der Gedanke dahinter ist, ob man sich in Manhattan nicht etwas gröber und grauenhafter verhält oder sogar verhalten muss? Sich vor die wartenden Menschen an der Fußgängerampel zu drängeln, ist völlig akzeptabel. Einen blöden Blick oder Spruch zu bekommen, wenn man die Laufbahn des anderen behindert, passiert oft. Und dann ist auch schon wieder gut. Man muss verstehen, wie man New York nehmen muss. Und ich lerne jeden Tag dazu – durch Beobachten anderer Leute, durch ein Gespräch im Tante-Emma-Laden oder einfach durch das Rumschlendern durch andere Stadtteile.

Es geht um die Erfahrung und um Gegensätze

Wie alles im Leben geht es um die Erfahrung. Erfahrung lehrt uns. Erfahrung – ob gut oder schlecht – bringt uns immer einen Schritt weiter. Im Nachhinein sind wir doch öfters froh, eben diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich finde, wir sollten viel öfter in Erfahrungen, in Erlebnisse und in Abenteuer investieren. Und mit Abenteuer meine ich keine wilden Exzesse, sondern etwas Neues. Eine Herausforderung. Etwas, wofür wir unsere Komfortzone verlassen müssen. Etwas, was wir noch nie vorher gemacht haben.abschiedsbild-comfortzoneless

Danke Stefanie für deinen Einblick in das Leben in der Stadt der Städte! Wer mehr über Stefanies Abenteuer in der Welt lesen möchte, dem sei ihr Blog Comfortzoneless wärmstens ans Herz gelegt. Außerdem könnt ihr Stefanie auch auf FacebookInstagram und Twitter folgen.

Text & Bilder von Stefanie George